Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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- Sven Felix Kellerhoff, Der Putsch. Hitlers erster Griff nach der Macht (Klett-Cotta)
- Wolfgang Niess, Der Hitlerputsch 1923. Geschichte eines Hochverrats. (C. H. Beck)
„Schreiben in der Hütte“: Maxim Znak, Jurist und Mitglied der belarussischen Oppositionsbewegung, wurde 2021 zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Gefängnis begann er über seinen neuen Alltag zu schreiben. Nun liegen seine pointiert formulierten Texte vor. „Natürlich, diese Autorschaft ist eine besondere, kein Schriftsteller hat sich da in Ruhe hingesetzt, um an seinem Debüt zu feilen, sondern teilte sich mit acht anderen, wechselnden Häftlingen die achtzehn Quadratmeter der ‚Hütte‘, wie die Zelle von ihnen genannt wird. Aber festhalten muss man doch, dass hier ein exzellenter Erzähler am Werk ist, um sich von den Verhältnissen, über die der Leser fast beiläufig viel erfährt, nicht unterkriegen zu lassen.“
- Maxim Znak, Zekamerone. Geschichten aus dem Gefängnis. (aus dem Russischen von Henriette Reisner und Volker Weichsel; mit einem Nachwort von Valzhyna Mort; Suhrkamp)
„Eulen mit Manieren“: Die Biologin Sophia Kimmig erläutert die ökologische Bedeutung der Nacht und porträtiert einige Tierarten, die erst in der Dunkelheit aktiv werden. „Das Buch ist anekdotenreich und liest sich wie ein Best-of tierischer Kuriositäten. Zugleich kalauert die Autorin die instruktiven Passagen gerne in den Hintergrund (…), oder sie unterbreitet Hinweise, die keinen Sinn ergeben (…). Dafür fordert Kimmig den Leser andauernd auf, bestimmte Tiere zu googeln, weil sie hübsch oder interessant aussehen. Eine heikle Empfehlung, denn am Ende bleibt man womöglich vorm Bildschirm kleben und legt das Buch zur Seite.“
- Sophia Kimmig, Lebendige Nacht. Vom verborgenen Leben der Tiere (Hanser)
„Jetzt aber her mit den wirklich richtigen Narrativen“: Trendiges fürs neue Institut: Eine Programmschrift glaubt zu wissen, wohin es mit den Geisteswissenschaften gehen soll. „Programmprosa dieser Art kann trendige Signalwörter, Leerformeln und Nullaussagen kaum vermeiden. Das hat sie mit der Textsorte gemein, die für das Förderwesen der Wissenschaftsinstitutionen typisch ist, mit dem Projektantrag. Das vorliegende Plädoyer – entstanden in der privat finanzierten Hamburger Denkfabrik namens ‚The New Institute‘ – liest sich wie ein Meta-Projektantrag oder auch Projekt-Metaantrag, der der geisteswissenschaftlichen Forschung der Zukunft einen zeitgemäßen Rahmen geben möchte.“
- M. Gabriel/C. Horn/A. Katsman/W. Krull/A. Lippold/C. Pelluchon/I. Venzke, Auf dem Weg zu einer Neuen Aufklärung. Ein Plädoyer für zukunftsorientierte Geisteswissenschaften (aus dem Englischen von Joachim Milles; transcript Verlag)
„Liebeserklärung an den Schwindel“: Nieder mit dem Faktencheck: Martin Suters neuer Roman Melody ist ein richtig gutes Buch. „Vom Erfinder der Allmen-Reihe über den Lebenskünstler und privatisierenden Pleitier Johann Friedrich von Allmen war man zuletzt enttäuscht. Wie man nur als Liebender enttäuscht sein kann. Allmen und der Koi ist eine blasse, ja dürftige Geschichte. Und die Kritik an Suters Hymne auf Bastian Schweinsteiger (Einer von euch) war in der SZ so betitelt: ‚Ein richtig schlechtes Buch‘. Nun, Melody ist, das muss Fans und Buchhandlungen erfreuen, vor allem aber die Buchhändlerinnen, Melody ist ein richtig gutes Buch. Eines, das man traurig verabschiedet, weil es von jener Leichtigkeit ist, die ihren Grund in der valentinesken Schwere hat.“
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Martin Suter, Melody. Roman (Diogenes)
Kinder- und Jugendliteratur
„Spare, spare, Eisle kaufe“: Zwei Bücher wollen junge Menschen für Finanzen begeistern. Sie zeigen: Am besten geht das über den Bauch, nicht über den Kopf. „Mit beiden Büchern könnte es sein wie mit so vielen Sachbüchern für Kinder: Freude an der Lektüre haben vermutlich vor allem die Eltern. Aber wenn sie anschließend nicht nur selbst besser verstehen, was beispielsweise derzeit die Pleite der Silicon Valley Bank für Menschen in Deutschland bedeuten kann, ist schon etwas gewonnen. Denn dann können sie es ihren Kindern erklären.“
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Tobias Klostermann, Wie werde ich reicher als meine Eltern? Alles, was Du über Geld wissen musst (Hanser)
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Magdalena Sporkmann, Miss Money. Was schlaue Mädchen über Geld wissen sollten (Dtv)
„Mädchenpferde“: Palomino wechselt charmant die Perspektive. „Die ‚Palomino‘-Reihe aus Frankreich ist nun mit den ersten beiden Bänden in Deutschland angekommen. Michaël Escoffier (Text) und Matthieu Maudet (Illustrationen) stellen darin eine allzu bekannte Situation aus dem Alltag vieler Kinder und Eltern einfach auf den Kopf: Der Traum vom eigenen Haustier respektive Pferd wird zum Pony-Traum vom eigenen Mädchen. Ein pfiffiger Perspektivwechsel. (…) Einziges Manko: Die Bücher sind schnell durchgelesen“
„Im Rennen“: Die Longlist für den Deutschen Jugendliteraturpreis
„Die Hohlwelten und die Schmetterlinge“: Bei den herzerfrischenden Nominierungen zum Preis der Leipziger Buchmesse werden wie immer Äpfel, Birnen und Haselnüsse verglichen. „Naheliegendes und Überraschendes bei den Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse.“
„Die Unendlichkeit, vom Ende her betrachtet“: Julia Schoch beschreibt Das Liebespaar des Jahrhunderts. „Die Jahrzehnte nach der Wende laufen mit, pointierte Beobachtungen machen aus dem Liebespaar des Jahrhunderts beiläufig eine Zeitgeschichte. Der Titel hat nichts oder kaum etwas Zynisches an sich, trotz des Scheiterns auf ganzer Linie. Aber was war, ist immer noch gewesen, auch wenn es so ungemein vorbei ist, dass die Frau Mühe aufwenden muss, um es zu rekonstruieren. Ihre Vergleiche überraschen immer wieder.“
- Julia Schoch, Das Liebespaar des Jahrhunderts. Biographie einer Frau. (dtv)