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Umgeblättert heute: „Ein Wunderwerk!“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Das ist Springer, zu 100 Prozent“: Das Buch Noch wach? von Benjamin von Stuckrad-Barre wurde als Schlüsselroman erwartet. Es hält, was es verspricht. „In Teilen inspiriert? Eigenständiges neues Werk? Das wollen wir dem Autor nur in der Hinsicht durchgehen lassen, als er und sein Verlag sich so rechtlich absichern. Könnten Mathias Döpfner oder Julian Reichelt gegen ein Buch vorgehen, in dem sie namentlich nicht ge­nannt werden, von dem man aber weiß, dass jede Seite von ihnen handelt? Jede geschilderte Szene, jede Unterhaltung, jeder Chat? Die Unterstellung dieser 379 Seiten ist: So und nicht anders ist es gewesen. So wird es nicht gesagt, ist aber so gemeint und wird auch so verstanden werden.“

  • Benjamin von Stuckrad-Barre, Noch wach? (Kiepenheuer & Witsch)

„In den Gesichtern spielt sich das Drama ab“: Der italienische Zeichner Igort zeigt mit Berichte aus der Ukraine: Tagebuch einer Invasion, dass Comic-Journalismus ebenso aktuell wie eindrucksvoll sein kann. „Neues wird man aus seinem Buch nicht erfahren, aber Genaueres, weil es hier meist die ‚kleinen Leute‘ sind, die zu Wort und Bild kommen. Unter den zahlreichen Publikationen zum Krieg in der Ukraine ragt Tagebuch einer Invasion heraus, weil es buchstäblich anschaulich ist und doch nicht explizit im Ausstellen von Grausamkeiten.“

  • Igort, Berichte aus der Ukraine 2. Tagebuch einer Invasion. (aus dem Italienischen von Myriam Alfano; Reprodukt)

„Wer greift an, und wer wird angegriffen?“: Wenn die Unterschiede zwischen Angreifern und Verteidigern verschwimmen, ist es auch mit der Erkenntnis nicht weit her: Alexander Kluges Kriegsfibel 2023. „Von der Ukraine ist nur in wenigen Episoden oder Reflexionen die Rede, einige Fotos zeigen Zerstörungen. Man erfährt, dass westliche Geheimdienste in der Ukraine tätig sind und dass dieser Staat keine gewachsene Identität besitzt. Solche Aussagen legt Kluge, wie fast alles in seiner Fibel, Figuren in den Mund. Aber die Auswahl der Figuren und ihre Reden sind nicht in das Buch hineingeweht, sondern vom Autor komponiert worden, zu dieser reduziert-tendenziösen Sicht auf die Ukraine.“

  • Alexander Kluge, Kriegsfibel 2023. (Suhrkamp Verlag)

„Der Siegeszug der Parodie“: Was bleibt, stiften die Dichter, nicht die Gewaltherrscher: Diese Überzeugung hat Salman Rushdie seinem neuen Roman schon vor dem Attentat auf ihn eingeschrieben. Umso drastischer wirkt Victory City, das nun auf Deutsch erscheint. „Was Rushdie dann entwickelt, könnte ein feministischer Ritterroman werden, die Utopie eines moderneren und toleranteren Indiens, als es je existierte. (…) Auch die Sprache gerät dabei wild durcheinander, neben Kronprinzen und falschen Krishnas sieht man ‚Möchtegern-Revoluzzer‘ und einen totalitären ‚Senat Göttlicher Überlegenheit‘. Es ist Bernhard Robben zu verdanken, den Roman wirklich übertragen zu haben in ein lesbares Deutsch, was bei den letzten Büchern Rushdies nicht immer der Fall war.“

  • Salman Rushdie, Victory City. Roman. (aus dem Englischen von Bernhard Robben; Penguin Verlag)

„Die Verachtung“: Benjamin von Stuckrad-Barres Roman Noch wach? enttäuscht keine Klatschnase rund um den akuten Wahnsinn beim Springer-Konzern. Und nein, die Frauen hat er nicht vergessen. Nur die Literatur. „Das will man schon nicht mal mehr in Online-Kommentaren lesen, noch weniger will man das in einem Roman lesen. Die aber ja hochtragische Spannung zweier Weltsichten, zwischen dem Erzähler und dessen ‚Freund‘, beschreibt Stuckrad-Barre so wenig komplex wie fast alle Charaktere (…)“

  • Benjamin von Stuckrad-Barre, Noch wach? (Kiepenheuer & Witsch)

„Wir überleben durch Geschichten“: Salman Rushdies neuer Roman Victory City ist von einem Hindu-Reich inspiriert, erzählt aber virtuos von heute: Warum läuft es schief? „Rushdie nimmt sich in diesem Buch der sagenhaften Stadt Hampi an, die früher Vijayanagara hieß und von 1343 bis 1565 als Hauptstadt des gleichnamigen untergegangenen Hindu-Reiches fungierte. Man muss aber keinerlei Vorkenntnisse in indischer Geschichte haben, um in diesen Roman einzusteigen. Es ist vielmehr so, dass sich der Autor diesen Stoff angeschaut hat und dann etwas völlig Eigenes draus macht (…)“

  • Salman Rushdie, Victory City. Roman. (Penguin Verlag)

„Die Stadt der Worte“: Salman Rushdies Roman Victory City ist ein Wunderwerk der Erzählkunst – und macht klar, dass Aufklärung und Vernunft ohne Spiel weder aufgeklärt noch vernünftig sein können. „Ein Wunderwerk. Rushdie erklärt, es sei doch ganz gut, dass das Buch eines 75-Jährigen sich so jung und vital anfühle. Noch bewundernswerter als das ist die Freiheit, die souveräne Überlegenheit, mit der er alle Register zieht. Er springt durch Zeiten und Stile, spielt mit allem und jedem.“

  • Salman Rushdie, Victory City. Roman. (Penguin Verlag)

„Mitten im Getümmel“: Benjamin von Stuckrad-Barres Roman Noch wach? lässt tief blicken. „Nun liegt es also vor, das am meisten herbeigeraunte Buch der Saison. Noch wach? von Benjamin Stuckrad-Barre wurde schlaflos erwartet, vorrangig natürlich von der Berliner Medienblase, der Führungsetage eines großen Verlagshauses und der Anwaltskanzlei von Ex-Bild-Chefredakteur Julian Reichelt.“

  • Benjamin von Stuckrad-Barre, Noch wach? (Kiepenheuer & Witsch)

„Unglückliche Liebe währt lang“: Martin Suter und der Roman über die vor der Hochzeit verschwundene Melody. „Nach seinem Ausflug als Biograf eines Fußballprofis („Einer von euch“) und als gewitzter Gesprächspartner eines Popliteraten („Alle sind so ernst geworden“) macht Martin Suter wieder das, wofür er seit 25 Jahren, seit dem Roman Small World, geliebt wird: Er erzählt eine scheinbar einfache Geschichte, die mit überraschenden Wendungen Geheimnisse preisgibt. Mag es an Suters Ruf liegen, dass der Roman sofort ein Bestseller wurde. Dessen Qualität dürfte dafür sorgen, dass er es eine Weile bleibt.“

  • Martin Suter, Melody. Roman. (Diogenes)

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