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Umgeblättert heute: „Die Entscheidung, den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Salman Rushdie zu verleihen, ist ebenso naheliegend wie sensationell“

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:

 

„Sieger nach Worten“: Dass Salman Rushdie trotz der Todes-Fatwa und dem Attentat von Chautauqua noch lebt, ist ein großes Glück. Dass er nun den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält, ist sehr zu feiern. „‚Worte sind die einzigen Sieger‘: Das könnte fast schon ein Leitsatz für die Friedenspreisrede sein, die Salman Rushdie – hoffentlich – im Oktober am Ende der Frankfurter Buchmesse in der Paulskirche halten wird. Und dort Gelegenheit zur Auslegung hat.“

„Seine Doktrinen liefen in der Praxis aufs Gegenteil hinaus“: Ausgangspunkt für heutige Drohgebärden: Julia Lovell zeichnet ein Bild der chinesischen Politik und globalen Propaganda in der Ära Maos. „Es ist das Verdienst der in London lehrenden Sinologin Julia Lovell, den ‚Maoismus‘, oder richtiger: die aktivistische chinesische Innen- und Außenpolitik und Globalpropaganda der Mao-Ära, als ein zentrales, vieles erklärendes Element in das Gesamtbild der Geschichte dieser Zeit einzuzeichnen.“

  • Julia Lovell, Maoismus. Eine Weltgeschichte. (aus dem Englischen von Helmut Dierlamm und Norbert Juraschitz; Suhrkamp Verlag)

„Die Ebene trunken vom Verbrechen“: Idiotie, der Text, mit dem Pierre Guyotat, das Enfant terrible der französischen Literatur, spät doch noch Erfolg hatte, erscheint erstmals auf Deutsch. „Idiotie wurde in Frankreich gefeiert und mit dem Prix Médicis ausgezeichnet. Der Diaphanes Verlag sieht darin späte Gerechtigkeit: 1967 wurde der Preis Guyotats wohl wichtigstem Roman, Grabmal für fünfhunderttausend Soldaten, verweigert, Claude Simon verließ die Jury damals im Protest. 2018 rundete die Auszeichnung eine Guyotat-Renaissance ab. Im deutschsprachigen Raum hat sie dank konsequenter Übersetzung ein Echo und mit Idiotie nun ihren Abschluss gefunden – ein Grabmal für nur einen Soldaten, und selbst der wider Willen.“

  • Pierre Guyotat, Idiotie. (aus dem Französischen von Anne Krier; Diaphanes)

Triumph der Freiheit“: Salman Rushdie erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. „Die Entscheidung, den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Salman Rushdie zu verleihen, ist ebenso naheliegend wie sensationell. Naheliegend, weil Rushdie nun mal der berühmteste lebende Schriftsteller ist, und sensationell, weil er, ohne es zu wollen, zum Symbol für universelle Werte, für Meinungsfreiheit und die Freiheit schlechthin geworden ist.“

„‚Dank & Gruß!“: Arno Schmidt lebte zurückgezogen, beantwortete aber reichlich Fanpost. Eine Ausstellung zeigt jetzt ein Destillat aus anderthalb Regalmetern Lob und Schmähungen.

„Von Häme gegenüber der Religion wird abgeraten“: „Neben der Empfehlung, das neue, zweite Buch der Physikerin Sabine Hossenfelder zu lesen, gibt es noch zwei andere vorab: Man beginne mit dem Nachwort, das mit dem gefühligen, aber an sich nichtssagenden deutschen Titel endet und ihre Absichten sehr gut erklärt. Und man vergegenwärtige sich den Titel der bei Viking in New York erschienenen englischsprachigen Originalausgabe. Übersetzt lautet er allen Ernstes ‚Existenzielle Physik: Ein wissenschaftlicher Leitfaden zu den größten Fragen des Lebens‘.“

  •  Sabine Hossenfelder, Mehr als nur Atome. Was die Physik über die Welt und das Leben verrät (Siedler)

„‚Genau das tun wir einander an’“: Salman Rushdie erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. „Ich freue mich über den Friedenspreis für Salman Rushdie auch, weil er kein Friedensprediger ist, sondern zeigt, wie Konflikte funktionieren, wie sie Kinder werfen in alle Richtungen. In seinem jüngsten Roman bedarf es einer eigens kreierten Mythologie, um von dem legendären Moment eines sich schnell verflüchtigenden Sieges der Toleranz im südindischen Vijayanagar zu erzählen.“

„Jetzt aber wirklich raus aus dem Elfenbeinturm“: Zum Tod von Klaus Doderer, Nestor der Kinderliteraturforschung. „Wenn es jemand ernst meinte, Kindern in der Gesellschaft eine gleichberechtigte Position zukommen zu lassen, dann war es der Germanist Klaus Doderer, der in seinem Fachgebiet der Jugendbuchforschung, einen Beitrag dazu leistete. Mit der Gründung eines Instituts an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt (1963), belegte er nicht nur die historische Bedeutung der Kinderliteratur, sondern beobachtete auch kritisch die moderne Entwicklung realistischer Geschichten für junge Leser und Leserinnen und setzte beiden wissenschaftlichen Strängen mit der Herausgabe des Lexikons der Kinder- und Jugendliteratur (1975-1982) ein Denkmal. Vergangene Woche ist Klaus Doderer im 99. Lebensjahr in Darmstadt verstorben.“

„Der Schüler Till“: Tonio Schachinger gelingt ein gewitzter Wien-Roman, der nichts über sich selbst hinaus bedeuten will und darum Welten eröffnet. „Echtzeitalter ist aber vor allem ein erschütternd witziges Buch. Dies geschieht ohne Anstrengung, nach österreichischer Art. Der österreichische Witz ist schon mittendrin und lässt die fadeste Hölle funkeln, während unsereiner noch dabei ist, sich zu orientieren.“

  • Tonio Schachinger, Echtzeitalter. Roman. (Rowohlt)
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