Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die Feuilletons der führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch:
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„Geweint, nicht geweint“: Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur legt die Jury neue Maßstäbe an und streitet heftig. Den Bachmannpreis gewinnt Valeria Gordeev. „Dass der mit 25.000 Euro dotierte Bachmannpreis in diesem Jahr an die 1986 in Tübingen geborene Valeria Gordeev ging, war ob seltener Einigkeit der Jury in der Diskussion darüber abzusehen. Die Auszeichnung ist nicht unverdient angesichts einer von ihr mikroskopisch genau beschriebenen Putzneurose, hinter der sich manches verbirgt. Gordeev arbeitet seit einiger Zeit an einem Debütroman, der sich auch mit der russischen Gegenwart auseinandersetzt.“
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„Notwehr“: Beim diesjährigen Bachmann-Preis lasen die meisten Autoren autobiografisch anmutende Texte. Das macht die Jury vorsichtiger – und Valeria Gordeev zur Gewinnerin. „Beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb waren in diesem Jahr nun elf von zwölf Erzählungen in der Ich-Perspektive erzählt, und in den meisten Fällen teilten diese Erzähler zumindest äußerlich Merkmale mit ihren Autoren. Das ist ein rasanter Wandel, und die Frage ist nun, ob das, was sich hier vollzieht, am besten als narzisstischer, politischer oder identitärer turn beschrieben ist. Der Vorwurf, die Gegenwartsautoren würden sich vor allem selbst bestaunen, während sich die Welt neben dem Klimawandel noch der Inflation, des Kriegs in der Ukraine und den Spätfolgen der Pandemie zu erwehren hat, erhebt sich geradezu von selbst.“
„Unter Auftragskillern“: Japans Bestseller-Autor Kotaro Isaka schickt im Thriller Suzukis Rache einen Lehrer auf gefährliche Mission. „Was Isaka schreibt, klingt manchmal direkt wie aus einem amerikanischen Film, merkte ein japanischer Literaturkritiker einmal an. Da gehörten die Bücher des Autors zwar schon in Japan zu den Bestsellern, – mehr als vierzig Romane hat er in seiner Heimat mittlerweile veröffentlicht, einige sind dort auch als Film adaptiert worden –, Isaka war jedoch erst dabei, auch im englischsprachigen Ausland berühmt zu werden.“
- Kotaro Isaka, Suzukis Rache. Thriller. (aus dem Japanischen von Sabine Mangold; Hoffmann und Campe Verlag)
„Göttin des Gemetzels“: Ein wildes Tier, das nicht mehr von seiner Beute ablässt: Yasmin Angoe legt ein exzessives Thriller-Debüt vor. „Natürlich liegt es nahe, die detaillierte Beschreibung so ausufernder Barbarei zu verurteilen. Genauso nahe liegt es allerdings, die Autorin dafür zu loben, dass sie das schmutzige Geschäft des Menschenhandels und die Unterdrückung afrikanischer Frauen aufgreift, dass sie eine körperlich und psychisch versehrte Ghanaerin zur Hauptfigur macht, dass sie eine Trigger-Warnung geschrieben hat und hervorhebt, sie habe sich ihrem Material mit ‚größter Sensibilität und mit Respekt‘ gewidmet.“
- Yasmin Angoe, Echo der Gewalt. Thriller. (aus dem Englischen von Karin Diemerling; herausgegeben von Thomas Wörtche; Suhrkamp Verlag)
„Bloß nicht aussteigen“: Der französische Schriftsteller Yves Ravey überzeugte mit Die Abfindung. Nun legt er nach – und macht Urlaub mit Todesfolge auf Sizilien. „Taormina ist der zweite ins Deutsche übersetzte Kriminalroman des ehemaligen Lehrers und inzwischen auch über Frankreich hinaus renommierten Schriftstellers Yves Ravey, der sich für seine Handlung ganz auf die Sicht eines unzuverlässigen Erzählers einlässt, oder genau genommen: die Sicht eines Täters.
Ravey dürfte keine besonders hohe Meinung von seinen Zeitgenossen haben, das legen beide Lektüren nah. Beide arbeiten mit einer verknappten, extrem verdichteten Form, brauchen je nur rund einhundert Seiten, um ihren Punkt zu machen, und nehmen sich dabei nicht mal die Zeit, um Dialoge durch Anführungszeichen vom Fließtext abzusetzen.“
- Yves Ravey, Taormina. Roman. (aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller; Liebeskind Verlag)
„Täuschung und Verrat“: Neue Krimis in Kürze: Maiken Nielsen, Max Reiter, Antoine Wilson
- Maiken Nielsen, Die Frau, die es nicht mehr gibt (Rowohlt)
- Max Reiter, Erinnere dich! (Scherz)
- Antoine Wilsons, First Class (Kein & Aber)
heute nichts