Am 30. und 31. Januar traf sich der Arbeitskreis Verlags-PR (AVP) zur 32. Jahrestagung in Köln – in der „Wohngemeinschaft“, deren entspannte Atmosphäre gut zur insgesamt gelösten Stimmung unter den zahlreichen Teilnehmer:innen passte. Trotzdem ging es selbstverständlich auch um die Herausforderungen, vor denen Verlagspressesprecher:innen heute stehen.
Zunächst zeigte der Rückblick auf das vergangene Jahr, wie aktiv der AVP, vor allem auch in den Regionalgruppen ist, mit zahlreichen Veranstaltungen vor Ort. Aktuell zählt der Verein 477 Mitglieder, darunter 51 Neuzugänge.

Bei den Vorstandswahlen wurde der bisherige Vorstand im Amt bestätigt (s. Foto). Gleichzeitig wurde ausdrücklich dazu ermutigt, sich künftig selbst zur Wahl zu stellen und Verantwortung im Verband zu übernehmen. 2026 wird die AVP-Klausurtagung in Wien stattfinden.
In ihrer Eröffnungsrede fand AVP-Vorsitzende und Pressesprecherin von Penguin Random House Rebecca Prager bestärkende Worte für die Rolle des Buches in einer zunehmend beschleunigten Welt. Diese werde „immer schneller, lauter und fragmentierter“, während Bücher Räume zum Innehalten schafften – als Auszeit von der Welt, deren Türen Leser:innen immer wieder neu öffnen könnten. Ebenso deutlich plädierte sie für Offenheit im Leseverhalten: New-Adult Literatur solle nicht verurteilt werden. Entscheidend sei, Menschen überhaupt für das Lesen zu begeistern.
Eine „Wildcard“, mit der Mitgliedsbeitrag, Jahrestagungsteilnahme und Mentoring für ein Jahr abgedeckt sind, ging an Lea Achmüller, Volontärin bei Suhrkamp Insel. In ihrem prämierten Essay zur Frage, wie Verlage New-Adult-Leser:innen langfristig ans Lesen binden können und welchen Beitrag PR dazu leistet, argumentierte sie, NA sei weniger ein Genre als vielmehr eine Zielgruppe. Erfolgreiche PR brauche deshalb konsequente Community-Arbeit, Veranstaltungen und organische Brücken zu anderen Programmbereichen – von Krimis bis hin zu Sachbüchern, in denen NA-relevante Themen verhandelt werden. Ihr Credo: Begeisterung sei der stärkste Motor der Branche.
Neun Workshops, viele Perspektiven
Das Programm bot neun parallel stattfindende Workshops – von PR-Grundlagen über moderne Sachbuchkommunikation zwischen BookTok und klassischer Pressearbeit bis hin zu Shitstorm-Management, Veranstaltungsformaten, Autor:innenbetreuung und Fragen der Zielgruppenansprache in einer immer komplexeren Gesellschaft. In kurzen Feedbackrunden zur Mittagspause wurden erste Erkenntnisse geteilt.
„Meet the Media“: Weniger Formate, mehr Druck
Für BuchMarkt stand besonders der Workshop „Meet the Media“ im Fokus. Zum Auftakt berichtete in diesem die Literaturredaktion des WDR von strukturellen Umbrüchen im Haus. Das Leitmotiv: „Mehr Kraft in weniger Angebote“. So ist der WDR mit dem Format „literally“ beispielsweise inzwischen auch auf TikTok zu finden.
Eine Befürchtung der PR-Kolleg:innen war in diesem Zusammenhang, dass die Zusammenschlüsse in Medienhäusern häufig zu einer inhaltlichen Bündelung führen: weniger Stimmen, weniger Sendeplätze, weniger Bühnen – mit spürbaren Auswirkungen auch auf Sichtbarkeit, Rechtehandel und Lizenzgeschäfte. Aber auch die Frage „Wo findet Kritik statt?“ stand mehrfach im Raum. Wenn klassische Formate wegfallen und das Internet zugleich unüberschaubar breit wird, werde die strategische Platzierung immer anspruchsvoller. Beim Thema New Adult wurde angemerkt, dass entsprechende Stoffe in vielen Redaktionen bislang unterrepräsentiert seien.
Das Abendessen wurde vom Kölner Greven Verlag ausgerichtet.
Gespräche, Einblicke, neue Kontakte
Weitere Programmpunkte brachten Journalist:innen und Medienschaffende direkt mit den PR-Verantwortlichen ins Gespräch:
• Mona Ameziane sprach mit Sonja Hahn (dtv) über den Podcast Zwei Seiten.
• Anne Burgmer vom Kölner Stadt-Anzeiger gab Einblicke in ihre Arbeit.
• Catrin Stövesand (Deutschlandfunk) stellte die redaktionellen Abläufe des Senders vor.
• Hanna Schönberg vertrat BuchMarkt mit einem eigenen Slot.
Den Abschluss bildete eine Blogger:innenrunde mit Uwe Kalkowski (Kaffeehaussitzer), Liesa Rebbig (HejLiesa), Anna Lenke (Wanderanni) und Franzi Hornhues (buecher_traumerin). Diskutiert wurden unter anderem die professionelle Betreuung von Blogger:innen, aber auch der sinnvolle Einsatz von Blogger:innenboxen.
Zwischen Aufbruch und Unsicherheit
Neben aller Aufbruchsstimmung machte die Tagung auch die wachsenden Sorgen vieler PR-Kolleg:innen deutlich: schwindende Medienflächen, steigender Konkurrenzdruck um Aufmerksamkeit und die Herausforderung, Zielgruppen in fragmentierten Öffentlichkeiten noch verlässlich zu erreichen. Gerade deshalb erwies sich die AVP-Jahrestagung als wichtiger Ort des Austauschs.
Hanna Schönberg