
Am 11. April findet in Wien erstmals ein ambitioniertes Literaturformat statt, der Wiener Ball der Bücher. Ins Leben gerufen haben ihn Sarah Bohatschek, Lektorin und Verlagswirtin der Goldegg Verlage und Monika Weithofer von Goldegg Training, der hauseigenen Akadmie der Goldegg Verlage. Ihr eingetragenes Einzelunternehmen Buchwandlerin Verlag steht hinter dem Ball. Dieser ist schon jetzt mit 850 Gästen ausverkauft. Wir haben nachgefragt, was hinter dem Konzept steckt.
BuchMarkt: Wie passen Ball und Bücher zusammen, warum braucht es aus Ihrer Sicht einen Ball der Bücher?
Sarah Bohatschek: Die Buchbranche trieft vor Melancholie und ohne die bekannten Schwierigkeiten leugnen zu wollen: Ist es das Buch als Medium nicht wert, ins Rampenlicht geholt zu werden? Buchmenschen werden oft als intelligent, introvertiert und langweilig in eine Ecke gestellt, aus der wir sie gerne rausholen möchten. Einen Abend, glamourös, in bester Gesellschaft und ausgelassen das großartigste Hobby aller Zeiten feiern, mit Gleichgesinnten durch die Nacht tanzen und das geschrieben Wort feiern, das ist unser Ziel. Ein eingestaubtes Image abschütteln und die Leute aus der Buchwelt schlichtweg zusammenbringen, in einem Rahmen, der uns daran erinnert, dass das Leben gut sein und dass Gemeinschaft Berge versetzen kann.
Wie genau werden Ball und Bücher auf der Veranstaltung miteinander verbunden?
Das Motto „Bücher“ wird in jedem Detail spürbar, angefangen bei der Dekoration mit verschiedenen Lichtstimmungen, Büchern, Schreibmaschinen, schweren Stoffen bis hin zu Moos und Elementen, die die jeweiligen Motto-Räume repräsentieren. Auch bei der Musikwahl verbinden wir Buch und Ball. Die Eröffnung wird beispielsweise mit Musik gestaltet sein, die in Filmen genutzt wurde, um Bücher lebendig zu machen… sprich aus verfilmten Büchern wie Harry Potter, Bridgerton und vielen mehr. Und es gibt interaktive Stationen, maßgeschneidert für Buchmenschen über die wir noch nicht zu viel verraten wollen.
Die typischen Elemente von Literaturveranstaltungen wie Büchertische oder Lesungen gibt es also nicht?
Nein, es gibt keine Büchertische im klassischen Sinn. Es wird in dem Saal, den wir „verträumte Bibliothek Narnias nennen“ aber eine kleine Pop up Bibliothek aufgebaut – diese dient als Pop-up Buchhandlung und wird von der Buchhandlung List betreut. Auch Lesungen gibt es keine, aber Meet and Greets mit bekannten Autor:innen. Ihre Bücher gibt es dort auch zum Kauf, sodass man sich Bücher signieren lassen kann.
Für welche Art der Literatur eignet sich der Ball und wie können Unternehmen mitmachen?
Für jegliche Art der Literatur. Wir haben den Ball keinem bestimmten Genre zugeschrieben. Stattdessen bilden drei Motto-Räume, die diverse Genres repräsentieren das Herz der Veranstaltung: Der Bridgerton-Ballroom, in dem Live-Musik zum Tanzen einlädt, der Sherlock-Holmes Diningroom und die verträumte Bibliothek Narnias, in der neben dem Buchverkauf wie schon beschrieben auch die Meet and Greets mit unseren Starautor:innen stattfinden.
Wir haben uns bemüht, die unterschiedlichen Spieler:innen der Buchbranche zusammenzubringen. Der Ball soll ein Gemeinschaftsprojekt sein und allen, die gerne möchten, eine Teilnahme ermöglichen. Unternehmen haben die Möglichkeit, ihre Marke vor einer gut definierten Zielgruppe auf kreative Art und Weise zu präsentieren und ein Zeichen in Kulturpolitik und Bildung zu setzen. Verlage können Bücher in der Pop-up-Buchhandlung am Ball verkaufen und Selpublisher:innen ihre neuesten Werke ausstellen. Wir rechnen damit, dass sich die Teilnahmemöglichkeiten für den Ball 2027 noch erweitern.
Wie trägt sich die Veranstaltung?
Die Veranstaltung wird getragen von Kooperationen innerhalb und außerhalb der Buchbranche, Sponsoring und dem Kartenverkauf an die Ballgäste.
Wie sind weitere Projekte wie die Medienkooperation mit Buchkultur und der Lesewein zustande gekommen?
Startet man ein Projekt dieser Größe, ergeben sich unweigerlich Chancen, die wir unbedingt wahrnehmen wollten und weiterhin wahrnehmen möchten. Die Medienkooperation mit Buchkultur macht nicht nur große Freude, sondern eröffnet einen zusätzlichen Kommunikationskanal zu unseren Gästen und Kund:innen. Es ist eine großartige Möglichkeit die gegenseitige Reichweite auszubauen und Stimmen aus der Buchwelt eine Plattform zu bieten.
Der Lesewein hingegen ist zweierlei: Herzensprojekt und Marketingtool für den Ball. Genuss, Freude und Glamour sind die Stichwörter, die Monika Weithofer und ich mit der oft vorurteilsbehafteten Buchbranche in Verbindung setzen möchten – was eignet sich da besser als ein erlesener Tropfen Wein, um diese Botschaft zu verbreiten?
Mit wie viel Aufwand ist die Organisation verbunden?
Der Ball in der Größe, die er nun angenommen hat, mit all seinen eben genannten „Nebenprojekten“ hält Aufgaben für mehr als zwei Personen bereit. Wir sind dankbar, mit einem Team aus Expert:innen und unserem Ballkomitee zusammenarbeiten zu dürfen. Für uns als Gründerinnen und Organisatorinnen ist es im Laufe der Zeit zu einem richtigen Nebenjob geworden mit mehreren Stunden Aufwand pro Woche. Die Planungen für den ersten Wiener Ball der Bücher haben im Jänner 2025 begonnen.
Wäre auch ein solcher Ball in Deutschland denkbar?
Auf jeden Fall! Es finden hier und da bereits Events in unserem Nachbarland statt, die einen ähnlichen Anspruch haben. Tatsächlich reisen auch Gäste aus Deutschland für den ersten Wiener Ball der Bücher an, die sich das Debüt nicht entgehen lassen möchten. Das Interesse besteht also, was für eine „Auflage“ in anderen Orten eine gute Basis zu sein scheint.
Die Fragen stellte Hanna Schönberg