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Die Lust auf Neues stand im Mittelpunkt des diesjährigen Libri.Campus live

Elena Appel und Johanna Cantzler vom Mediacampus Frankfurt beim Workshop (Ver-)bindungen schaffen (Foto: Libri)

Buchhandlungen in einem zunehmend herausfordernden Marktumfeld mit praxisnahen Impulsen neue Gestaltungsräume und Wachstumsperspektiven aufzeigen: Das war das Ziel des diesjährigen Libri Campus live. Mehr als 180 Buchhändler:innen ließen sich am 7. und 8. Mai vom Motto „Neugierig“ anstecken und zeigten sich auf der größten deutschen Weiterbildungsveranstaltung für den inhabergeführten Buchhandel begeistert von neuen Austausch- und Weiterbildungsformaten.

Zukunftslust – mit diesem Schlagwort gab Katharina Ehrenmüller vom Ministerium für Neugier & Zukunftslust ihrer Keynote die Richtung vor. Zukunftslust sei eine innere Haltung, die einen in die Lage versetzt, die Welt aktiv mitzugestalten, so Ehrenmüller. Um dauerhaft neugierig zu bleiben, gab sie den Buchhändler:innen drei Tipps mit: Von der Expert:innenrolle immer mal wieder in die Anfänger:innenrolle zu wechseln, mehr Fragen zu stellen und dabei gut zuzuhören sowie andere Perspektiven einzunehmen.

In die praxisnahe Umsetzung ging es anschließend in neuen Veranstaltungsformaten, die erstmals parallel am Donnerstag stattgefunden haben. Der Libri.Campus folgte damit dem Wunsch der teilnehmenden Buchhändler:innen nach noch mehr Raum für Interaktion und Austausch.

Beim Storybattle „Kooperations-Champions gesucht!“ mit Libri.Campus-Moderator Robert Duchstein wählten die Teilnehmenden über mehrere Runden hinweg die besten Kooperationsideen. Durchgesetzt haben sich am Ende Jacqueline Kamperschroer (Buchhandlung Siebzehn56) mit ihrer Idee, Buchempfehlungen in Zusammenarbeit mit Sportvereinen in den Vereinsheimen zu teilen, Christina Kelm (Buchhandlung Lesekatze – Bücher und mehr) mit der Fortsetzungslesung „Alzenau liest“, bei der in der Stadt nacheinander in verschiedenen Locations aus demselben Buch gelesen wurde, und Christiane Köhn-Ladenburger (Buchhandlung Kleine Schusterwerkstatt) mit einem Kund:innenmagazin, an dem sich Buchhandlungen gemeinschaftlich beteiligen können.

Wie KI-Tools vor allem kleineren Buchhandlungen neue Gestaltungsräume verschaffen können, veranschaulichte KI-Beraterin Katja Krause anhand einer fiktiven Buchhandlung. Dabei gehe es um mehr als nur das Erstellen von Texten. Das KI-Tool Claude Projects lernt im Vergleich zu anderen Anwendungen die Buchhandlung dauerhaft kennen, merkt sich das Sortiment, die Zielgruppe und den Tonfall. Das spart Zeit und ermöglicht eine einheitliche Kommunikation über verschiedenste Kanäle wie Newsletter oder Social Media. Die Sichtbarkeit wird so gesteigert und die Kundenbindung effektiv erhöht. Für alle, die KI für ihre Kommunikation nutzen wollen, hat Katja Krause eine umfangreiche Anleitung erstellt, die Libri auf der Campus-Seite zum Download zur Verfügung stellt.

Den Ausbau der Kund:innenbindung hatte auch der Workshop von Elena Appel und Johanna Cantzler vom Mediacampus Frankfurt zum Inhalt. Sie machten anhand von Praxisbeispielen deutlich, wie Kommunikation wirkt und wie aus einem routinierten Beratungsgespräch durch aufrichtiges Interesse und die richtigen Fragen eine echte Begegnung wird, die bei Kund:innen verfängt. „Die Neugier der Buchhändler:innen und ihre Lust, Neues zu lernen und auszuprobieren, ist absolut ansteckend“, zeigte sich Bertram Pfister, Vertriebsleiter Libri, begeistert von der Atmosphäre in der Bad Hersfelder Schilde-Halle. „Der Libri.Campus ist schon immer mehr als nur eine reine Fortbildungsveranstaltung. Die Begeisterung für Bücher und den Buchhandel ist hier spürbar und sie wirkt inspirierend. Unser neu gestaltetes Programm mit mehr Interaktion in kleineren Gruppen greift diese besondere Stimmung auf und wurde von den Teilnehmenden fantastisch angenommen.“

Zentrale Branchenthemen auf dem Campus

Im erweiterten Rahmenprogramm stellte der Libri.Campus auch zwei zentrale Branchenthemen in den Fokus: Leseförderung und Nachfolge. Buchhändlerin Nora Schott, Leiterin beim Literanauten-Projekt des Arbeitskreises für Jugendliteratur, präsentierte, wie Leseförderungsprojekte für junge Zielgruppen funktionieren können – indem sie von Jugendlichen für Jugendliche gemacht werden. Junge Menschen wüssten schließlich am besten, was ihr interessiert weckt und wie sie Gleichaltrige für Bücher begeistern können. Leseclubs in Zusammenarbeit mit Jugendlichen haben sich dabei als Format bewährt und tragen durch das oftmals langjährige Engagement der Jugendlichen ebenfalls zur Kundenbindung bei.

Damit unabhängige Buchhandlungen erhalten bleiben, empfahl Unternehmensberaterin Gudula Buzmann in ihrem Workshop zum Thema Nachfolge Inhaber:innen, mehr Mitunternehmer:innentum zu wagen. Verantwortungen abzugeben und so Mitarbeitende schrittweise zu Mitunternehmer:innen zu machen, erhöhe die Chancen, Teammitglieder als mögliche Nachfolger:innen aufzubauen.

Mehr Sichtbarkeit und verkaufsfördernde Raumgestaltung

Am zweiten Tag des Libri.Campus ging es um die Steigerung der digitalen Sichtbarkeit und eine verkaufsfördernde Raumgestaltung in der Buchhandlung. Als konkrete Hilfestellung für die Planung und Gestaltung von Social-Media-Kanälen brachte Social-Media-Expertin Daria Razumovych den Buchhändler:innen eine Checkliste mit praktischen Tipps mit. Entscheidender für die Sichtbarkeit und Reichweite sind dabei nicht eine perfekte Inszenierung, sondern das Thema und die Authentizität. Als wichtigste Zutat nannte Razumovych daher auch die glaubwürdige Begeisterung für Bücher und für das, was Literatur mit uns mache. Das bestätigten auch Johanna und Marion Leibecke von der Buchhandlung „proust wörter & schönes“. Als Gewinnerin des Libri.Campus-Preis 2025 hat die Buchhandlung in Zusammenarbeit mit der Social-Media-Expertin Tina Lurz eine Social-Media-Strategie entwickelt und berichtete in ihrem Praxisbericht von der erfolgreichen Umsetzung.

Wie man bereits mit wenigen gestalterischen Veränderungen mehr Wirkung in der Buchhandlung erzielen kann, demonstrierte Chantal Sebrantke, Expertin für Visual Merchandising. Klare Strukturen, gezielt gesetzte Akzente und zentrale Botschaften in der Fläche schaffen Orientierung, transportieren Emotionen und lösen Kaufimpulse aus. Es gelte bei der Verkaufsraumgestaltung natürliche Laufwege zu nutzen und Blickführung bewusst zu gestalten, um die zur Verfügung stehende Fläche effektiver zu nutzen.

Libri.Campus live 2027 am 29. bis 30 April

Bei der optimalen Nutzung der Verkaufsfläche setzt auch die Arbeit der Libri.Campus-Projektgruppe an. Seit 2022 arbeiten Projektgruppen im Vorfeld des Libri.Campus an ausgewählten Themen und präsentieren die Best-Practice-Ansätze auf der Veranstaltung. Um den Gruppen künftig mehr Zeit zur Entwicklung, Umsetzung und Bewertung ihrer Konzepte zu geben, erfolgte in diesem Jahr auf dem Campus der Startschuss für die Projektgruppe „Buchhandels-Tretis: Verkaufsfläche optimal nutzen“. Die Ergebnisse werden auf dem kommenden Libri.Campus live am 29. bis 30. April 2027 vorgelegt.

Weitere Informationen zum Libri.Campus live 2026 und Auszüge aus den Teilnahmeunterlagen stehen ab dem 13. Mai zur Verfügung unter: www.libri.de/campus-live

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