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Benzes besonderes Buch: Ein gradioses Buch über eine welthistorische Zeitenwende

Helmut Benze
Helmut Benze

Wie beruhigend, dass es immer noch Verlage gibt, die zu bedeutenden Themen eine Vielfalt an profunden Büchern anbieten. Aus den unzähligen Werken über Entwicklung und Nachwirkung der Gründung der Vereinigten Staaten von Nordamerika habe ich zwei herausragende Bücher ausgewählt, und beide in Auszügen einem anspruchsvollen Lesezirkel vorgelesen.

Volker Depkat: Die amerikanische Revolution habe ich bereits im Juni bei BuchMarkt empfohlen. Denjenigen, die eine ausführlichere Darstellung wünschen, lege ich zum amerikanischen Nationalgedenktag, am 4. Juli 2026, das brillante Buch des mehrfach ausgezeichneten amerikanischen Geschichtsprofessors Joseph J. Ellis ans Herz.

Ellis Werk über den Sommer der Revolution ist als geschichtstreue Erzählung angelegt. Damit ist sie ein überzeugendes Beispiel dafür, dass man historische Ereignisse besser begreift, wenn man den derzeitigen Stand der Interpretation geschichtlicher Prozesse ausblendet und sich
in die Lage verantwortlicher Personen und Parteien versetzt, die damals enorm folgenreiche Entscheidungen zu treffen hatten, ohne die Folgen absehen zu können.

Ellis gelingt es mustergültig, uns Heutige daran teilhaben zu lassen, wie vor allem die Amerikaner:innen oft am Abgrund vor Katastrophen agierten.

Beispiele für die Qualität von Buch und Text:

„(…) Dies ist also die Geschichte der Geburt der Amerikanischen Revolution, der Schmerzen und Prüfungen, die diesen Vorgang begleiteten, und der großen und kleinen Entscheidungen in der politischen und der militärischen Arena, die das Resultat bestimmten. Sie wird als Geschichte erzählt, das bedeutet, die Erzählung wird als höchste Form der Analyse angenommen, und die Art, wie das Geschehen den Akteuren erschien, muss Vorrang vor jedem Überstülpen unseres überlegenen gegenwärtigen Wissens haben. (…)“
„(…) Eine noch größere rechtlose Gruppe (als die Afroamerikaner:innen, Anm. Benze), ist die gesamte weibliche Bevölkerung. Die durfte weder wählen noch nach der Heirat Eigentum besitzen. Und die wichtigste Stimme für Frauenrechte war keine andere als die nie auf den Mund gefallene Ehefrau Abigail Adams, des zweiten Präsidenten der Vereinigten Staaten. “(…in dem neuen Gesetzbuch, das Du wahrscheinlich schreiben musst, wünsche ich mir, Du würdest die Damen nicht vergessen und sie großzügiger behandeln. (…) Denk daran, dass alle Männer Tyrannen wären, wenn sie könnten. Wenn den Damen nicht besondere Sorge und Zuwendung entgegengebracht wird, sind wir entschlossen, eine Rebellion anzufachen, und werden uns an keine Gesetze gebunden fühlen, bei denen wir keine Stimme oder Vertretung haben (…).“
Welch ein Vorbild! Da sagt eine künftige Präsidentengattin unverhohlen Widerstand und Streit an.

Diese beiden Auszüge zeigen das Dilemma, in dem die Revolutionäre steckten. Was sie dem britischen König und dem britischen Mutterland vorwarfen, hatten sie selbst zu vermeiden. Mussten sie sich doch zunächst für die oberste Priorität entscheiden, die Loslösung von Großbritannien.

Ein letztes Zitat würdigt die herausragende Leistung von Thomas Jefferson, dem wegen seiner Universalbildung als „Der Weise“ verehrten Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung. Abraham Lincoln formulierte 1859 die Kulmination des hohen Ranges dieses weltgeschichtlichen Monuments:

„(…) Alle Ehre sei Jefferson – dem Mann, der unter dem Druck eines Kampfes um die nationale Unabhängigkeit durch ein einzelnes Volk die Kühle, Weitsicht und Fähigkeit besaß, in ein lediglich revolutionäres Dokument eine abstrakte Wahrheit einzuführen (…) und sie dort so zu bewahren,dass sie heute und für alle Zeit eine Mahnung und ein Hindernis für die Vorboten erneuter Tyrannei und Unterdrückung sein soll.“

Und so lauten die wohl wichtigsten Worte der amerikanischen Geschichte: „Wir halten diese Wahrheiten
für ausgemacht, dass alle Menschen gleich erschaffen wurden, dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.
Dass zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten“

Ihnen wünsche ich großen Lektüregewinn!

Helmut Benze

Im August empfehle ich Machiavelli, Der Fürst, aktualisierte Auflage 2016, Kröner Verlag

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