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Christoph Honig: Gut gelaunt ins Desaster: Warum der Positivitätszwang den Buchhandel blind für Krisen macht

Christoph Honig ist Buchhandelsberater. Dieses Mal erläutert er, warum es helfen kann Probleme zu benennen.

Die verordnete Harmonie der Krisenfesten

„Alles bestens“, lautet das Credo der Buchbranche. „Es gibt keine Krisen“, titelte das Börsenblatt in einem Artikel. Statt Angst und Zweifel zuzulassen, wird der Optimismus zur Ersatzreligion erklärt. Immer wieder hört man Sätze wie: „Unsere Branche wurde schon lange totgesagt, aber wir sind immer noch da. Es wird immer noch gelesen und Bücher werden nach wie vor verkauft. Wir halten zusammen und arbeiten in einer so wertschätzenden Branche.“

Doch wo bleiben bei aller Positivität die negativen Gedanken, die Zweifel, die kritischen Stimmen? Negative Gedanken haben ihre Daseinsberechtigung. Trotzdem gilt: Wer stark ist, lässt sich angeblich nicht entmutigen und denkt immer positiv. Die sozialen Netzwerke befeuern diesen Zwang zur Zuversicht zusätzlich.

Der Vergleich mit der Bühne

Jeder positive Bericht eröffnet eine neue Bühne, auf der andere erfolgreicher wirken als man selbst. Die Folge: wir messen uns nicht mehr oft am Realen, sondern am Inszenierten – und beginnen, uns selbst ebenfalls zu inszenieren, um Negatives wegzudrücken.

Umsatzrückgänge werden mit anderen Branchenteilnehmer:innen verglichen, um dann beruhigt festzustellen: Den anderen geht es genauso schlecht. So entsteht weder echter Druck noch echte Veränderung.

Wenn Positivismus an der Realität vorbeigeht

Wer negative Gefühle abwertet oder nicht erst zulässt, agiert im Geschäftsleben oft an der Realität vorbei. Die Buchbranche unterliegt starken Veränderungen- und diese Veränderungen entstehen nicht durch blanken Positivismus. Es gibt Licht und Schatten. Erst wer den Schatten akzeptiert, kann daraus echte Veränderungsprozesse anstoßen und seine Handlungsfähigkeit erhöhen.

Der strategische Blick in den Abgrund

Menschen brauchen keinen dauerhaften positiven Input- sie brauchen auch negative Gefühle und Zweifel. Erst aus Zweifel und Pessimismus entstehen tragfähige Überlebensstrategien. Das Scheitern soll dabei nicht herbeigeredet werden, aber ein Planspiel dazu ist sinnvoll. Fragen Sie sich u.a. zum Beispiel:

  • Was passiert, wenn der Hauptkunde im Rechnungsgeschäft wegbricht?
  • Was tun, wenn der einzige Großhändler nicht mehr lieferfähig ist?
  • Wie reagieren wir, wenn ein:e Mitbewerber:in im nahen Umfeld eröffnet?

Solche Fragen mögen unbequem sein. Aber die Antworten darauf sind unbezahlbar, wenn man sie im Ernstfall parat hat.

Pessimismus als Risikoinstrument

In der Sprache der Ökonomie ist Pessimismus ist ein wirksames Instrument für Ihre Risikosteuerung. Wer ihn ernst nimmt, statt ihn wegzulächeln ist im Ernstfall vorbereitet – und das zahlt sich aus.

Lassen Sie also auch die unbequemen negativen Gedanken zu, stellen Sie sich den schwierigen Fragen und handeln Sie, bevor die Krise Sie dazu zwingt.

Nutzen Sie Ihren Pessimismus – er wird sich positiv auf Ihr Geschäft auswirken.

Christoph Honig, www.beratung-buchhandel.de

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