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Annette Langen: „Ohne meine Kinder hätte ich den Schritt in die Selbstständigkeit niemals gewagt“

Annette Langen bei einem Vortrag 2019 im Goethe Institut Tel Aviv (Foto: privat)

Die „Mutter“ von „Hase Felix“ Annette Langen feiert ihr 26. Jubiläum als selbstständige Autorin und thematisiert zu diesem Anlass auch, welche Rolle ihre Mutterschaft dabei gespielt hat.

Vor 26 Jahren wagte Annette Langen den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Wagnis, wie sie heute sagt – und eines, das ohne ihre beiden Kinder vermutlich nie stattgefunden hätte. „Ohne meine beiden Kinder hätte ich niemals den Schritt in die Selbständigkeit gewagt – und ohne meine Kinder hätte es viele meiner Bücher nicht gegeben“, sagt die Kinderbuchautorin, die vor allem als Schöpferin des Hasen Felix bekannt geworden ist.

Im September 2026 feiert Langen ihr 26. Jubiläum als freie Autorin. Die Buchbranche kennt sie dabei aus verschiedenen Perspektiven: Sie wuchs in einer Buchhändlerfamilie in Leichlingen auf und arbeitete zunächst als Lektorin in einem Kinderbuchverlag. Ihr eigentliches Berufsziel lag allerdings weiter entfernt: Verlegerin von Candlewick Press in Cambridge, USA, wollte sie werden.

Dass daraus schließlich eine Autorinnenkarriere wurde, hatte auch mit den Rahmenbedingungen für berufstätige Mütter zu tun. „Im Jahr 2000 gab es keine adäquate Kinderbetreuung“, erinnert sich Langen. Die Grundschule endete bereits um 11.30 Uhr – eine Festanstellung mit solchen Betreuungszeiten zu vereinbaren, sei „etwas schwierig“ gewesen. Für viele Mütter dürfte dies auch heute noch der Fall sein, weshalb wir an dieser Stelle gerne auch offen fragen möchten:

Wie bewerten Sie die Arbeitsbedingungen für Mütter in der Buchbranche heute?

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Annette Langen in Hongkong 1990 (Foto: privat)

Die Entscheidung für die Selbstständigkeit war für Langen alles andere als selbstverständlich. Sie beschreibt das Risiko rückblickend als „russisches Roulette“. Immerhin sei die Situation für Autorinnen und Autoren damals eine andere gewesen: Ein durchschnittliches Buch konnte noch drei bis fünf Jahre im Markt präsent bleiben. Heute sei die Halbwertszeit vieler Titel deutlich kürzer.

26 Jahre später fällt Langens Bilanz eindrucksvoll aus: 161 Kinderbücher hat Langen bislang veröffentlicht. Ihre Geschichten und Figuren wurden in 30 Sprachen übersetzt, international ausgezeichnet und teilweise verfilmt. Besonders der Hase Felix hat sich längst von der Buchfigur zu einer eigenständigen Marke entwickelt.

Seit 2008 führt Felix beispielsweise barriere- und kostenfrei durch den Bonner Weg der Artenvielfalt. Das Projekt wurde im selben Jahr von der UNESCO als „Dekade-Projekt Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet. Auch in Langens Heimatstadt Leichlingen ist Felix präsent: Im Kinderbereich des Blütenbads, des ersten nachhaltig zertifizierten Bads Deutschlands, begleitet er die jungen Besucher:innen bereits seit 1998. Seit 2023 setzt sich die Figur dort zudem für mehr Sicherheit im Wasser ein.

Felix ist allerdings nicht die einzige Figur, die Langen im Laufe ihrer Karriere erfunden hat. Das Lämmchen Ela entstand unter ganz anderen Umständen: Im ersten Corona-Lockdown 2020 suchte die Aktion Neue Nachbarn nach einer Möglichkeit, Kinder trotz der Pandemie zu erreichen. Langen entwickelte daraufhin Ela, die den Kindern Briefe zu Themen „mit Ausrufezeichen“ schrieb. Bis heute sind daraus 30 Briefe geworden. Ela soll Kindern Mut machen, Probleme anzugehen, ihnen mit Respekt begegnen und vor allem vermitteln: Du wirst gehört und gesehen.

Überhaupt verbindet Langen in ihren Büchern Unterhaltung mit der Vermittlung von Werten. In „Die Streitsaurier“ (2025) geht es darum, wie friedliches Miteinander gelingen kann, während „Mich kriegt nichts kaputt“ (2026) Kinder dabei unterstützt, Ängste zu überwinden. „Der Zauberfüller“ aus dem Jahr 2023 wiederum begleitet Leseanfänger bei ihren ersten Schritten – und das passt zu einem Anliegen, das Langen seit Jahrzehnten beschäftigt.

Annette Langen bei der Leseförder-Aktion „Ich schenk dir eine Geschichte“ (Foto: privat)

Seit 2000 engagiert sie sich ehrenamtlich für die Leseförderung, unter anderem als LeseBotschafterin der Stiftung Lesen. Vorlesen sei „eine der besten Investitionen in die Zukunft Ihres Kindes“, sagt sie und verweist auf den nachweislichen Zusammenhang mit besseren Bildungschancen.

Was als pragmatische Entscheidung einer Mutter begann, hat sich damit zu einer jahrzehntelangen Autorinnenkarriere entwickelt. Und wie geht es weiter? Langen bleibt vage: „Ich habe so das Gefühl, dass noch mehr Bücher folgen werden. Seid gespannt.“

Auch mit Blick auf andere Frauen in der Branche zieht sie eine Verbindung zur Gegenwart. Sie kenne viele Kolleginnen, sagt Langen – und beobachte, dass diese heute stark ausgelastet seien. Dazu komme ein Thema, das ihre Generation so noch nicht kannte: „Wir alle sind zzt. ziemlich ausgelastet und haben KI im Rücken.“

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