Drei neue Buchhandlungen gehören ab sofort zum Verbund der eBuch: In Berlin-Tempelhof hat mit Molly eine neue Buchhandlung eröffnet, in Nidderau ist mit Zeitraum ein besonderer Ort für Bücher, Begegnung und Zeit für sich selbst entstanden, und in Dresden ist mit Feuer und Flamme eine queer-feministisch und politisch ausgerichtete Buchhandlung gestartet. Gemeinsam ist allen dreien die Überzeugung, dass Buchhandlungen mehr sein können als Orte des Buchverkaufs: Sie sollen Treffpunkte, kulturelle Räume und Teil ihrer jeweiligen Nachbarschaft sein.
Molly: Ein Wunschtraum wird Buchhandlung
Für den Gründer von Molly in Berlin-Tempelhof, Giovanni Alejandro Gajardo Nunez, ist die eigene Buchhandlung die Verwirklichung eines lang gehegten Traums. Der 50-Jährige stammt aus Chile, hat Literatur studiert und lebt seit vier Jahren in Tempelhof.
Auf rund 85 Quadratmetern in der Bürgermeisterstraße 74a bietet er ab sofort ein allgemeines Sortiment für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Auch englisch- und französischsprachige Bücher gehören zum Angebot. Zusätzlich bietet die Buchhandlung Raum für Kurse, Geburtstage, Veranstaltungen und ein Café. Der Name der Buchhandlung verweist auf Molly Bloom aus James Joyces „Ulysses“.
Den Kontakt zur eBuch stellte ein Bekannter aus einer Kreuzberger Buchhandlung her.

Zeitraum: Ein Treffpunkt für Bücher und Begegnung in Nidderau
Auch bei Zeitraum in Nidderau steht hinter der Gründung ein lang gehegter Wunsch. Die Gründerin Andrea Euler arbeitete zuvor als kaufmännische Angestellte und Fremdsprachensekretärin und wird ihren Job in Teilzeit weiterführen.

Die Chance für einen eigenen Buchladen ergab sich, als die Stadtgemeinde leerstehende Gewerbeimmobilien gezielt neu beleben wollte. Für eine Immobilie mit rund 34Quadratmetern, die bereits seit Jahren leer stand, wurde ein Konzept gesucht. Die Gründerin beteiligte sich am Wettbewerb und konnte die Jury überzeugen. Zuvor hatte es in der Gemeinde rund 15 Jahre lang keine Buchhandlung gegeben.
Mit der Unterstützung der Stadt konnte der Wunsch schließlich Realität werden: Seit vier Wochen ist der Schlüssel in der Hand der Gründerin, die den kleinen Raum Schritt für Schritt zu einem besonderen Ort gestaltet hat, der dieses Wochenende eröffnet wurde. „Zeitraum“ soll dabei bewusst mehr sein als eine Buchhandlung: ein Geschichtentreffpunkt, ein Ort für Leseclubs und Buchtreffs und ein Raum, in dem Menschen sich Zeit für sich selbst nehmen können.
Das Sortiment umfasst allgemeine Belletristik und Sachbücher, ergänzt durch regionale Autorinnen und Autoren sowie Geschenkartikel. Geplant sind außerdem Veranstaltungen und Begegnungen.
Auch für die Logistik und den Einkauf war schnell klar, dass die Gründerin mit der eBuch zusammenarbeiten möchte. Über den Libri-Außendienst kam sie mit den Möglichkeiten in Kontakt und entschied sich anschließend für den Beitritt.
Feuer und Flamme: Queer-feministische Buchhandlung in Dresden
In Dresden hat mit Feuer und Flamme eine Buchhandlung mit einem klar profilierten Sortiment eröffnet. Die Gründerin Resi Lyz Barthold war zuvor als Lehrkraft für Deutsch und Sozialpädagogik tätig. Ihr Anliegen war es schon im Unterricht, Literatur näherzubringen – gleichzeitig beschäftigte sie sich intensiv mit diskriminierungs- und gendersensiblen Fragestellungen. Die Idee, daraus eine eigene Buchhandlung zu machen, entstand zunächst eher spontan.
Durch Fortbildungen, Gründungscoachings und ein EU-gefördertes Programm für Mütter in der Selbstständigkeit konkretisierte sich der Plan. Auch eigene Erfahrungen aus ehrenamtlicher Mitarbeit in einer Buchhandlung flossen in die Vorbereitung ein. Die Gründung wurde dabei nicht nur aus dem Bauch heraus angegangen: Die Gründerin recherchierte intensiv online und beschäftigte sich mit kaufmännischen, finanziellen und versicherungstechnischen Fragen.

Ein wichtiges Auswahlkriterium für das Sortiment sei, dass die Bücher von Frauen oder queeren Menschen geschrieben wurden beziehungsweise Themen und Menschen mit Marginalisierungserfahrungen – etwa aufgrund von Klasse, Herkunft oder Behinderung – einschließen, erläutert Resi Lyz Barthold.
Auf der rund 80 Quadratmeter großen Ladenfläche sollen unter anderem Kurse und Workshops für Lehrkräfte und Eltern, Angebote zu Literaturdidaktik und Diversität, Ferienprogramme und Schreibwerkstätten stattfinden. Eine Spielecke und ein Wickeltisch sollen den Laden auch für Familien zugänglich machen.
Das Ladenlokal in der Rudolf-Leonhard-Straße 12 in Dresden war zuvor unter anderem Kinderkleidungs-, Werkzeug- und Feinkostgeschäft und stand zuletzt längere Zeit leer. Für die Gründerin ist die Lage besonders interessant, weil sich im Umfeld zahlreiche subkulturelle Einrichtungen, Ateliers, Kneipen und künstlerische Projekte befinden. Gleichzeitig gibt es in unmittelbarer Umgebung keine direkte Konkurrenz durch eine weitere Buchhandlung.
Bei der Eröffnung am 19. September setzte sie auf ein vielfältiges Programm mit Drag Show, Hip-Hop-Konzert, Basteleien und Tombola.
Barthold: „Der Name ‚Feuer und Flamme‘ verbindet zwei Gedanken: Zum einen soll die Buchhandlung ein heimeliger Ort des Zusammenkommens und der gegenseitigen Unterstützung sein, zum anderen steht das Feuer für den Wunsch, gesellschaftliche Zustände kritisch zu hinterfragen und gemeinsam Veränderungen anzustoßen.“