
Christoph Honig ist Buchhandelsberater. Im Oktober geht es bei ihm darum, über Gutes zu sprechen.
Sie übernehmen die Schicht eines erkrankten Kollegen, retten kurzfristig die Veranstaltung, lösen Kund:innenprobleme und halten den Betrieb in stressigen Phasen am Laufen. Und dann? Stille. Kein „Gut gemacht“, kein Hinweis darauf, was hätte besser laufen können.
Sie warten auf eine Rückmeldung, auf ein Zeichen, dass Ihre Arbeit gesehen wurde. Doch vergebens.
Warum bleibt Feedback so oft aus?
Eine offene Feedbackkultur zu etablieren, fällt vielen Betrieben schwer. Führungskräfte tun sich oft schwer damit negative Kritik zu äußern. Lob geht leichter über die Lippen, wird in der Praxis jedoch nur selten ausgesprochen.
Dabei ist Feedback weit mehr als eine höfliche Geste. Es stärkt nicht nur die Motivation von Arbeitnehmern, sondern kann auch das Vertrauen innerhalb eines Teams fördern. Feedback gehört damit zu den wichtigsten Instrumenten von Führung.
Negative Kritik kann auch motivieren
Eine negative Rückmeldung bildet keinen Widerspruch zur Wertschätzung – im Gegenteil. Es zeigt: Da hat mir jemand aufmerksam zugesehen. Entscheidend ist nur, wie es verpackt wird. Auch hier gilt: Der Ton macht die Musik.
Die richtige Formulierung: aus der Ich-Perspektive
Feedback ist immer subjektiv. Es spiegelt den eigenen Eindruck wider, nicht die absolute Wahrheit. Deshalb gehört es auch so formuliert:
| Statt | Besser |
| „Super gemacht!“ | „Dieser Punkt ist bei mir richtig gut angekommen.“ |
| „Das solltest du tun!“ | „Das würde ich an deiner Stelle tun.“ |
| „Du musst erreichbar sein!“ | „Ich hatte Probleme, dich zu erreichen.“ |
Der richtige Zeitpunkt zählt
Lob sollte möglichst zeitnah erfolgen. Wenn eine Leistung gerade erst erbracht wurde, ist noch präsent, was gut funktioniert hat. Eine positive Rückmeldung unmittelbar nach einer Situation bleibt deshalb eher im Gedächtnis als ein Lob, das Wochen später nachgereicht wird.
Bei Kritik kann ein zeitlicher Abstand dagegen sinnvoll sein. Wer unmittelbar aus der Emotion heraus agiert, riskiert, dass aus einer sachlichen Rückmeldung ein persönlicher Vorwurf wird. Zu lange sollte man allerdings ebenfalls nicht warten. Der konkrete Anlass sollte noch nachvollziehbar sein.
Warum das Sandwich-Prinzip nicht immer funktioniert
Eine häufig empfohlene Methode lautet: Kritik zwischen zwei positiven Aussagen platzieren. Erst loben, dann kritisieren, anschließend wieder mit etwas Positivem enden.
Negatives zwischen zwei Lob-Scheiben servieren klingt charmant, hat aber einen Hake. Während einige Mitarbeitende nur das Positive heraushören, picken sich selbstkritische Mitarbeitende das Negative heraus. Das Ergebnis führt selten zur beabsichtigten Balance.
Feedback braucht Aufmerksamkeit
Feedback zwischen Tür und Angel verliert an Wert. Wer sich die Zeit nimmt, jemanden gezielt aufzusuchen, schafft Vertrauen und psychologische Sicherheit. Ein neutraler Ort kann zusätzlich helfen, eine „sichere“ Gesprächsatmosphäre zu schaffen.
Das entscheidende Wort: „weil“
„Das war gut“ klingt zunächst nach einem positiven Feedback. Doch erst die Begründung macht daraus eine hilfreiche Rückmeldung. Ein einfaches „weil“ zeigt, was genau gut funktioniert hat.
Ein gelungenes Feedback besteht nicht nur aus Lob oder Kritik. Es macht Leistung sichtbar, schafft Orientierung und zeigt, wo es noch etwas zu verbessern gibt
Dabei braucht es oft nicht viel: Wer sieht, was jemand leistet, sollte es auch sagen. Denn gute Arbeit spricht nicht immer für sich selbst.
Christoph Honig, www.beratung-buchhandel.de