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Wie war Ihr Monat, Julia Bielenberg?

Jeden Monat fragen wir Menschen aus der Buchbranche nach ihrem Monat. Dieses Mal: Oetinger-Verlegerin Julia Bielenberg, die zuletzt zur Hamburger Familienunternehmerin des Jahres gewählt wurde.

Julia Bielenberg (Foto: Patrick Ludolph)
Julia Bielenberg (Foto: Patrick Ludolph)

BuchMarkt: Welcher Tag war ihr schönster im vergangenen Monat?

    Julia Bielenberg: Der Tag an dem ich zur „Unternehmerin des Jahres 2026“ der Metropolregion Hamburg ausgezeichnet wurde, weil es eine Wertschätzung für unser gesamtes Team darstellt und für unseren Weg von einem klassischen Verlag hin zu einem Medienhaus. Außerdem verleiht es zur Abwechslung mal einen positiven Blick auf Unternehmertum, das leider in den öffentlichen Medien so oft einseitig negativ dargestellt wird. Es ist keine Floskel, dass der Mittelstand das Rückrat dieser Gesellschaft ist. Er übernimmt Verantwortung, bietet Kontinuität, Arbeitsplätze und duckt sich nicht weg, wenn es schwierig wird. Viele mittelständische Unternehmen bieten ihrem Team einen Anker in einer sich schnell wandelnden Zeit. Innovation kommt oft genau aus diesem Bereich. Es wird nach Antworten und Lösungen auf Herausforderungen gesucht und dies steht im Kontrast zum ewigen Schlechtreden, das wenig konstruktiv ist. Vielleicht erkennt ja auch die Politik irgendwann, was der Mittelstand eigentlich für das Land bedeutet. In den vergangenen Jahren konnte ich v.a. Maßnahmen für Großkonzerne entdecken.

    Worauf freuen Sie sich im kommenden Monat am meisten?

      Auf meinen Urlaub und Zeit zu zweit 🙂.

      Welches Buch liegt aktuell auf Ihrem Nachttisch?

        Poschardts „Bückbürgertum“ und „Die neue Lust auf Links“ von Daniel Bax, weil ich versuche, mich in jedwede politische Richtung zu informieren. Ich bin mit dem Satz meines Gemeinschaftskundelehrers großgeworden: „Ihr müsst von der TAZ bis zur FAZ alles lesen, um euch eine Meinung bilden zu können.“ Diesen Ratschlag beachte ich bis heute. Demokratie bedeutet, ins Gespräch zu gehen und um das beste Argument zu ringen. Fischt man danach ausschließlich in seinem eigenen Teich, bleibt einem ggf. vieles verborgen und Toleranz für andere Denkweisen unmöglich. Genau das aber ist der Kern von Demokratie.

        Wären Sie ein Buch, welches wäre es?

          Das Grundgesetz. Es stehen alle Werte und Regeln des Zusammenlebens drin. 

          Welches Buch haben außer Ihnen alle gemocht?

            Wer ist „alle“? ;)…

            Über welches Thema wollen Sie im kommenden Monat mehr lesen?

              Über Reformen, die ihren Namen wert sind und insbesondere über eine große Bildungsreform. Die Zahlen in der Bildung sind verheerend. In Berlin kann mittlerweile fast jeder zweite Drittklässler nicht mehr lesen und bundesweit kann es jedes vierte Kind nach Verlassen der Grundschule nicht. Denken die Politiker ernsthaft, ein paar Ehrenamtliche und Kinderbuchverlage könnten es neben völlig überlasteten Lehrern irgendwie hinbiegen? Die Bildung ist der einzige Rohstoff, den wir in Deutschland haben: nicht Öl, keine seltenen Erden sondern die Bildung der Kinder ist unsere Zukunft. Leider scheint das in der Politik noch niemand gemerkt zu haben anders ist ihre weitestgehende Untätigkeit diesbezüglich nicht zu erklären. Wenn man etwas für die Demokratie tun möchte, sollte man bei der Bildung ansetzen, denn Kinder, die nicht lesen können, haben auch Schwierigkeiten, komplex zu denken und werden als Erwachsene nach einfachen Antworten suchen. Diese bekommt man bekanntlich an den politischen Rändern. Wenn man also nachhaltig agieren will und endlich mal aufhört in Wahlperioden zu denken und dieses Land wirklich voranbringen möchte, sollte man sehr dringend eine umfassende Bildungsreform in die Wege leiten.

              Von wem würden Sie gerne mal die Antworten auf diesen Fragebogen lesen?

                Von Monika Kolb vom Mediacampus, weil sie die Zukunft im Blick hat.

                Welche Frage, die wir nicht gestellt haben, hätten Sie eigentlich gern beantwortet?

                  Wie begegnen Sie den abnehmenden Buchverkäufen im Kinderbuch?

                  Und wie lautet Ihre Antwort darauf?

                    Indem wir die besten Kinderbücher machen und indem wir Geschichten auch in andere „Gefäße“ gießen, die Kinder spannend finden. Im Oktober eröffnen wir unsere erste immersive Erlebniswelt mit den Olchis in Hamburg. Die Kinder tauchen aktiv in die Geschichte ein und werden ein Teil von ihr. Das ist eine neue Form des Geschichtenerzählens in haptischer und digitaler Form.

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