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Mehr als eine Buchhandlung: In Neumünster ist ein Ort zum Lesen, Spielen und Begegnen entstanden

Uta Riemer und ihr Mann in ihrer neuen Buchhandlung Bücherwald in Neumünster (Foto: Bücherwald)
Uta Riemer und ihr Mann in ihrer neuen Buchhandlung Bücherwald in Neumünster (Foto: Bücherwald)

„Warum müssen Buchhandlungen eigentlich so ungemütlich sein?“ Diese Frage stellten sich die Gründer:innen der neuen Buchhandlung Bücherwald in Neumünster immer wieder. Jahrelang besuchten sie auf ihren Reisen durch Norddeutschland Buchhandlungen, stöberten nach literarischen Schätzen – und saßen dabei oft mit ihren Bücherstapeln auf dem Fußboden. Irgendwann entstand daraus eine Idee: Wenn sie selbst einmal eine Buchhandlung eröffnen würden, sollte sie anders aussehen. So erzählt es die Bücherwald-Gründerin Uta Riemer im Gespräch mit BuchMarkt.

Diese Idee haben sie nun verwirklicht. Ende Juli eröffnete die rund 100 Quadratmeter große Buchhandlung in zentraler Lage am Eingang der Neumünsteraner Innenstadt. Dort, wo zuvor eine Shisha-Bar untergebracht war, ist ein heller Aufenthaltsort mit Sesseln, Café und einer großzügigen Kinderwelt entstanden. Ein Aquarium, Wickeltisch und eine Kund:innentoilette gehören ebenso zum Konzept wie die Möglichkeit, einfach ohne Kaufabsicht zum Lesen vorbeizukommen. „Wir wollen einen Ort schaffen, an dem sich Menschen treffen können“, beschreibt die Inhaberin ihre Idee.

Uta Riemer ist Quereinsteigerin. Die gelernte Industriekauffrau arbeitete unter anderem im Vertrieb, in der Personalentwicklung und zuletzt als Recruiterin. Bücher waren jedoch schon lange ihre Leidenschaft. Gemeinsam mit ihrem Partner sammelte sie über Monate gezielt Titel für das spätere Sortiment und entwickelte Schritt für Schritt das Konzept der Buchhandlung. Unterstützung erhielt das Gründerpaar dabei von Libri und der eBuch.

Das Sortiment orientiert sich stark an den persönlichen Lesevorlieben der Inhaberin. Neben Romanen bilden Kinder- und Jugendbücher einen Schwerpunkt. Statt ausschließlich auf aktuelle Bestseller zu setzen, möchte sie bewusst auch weniger bekannte Klassiker sichtbar machen – etwa Michael Endes „Der Traumfresser“ oder weitere Titel, die neben „Momo“ und „Die unendliche Geschichte“ oft übersehen werden. Ergänzt wird das Angebot durch englischsprachige Literatur, queere Bücher, Kunst- und Musikbände sowie sorgfältig ausgewählte Klassiker von „Krabat“ bis „Die Tribute von Panem“.

Auch bei der Kund:innenbeteiligung geht die Buchhandlung eigene Wege. An einem Schreibpult können Besucher persönliche Buchempfehlungen verfassen. Die empfohlenen Titel werden – falls nötig – bestellt und anschließend mit einer Empfehlung der jeweiligen Kundin oder des jeweiligen Kunden präsentiert. Darüber hinaus lädt ein „Mitmachbaum“ auf beschreibbaren Säulen dazu ein, Zitate, Zeichnungen oder Botschaften zu hinterlassen. Schon wenige Tage nach der Eröffnung wird das Angebot rege genutzt. Ein Klavier im Verkaufsraum steht nicht nur der Inhaberin, sondern perspektivisch auch Kundinnen und Kunden offen. Lesungen und weitere Veranstaltungen sollen folgen.

Die Resonanz aus der Stadt bestätigt die Gründer:innen in ihrem Konzept. Viele Besucher:innen gratulierten persönlich zur Eröffnung und freuten sich darüber, dass an prominenter Stelle ein neuer kultureller Treffpunkt entstanden ist. Ein gelungener Start für eine Buchhandlung, die bewusst mehr sein möchte als ein Ort zum Bücherkaufen.

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