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Fr. Seybold’s (300)

Heute wird Fr. Seybold’s Sortiments-Buchhandlung aus Ansbach 300 Jahre alt. Aus diesem Grund trafen sich der Inhaber des Geschäfts, Johannes Seyerlein, und die Historikerin Dr. Andrea Schödl aus Tauberfeld (Lkr. Eichstätt) zum Werkstattgespräch. Schödl wird bei der Festveranstaltung in der Staatlichen Bibliothek Ansbach den Festvortrag halten. Sie ist aufgrund ihrer wissenschaftlichen Biographie über die Ansbacher Markgräfin Christiane Charlotte (1694-1729) eine ausgewiesene Expertin für die Gründungszeit der Buchhandlung.

Am 5. September 1716 verlieh Markgraf Wilhelm Friedrich (1685-1723), dem Nürnberger Buchhändler Johann Wilhelm Rönnagel das Privileg, in Ansbach einen Buchhandel zu eröffnen. „Trotz markgräflichen Schutzes war diese Gründung eine hochriskante Angelegenheit“, sagt Schödl, „denn im Gegensatz zu anderen Handwerkswaren wurden Bücher von Beginn an in einer höheren Auflagenstärke produziert, als die bekannten, regionalen Käufer abnehmen konnten. Gleichzeitig wechselte das Leserinteresse in ungeheurer Schnelligkeit.“

Dr. Andrea Schödl, Johannes Seyerlein, Monika Seyerlein (v.l.)

„Daran hat sich bis heute nichts geändert“, weiß der heutige Inhaber Johannes Seyerlein, der den wechselvollen Buchmarkt von Kindesbeinen an kennt. Sein Großvater, Philipp Seyerlein, hat die Buchhandlung 1913 gekauft, ab 1954 führte sein Vater, Fritz Seyerlein, das traditionsreiche Geschäft in der Karlstraße weiter und übergab es 1992 an ihn.

Wie vor 300 Jahren ist heute bei den Buchhändlern Weitsichtigkeit, Ideenreichtum und eine gute Kenntnis des Buchmarkts gefragt. Denn auch die großen Buchhandelsketten, die seit Anfang der 1990er Jahren zahlreiche Traditionsgeschäfte zum Aufgeben gezwungen haben, kommen zunehmend durch das Internetgeschäft in Bedrängnis. Damit gibt es für die inhaber-geführten Geschäfte wieder eine Nische. Umfragen des Instituts für Handels-forschung (IfH) haben ergeben, dass rund drei Viertel der Kunden, die bei Amazon kaufen, bereits vorher wissen, welches Buch sie möchten. Die Zahlen sinken aber deutlich, wenn die Käufer kein spezielles Buch im Blick haben. Ein gutes Sortiment, eine gute Beratung, anregende Autorenlesungen und eine schöne Atmosphäre zum Stöbern – das sind die Säulen, auf die Buchhandlungen heute aufbauen können, weiß Seyerlein.

Zum Jubiläumsjahr „300 Jahre Fr. Seybold’s Sortiments-Buchhandlung“ hat sich Johannes Seyerlein einiges einfallen lassen. So wollte er in der Stadt Ansbach 300 Bücher auslegen, damit sie von Passanten zufällig gefunden werden. „Der schreckliche Terroranschlag im Juli hat dies leider verhindert, denn wir wollen ja die Menschen mit herumliegenden Paketen nicht verunsichern.“ Jetzt wird es eine andere Idee geben. „Uns fällt schon was ein“, sagt Seyerlein, „vielleicht veranstalten wir eine Bücherlotterie – ganz in der Tradition des 18. Jahrhunderts.“

info@seyerlein.de, www.seyerlein.de

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