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Jürgen Lentes

Jürgen Lentes
© Irmgard Maria Ostermann

Er hat Literatur geliebt, gelebt, vermittelt und hervorgebracht: Jürgen Lentes. Jetzt ist er im Mai in Frankfurt gestorben. Lentes war vieles in seinem Leben, das im Jahr 1961 begann. Zuallererst Buchhändler.
Bei der legendären Huss’schen Universitätsbuchhandlung in Frankfurt; und deren Begründerin Melusine Huss hat er mit seiner Anthologie Kiesstrasse Zwanzig Uhr ein Denkmal gesetzt: Zum Zehnjährigen der Buchhandlung bat Lentes alle Autoren, Übersetzer und Verleger, die bei ihm gelesen hatten, um neue Texte. Ein großartiges (und großartig gemachtes) Buch ist dabei zustandegekommen: Man legt es nie wirklich aus der Hand …
Dieses Buch sollte nicht das einzige bleiben: 2008 erschien das von ihm herausgegebene Buch Beim Apfelwein. Geschichten aus Frankfurter Wirtschaften. Im Frühjahr 2011 kam Im Bahnhofsviertel. Expeditionen in einen legendären Stadtteil in Zusammenarbeit mit Jürgen Roth heraus.
Jürgen Lentes hat jahrelang am Programm der Frankfurter Romanfabrik mitgearbeitet (einer seiner Coups: ein literarisch-musikalischer Abend mit Kevin Coyne, der auch einige seiner Gemälde mitgebracht hatte – und Jürgen Lentes las natürlich die deutschen Übersetzungen von Coynes Texten). In den letzten Jahren war der Kulturbrief der Romanfabrik sein Medium, und der mit vielen Autoren Befreundete schrieb für das Journal Frankfurt, die Frankfurter Rundschau, Faust-Kultur, die Junge Welt, den Kreuzer, die Rheinpfalz u.a.
Für die Venusberg-Bar (vor dem Umzug in die Hanauer Landstraße der Veranstaltungsraum der Romanfabrik) machte er jahrelang das Programm, arbeitete auch als Internetredakteur am Schauspiel Frankfurt. Mithin: An Vielseitigkeit kaum zu übertreffen.
Der Schreiber dieser Zeilen wurde am 28. Januar 1998 (laut Widmung in der Kiesstrasse Zwanzig Uhr) in einer whiskyreichen Nacht in eines der Geheimnisse seines Lebens eingeweiht: Als Doors-Fan (die wir an jenem Abend natürlich hörten: das frisch erschienene 3er-Box-Set) war er zum 10. Todestag von Jim Morrison nach Paris gereist und geriet am Grab des Sängers für ein paar Sekunden mit auf den offiziellen Film, der jeder Doors-Dokumentation beigeben ist. Man findet ihn auf YouTube. Kleiner Tip für alle, die Mühe haben, den eben 20jährigen zu erkennen: Er zündet sich grad eine Zigarette an.
Am 6. Juni findet um 20 Uhr eine Jürgen-Lentes-Gedenkveranstaltung in der Romanfabrik Frankfurt statt.
uf

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