
Müller-Enbergs
Der Gemeindesaal Moabit war bis auf den letzten Platz besetzt, als Ute Krause heute ihr neues Buch Im Labyrinth der Lügen (cbj) vorstellte. Die Autorin, die vielen auch als Illustratorin bekannt ist, hat damit ihren ersten Roman für Kinder ab zehn Jahren geschrieben.
„Eine Herzensangelegenheit“, wie sie sagt. Eingebettet in eine spannende Agentengeschichte erzählt Im Labyrinth der Lügen von dem 12-jährigen Jungen Paul, dessen Eltern wegen Fluchtversuchs verhaftet werden. 1988 kauft die Bundesrepublik sie frei und sie beginnen in West-Berlin ein neues Leben – ohne Paul. Ihr Sohn darf das Land nicht verlassen. Paul wächst bei seiner Großmutter in Ost-Berlin auf und es ist ungewiss, ob er seine Eltern je wiedersehen wird.
Die Leser sollten viel über eine Zeit erfahren, die noch gar nicht lange vergangen ist, die sie aber nicht miterlebt haben, so Ute Krause, die die 150 Schülerinnen und Schülern von Anfang an in ihren Bann zog.
Der Roman basiert auf der Lebensgeschichte von Andrea Schmidt, die bei der Buchpremiere mit auf dem Podium saß. Es war mucksmäuschenstill im Publikum, als sie erzählte: Wie Paul war Andrea Schmidt zwölf Jahre alt, als ihre Eltern Anfang der 80er Jahre einen Fluchtversuch unternahmen. Mit gefälschten Pässen sollte die Reise von Berlin Schönefeld nach Wien gehen. Doch es kam anders, die Eltern wurden verhaftet, das Mädchen kam in ein Heim mit Gittern vor den Fenstern, Stacheldraht und Glassplittern auf den hohen Mauern. Während die Eltern später in den Westen freigekauft wurden, wuchs Andrea Schmidt zunächst bei ihrer Großmutter auf bis sie zwei Jahre später ausreisen durfte.
Als weiterer Zeitzeuge war Helmuth Müller-Enbergs dabei, ein Experte in Sachen Spionage in den Zeiten des kalten Kriegs. Er hat Ute Krause nicht nur bei den politischen Details des Romans beraten, er erklärte heute auch den Zuhörern, wie Spione ‚tote Briefkästen‘ nutzen. Die Schüler stellten anschließend viele Fragen – zum Roman, zum Leben in der DDR, zur Arbeit von Spionen. Und Ute Krause signierte unermüdlich ihre Bücher.
ml