
Die Wogen waren im Vorfeld hoch geschlagen über die aus Sicht vieler Sortimenter völlig falsche Illuminati-Aktion, für die sich Lübbe mit Amazon verbündet hatte [mehr…]. Im Gegenzug hatten Lübbe-Vorstand Klaus Kluge und seine Vertriebschefin Stefanie Folle zum klärenden Gespräch geladen, das gestern Abend in entspannter Atmosphäre stattgefunden hat.
Es hatte durchaus sein Gutes, dass zum Schluss dann doch nicht so viele Sortimenter hatten kommen können, wie im Vorfeld erwartet wurden [mehr…]. Es tat der Sache und der Diskussion gut; die Gäste aus dem Buchhandel schienen hinterher sichtlich zufrieden in dem Gefühl, dass Lübbe verstanden hatte, dass ein Bündnis mit Amazons Kindle im Buchhandel einfach nicht goutiert werden kann: „Es ist ein geschlossenes System, bei dem der Buchhandel, anders als etwa beim Tolino, außen vor bleiben muss“. Dem Kunden würde damit das Gefühl vermittelt, dass „sein Buchhändler etwas nicht kann, was andere können“.

Schnell einig war man sich aber darüber, dass es richtig war, die 99 Cent-Preise (die Kluge als Wettbewerbsinstrument erfunden hatte) wieder abzuschaffen [mehr…]. Ebenfalls einig war man sich darin, dass die Verlage besonders in den letzten Jahren völlig verschlafen haben, die Buchpreise an die steigenden Kosten für Miete und Gehälter anzupassen. Die anwesenden Buchhändler bestärkten Kluge darin, dass der Kunde in der entsprechenden Einkaufsatmosphäre bei Dingen, die ihm wichtig sind, weniger auf den Preis achte, eigentlich oft viel, viel höhere Preise durchzusetzen seien.
Es könne doch auf Dauer nicht hinzunehmen sein, dass (etwa bei der Lübbe-Tochter Räder) eine Trauerkarte 7 oder 8 Euro im VK koste – und ein 600-Seiten-Wälzer im Taschenbuch für 9,90 Euro oder wenig mehr verkauft werde. Der Forderung aus dem Handel, die Wertigkeit der eigenen Produkte deutlicher zu machen, schloss sich Kluge sofort an: „Wir werden prüfen, ob der nächste Follett 44 Euro kosten kann – immerhin ein Premium-Produkt von einem Premium-Autor.“