
Heute Mittag wurde auf der Fläche des Börsenvereins in Halle 3.1. bekannt gegeben, welches der fünf auf der Shortlist nominierten Bücher die unabhängigen Buchhandlungen zu ihrem Lieblingsbuch kürten: Es ist Altes Land von Dörte Hansen, erschienen im Knaus Verlag.
Irmgard Clausen, Buchhandlung Riemann in Coburg und Mitorganisatorin der Woche der unabhängigen Buchhandlungen (WUB), die bundesweit vom 14. bis 22. November stattfinden wird, begrüßte die Gäste.
Siv Bublitz, Geschäftsführerin der Ullstein Buchverlage, wandte sich an das Publikum: „E-Commerce und Internet haben den Buchhandel total verändert. Das ist eine große Herausforderung und eine große Möglichkeit zugleich.“ Eine ähnliche Situation hätten die fünf Ullstein-Brüder ebenfalls vorgefunden, als sie das 1877 gegründete Verlagshaus 1899 übernahmen. „Sie nutzen die Umbruch-Situation, reisten durch die Welt und sind uns heute noch Vorbild“, erklärte Bublitz.
Außerdem berichtete sie von einer Tendenz in den USA: Dort hätten die Initiative Buy Local und die Probleme der Online-Händler zu einem Wachstum bei den unabhängigen Buchhandlungen in Höhe von 20 Prozent in den Jahren 2009 bis 2014 geführt. Das sei erstaunlich.
„Gegenwärtig befinde ich mich auf einer Tour durch die deutschsprachigen Länder und besuche unabhängige Buchhandlungen. Ich nehme in den Gesprächen viele Empfehlungen mit, beispielsweise dass die Ladenpreise rund sein sollten und die Bücher schön ausgestattet“, berichtete Bublitz. Ihr sei aufgefallen, wie individuell die Unabhängigen ihre Läden gestalteten. „Die kompetente Auswahl des Sortiments ist ein Alleinstellungskriterium – nicht eine unübersichtliche Titelbreite“, sagte die Ullstein-Geschäftsführerin. „Erfolgreiche Unabhängige profilieren sich“, stellte Bublitz fest. Die Buchhandlung sei zudem ein Ort der Begegnung.
Andererseits vernachlässigten Unabhängige manchmal das Netzwerken, herrsche ein „beunruhigender Individualismus“.
„Der Deutsche Buchhandlungspreis ist eine sympathische Geste. Aber führen die dotierten Auszeichnungen nicht möglicherweise zu einer Irritierung in der Öffentlichkeit, die das als eine Subventionierung deuten könnte?“, stellte Bublitz in den Raum.
Da sei die WUB besser, könne zum Forum der Branche werden. „Lassen Sie uns im Gespräch bleiben“, forderte sie die Buchhändler auf. Und wünschte sich für die WUB 2016 mehr Teilnehmer.
Auch die Mit-Initiatoren der WUB David Mesche, Buchbox Berlin, und Michael Riethmüller, RavensBuch Ravensburg und Friedrichshafen, waren im Publikum und wurden von Irmgard Clausen begrüßt.
Es folgten die „Liebeserklärungen“ für die nominierten Shortlist-Titel.
Irene Nehen, Buchhandlung Melchers Bremen, stellte Altes Land vor und bezeichnete das Buch nicht nur als „schön gemacht und reizvoll“, sondern würdigte auch das Sujet; es geht um Flucht und Armut, Neid und Liebe – und um die Geschichten verschiedener Frauengenerationen.
Jürgen Bietsch, Beltz Buchhandlung Weinheim, präsentierte Konzert ohne Dichter von Klaus Modick, Kiepenheuer & Witsch. Beeindruckt habe Bietsch die Leichtigkeit des Erzählens, der Roman komme gleichzeitig realitätsnah, hintergründig und mit leiser Komik daher.
Sungs Laden von Karin Kalisa, C. H. Beck Verlag, wurde von Gabriele van Wahden, Buchhandlung van Wahden Wermelskirchen empfohlen. Das Buch sei eine besondere Reise sowohl in den Prenzlauer Berg als auch nach Vietnam und bezaubere durch eine warmherzige Sprache.
David Mesche legte dem Publikum Euphoria von Lily King, C. H. Beck, ans Herz. Es sei ein großartiger Roman, der nicht nur menschliche Beziehungen schildere, sondern auch internationale Entwicklungen in den 1930er Jahren mit betrachte.
Nicole Christiansen, Buchhandlung Christiansen Hamburg, sprach über Ein untadeliger Mann von Jane Gardam, Hanser Verlag. Die britische Autorin sei mit Siegfried Lenz vergleichbar, geschildert werde die Reise eines alten Mannes, der sich nach dem Tod seiner Frau auf den Weg zu sich selbst macht.
Ronald Schild, MVB oblag es, den Siegertitel zu verkünden: „Es ist Sungs Laden“, stellte er fest. Ob das strategisch so gewollt war? Jedenfalls war dieses Buch nicht der absolute Liebling der Unabhängigen, wie Irmgard Clausen richtigstellte. Nein, der beliebteste Roman war Altes Land. Aber schließlich sind alle fünf Shortlist-Titel lesenswert.
JF