Die meisten der über 200 Teilnehmer aus Buchhandel und Verlag, die trotz Ferienbeginn den Weg nach Mannheim zur gemeinsamen Tagung von LG Buch und AkS auf sich genommen hatten, sind bestimmt froh gewesen, dass sie dabei waren.

Denn die Idee, aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der LG Buch zwei Tagungen von Buchhandlungen ähnlicher Bertriebsgröße zusammenzulegen, ruft geradezu nach Wiederholung – es gab als „Lohn“ für alle SortimenterInnen, die sich trotz ihrer (ja meist nicht gerade einfachen) Betriebsgröße von ihren Läden getrennt hatten, gute Gespräche mit KollegInnen und inspirierende Vorträge, u..a. von Peter Sloterdijk und Konrad Beikircher („Warum wirbt die Buchbranche nicht damit, dass sie sogar schneller als Amazon liefert, oft doch die Bücher sogar im Laden hat?“), und heute früh zum Abschluss von Dörte Hansen, die neue Lieblingsautorin des Buchhandels, mit ihrem Buch Altes Land.
Vor allem aber wurde deutlich, wie wichtig und ermutigend der Austausch nicht nur mit KollegInnen, sondern auch der mit den Gästen aus Verlagen ist – und gemeinsam zu spüren, wieviel Elan bei so manchen Buchhandlungen aus dem Kreis des AkS und der LG Buch steckt:
Das bewiesen „Best-Practice“-Beispiele, wie man etwa wie Sabine Schlag die Übernahme einer Buchhandlung stemmt (in Radolfzell die Buchhandlung am Oberntor) – oder wie man sich mit dem gesamten Ort vernetzt wie die Buchhandlung Eulenspiegel in Hochheim von Annemarie Schneider. Sie und ihre Mitinhaberin Jutta Bummel haben die „Lesetüte“ erfunden und präsentierten eine Fülle ihrer großartiger Ideen zur Leseförderung und machten damit allen Mut, bei denen Zweifel an der Zukunft des stationären Buchhandels aufgekommen sein mögen: Solche Läden werden immer Ihre Kunden finden – da hat „Amazon keine Chance“, wie es aus dem Publikum immer wieder zu hören war.
Die gute Laune im Saal stieg, als die beiden Newcomerinnen Elisabeth Windfelder und Jasmin Marshall ihre wirklich völlig neue Buchhandelsidee „herr holgersson. lesen & leben“ in Gau-Algesheim vorstellten: Ihr Konzept, „eine Buchhandlung wie ein Wohnzimmer“ in einem kleinen Städtchen mit nur 6.500 Einwohnern zu starten, ist eine tolle Antwort auf alle Pessimisten. Welche Branche noch kann mit solchem Elan und so ungewöhlichen Ideen aufwarten? Und welche Branche hat einen solchen kreativen Nachwuchs wie Caroline Osthoff, Kai Hilbert, Lisa Maria Schramm, Petra Kremer, Marissa Ruppelt oder Andreas Wittchow, die als Azubis tolle Marketing-Ideen für die Buchbranche entwickelt hatten und einige davon vorstellen konnten?
Allen Referenten, auch David Mesche, der über die nächste Runde der Woche des Unabhängigen Buchhandels informierte, war anzumerken, was auch Sabine Schlag in anderem Zusammenhang sagte: „Alles, was man tut, muss Spaß machen“; sichtlich kann man viel bewegen, wenn die Freude an der Arbeit da ist.