
Im Haus des Buches in Frankfurt fand heute Vormittag eine Pressekonferenz zur Vorschau auf die kommende Frankfurter Buchmesse und die Präsentation des Ehrengastes Indonesien statt.
Katja Böhne, Pressesprecherin der Frankfurter Buchmesse, begrüßte dazu auf dem Podium Messedirektor Juergen Boos, den Vorsitzenden des Organisationskomitees Indonesien Goenawan Mohamad, den Leiter des Veranstaltungs- und Ausstellungskomitees Slamet Rahardjo, John McGlynn, Leiter des Literaturprogramms, Laura Prinsloo, Mitglied im Buchkomitee, und Avanti Armand, Leiterin des Gestaltungs- und Architekturkomitees.
Zu Beginn des Medientermins entführte ein kurzer Film in das Land der vielen tausend Eilande. Der Ehrengast stellt seinen Auftritt unter das Motto 17.000 Inseln der Imagination.
„Indonesien ist tatsächlich viel mehr als Zahlen, obwohl uns das Land vor fünf Jahren, als die Entscheidung für den Ehrengast fiel, mit einer Bevölkerung von 250 Millionen Menschen schon beeindruckte“, erklärte Juergen Boos.
Beeindruckt habe ihn auch die Tatsache, dass es über 120 Bambussorten in Indonesien gebe – etwas davon wird während der Buchmesse erfahrbar werden. Außerdem gebe es auf der Malaiischen Halbinsel die größte fleischfressende Pflanze; die Rafflesiana kann bis zu 15 Meter hoch werden. Doch das nur als aperçu nebenbei.
Die große Vielfalt Indonesiens spiegelt sich in der Literatur wider. Es gibt mehr als 400 verschiedene Sprachen in den verschiedenen Landesteilen, jeder Indonesier spricht mindestens zwei.
44 Prozent des nach Einwohnern viertgrößten Staates der Welt sind jünger als 25 Jahre, 20 Prozent des Nationalbudgets werden für Bildung verwendet – erstaunlich.
„Diese beiden Bücher sind Beispiele, welch reiche Kultur Indonesien sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart bietet“, zeigte Boos an zwei großformatigen Bänden.
„Unsere Sprache wurzelt im Malaiischen“, erklärte Goenawan Mohamad. Zwar sei die Buchproduktion für ein so großes Land wie Indonesien gering, aber dafür können fast alle Menschen lesen. „Wir wollen zur Buchmesse Indonesien von einer anderen, nicht so bekannten Seite zeigen, stellen dabei die Künste und die Literatur in den Mittelpunkt“, erläuterte Mohamad.
Mehr als 60 Autoren aller Genres würden dazu zwischen Juni und Oktober nach Deutschland kommen, es werde auch 14 Diskussionen über den Islam, seine Inhalte und Gruppierungen und die indonesische Ausprägung in Sonderheit geben.
Im Klassenzimmer der Zukunft auf der Buchmesse werde Indonesien ebenfalls präsent sein.
In verschiedenen Kultureinrichtungen der Messestadt wird es zunehmend indonesisch: Tropicality Revisited nennt sich die Ausstellung der Gastarchitekten aus dem weltgrößten Inselstaat im Deutschen Architektur Museum, die bereits am 29. August beginnt.
Eine spektakuläre Bambusinstallation wird im Frankfurter Kunstverein ab 26. September im Rahmen der Ausstellung Root. Indonesian Contemporary Art zu sehen sein.
Das Weltkulturen Museum lädt ab 30. September unter der Überschrift Imag(in)ing Musical Indonesia zu Performances indonesischer Musik in Geschichte und Gegenwart ein.
Im Fotografie Forum Frankfurt werden unter dem Titel Beyond Transisi Arbeiten bekannter Fotokünstler ab 1. Oktober gezeigt.
Indonesische Filme aus den letzten zehn Jahren vermitteln sowohl im Haus am Dom als auch im Deutschen Filmmuseum Einblicke in dieses Genre.
Das Museumsuferfest vom 28. bis zum 30. August wird seinen Besuchern den größten Inselstaat in einer bunten Mischung aus Tanz, Musik und kulinarischen Köstlichkeiten näher bringen.
Außerdem ist Indonesien mit der Ausstellung SchriftSprache – Aksara & Bahasa vom 1. bis zum 17. Oktober in der Staatsbibliothek Berlin zu Gast und lädt zum Pasar Hamburg am 26. und 27. September ins Museum für Völkerkunde Hamburg ein.
Avanti Armand erklärte, wie das Logo, eine zwischen Schwarz und Weiß changierende Form, die an Pixel erinnert, entstanden ist. Außerdem informierte sie über den von Architekt Muhammad Thamrin gestalteten Auftritt im Pavillon auf der Messe, der auf sieben Inseln inszeniert wird, die verschiedene Sujets wie Literatur, Kinder, Musik und Theater sowie Kulinarisches thematisieren.
In der Bücherexposition werden 800 Bücher aus internationalen Verlagen sowie 300 Bücher aus indonesischen Editionshäusern zu sehen sein.
In der anschließenden Fragerunde ging es um die Freiheit der Schriftsteller. „Ende des 20. Jahrhunderts machten besonders Frauen mit gesellschaftskritischen Büchern auf sich aufmerksam“, sagte John McGlynn. „Es gibt gegenwärtig extrem politische Bücher. Immer auch fällt – im Unterschied zur Literatur anderer Länder – die Spiritualität auf“, ergänzte Juergen Boos. „Es geht viel um Fragen von Bedeutung der Religion für den Einzelnen und für die Gesellschaft“, stimmte McGlynn zu.
„Seit 1969 gibt es gesellschaftskritische Bücher“, erklärte Goenawan Mohamad, „aber sie wurden kaum gelesen. Nach der Jahrtausendwende änderte sich das. So beschäftigt sich Leila S. Chudoris Roman Pulang. Heimkehr nach Jakarta (erscheint auf Deutsch im Weidle Verlag) mit den Ereignissen in den 1960er Jahren und mit Studentenunruhen 1998.“ Mohamad litt selbst unter dem Regime Suhartos, die von Mohamad gegründete Zeitschrift Tempo wurde verboten.
„Ich wusste nichts über den Putschversuch von 1965. Das liegt aber nicht an Indonesien, sondern an unserem Interesse. Deshalb möchte ich das Buch Indonesien.1965ff, gerade im regiospectra Verlag erschienen, empfehlen“, meldete sich Verlegerin Barbara Weidle zu Wort.
Es wird tatsächlich Zeit, sich näher mit dem Ehrengast der diesjährigen Buchmesse zu beschäftigen.
JF







