
Die KrimiZEIT-Bestenliste Juni 2015 aus der Wochenzeitung DIE ZEIT. Hier können Sie die Liste downloaden (download(06-KrimiZEIT_Bestenliste_Juni_2015.pdf)) und als Plakat ausdrucken:
An der Spitze der KrimiZEIT-Bestenliste Juni 2015 finden Sie neu auf
Platz 1: Havarie von Merle Kröger
In ihrem vierten Kriminalroman Havarie lässt die Dokumentarfilmerin und Autorin Merle Kröger (Deutscher Krimipreis und KrimiZEIT-Jahresbestenliste 2013 für Grenzfall) vier Schiffe beinahe miteinander kollidieren: einen Frachter, ein Seenotrettungsboot, ein Kreuzfahrtschiff und ein Schlauchboot voller algerischer Flüchtlinge. Handlungsstränge und Lebenslinien von Flüchtlingen, Seeleuten, Kreuzfahrtgästen kreuzen sich an diesem Punkt im Meer vor der Küste Spaniens.
Eine Sammlung mit Rezensionen finden Sie auf Krögers Homepage: http://merlekroeger.de/de/5/reviews/havarie
„Havarie ist der Roman der Stunde.“ (Thekla Dannenberg, Freitag)
„Eine Hoffnung zieht sich durch Havarie. Dass man sich immer entscheiden kann, dass moralisches Handeln möglich ist – auch in einer manch einem angesichts der Nachrichtenlage dystopisch erscheinenden Gegenwart.“ (Elmar Krekeler, Die WELT)
Erstmals in der Geschichte der KrimiZEIT-Bestenliste stehen die Romane dreier Frauen auf den ersten Plätzen.
Neu auf der KrimiZEIT-Bestenliste Juni finden Sie diesmal noch weitere vier Titel, einen amerikanischen, einen haitianischen, einen amerikanisch-afrikanischen, und einen italienischen.
Auf Platz 3: Dope von Sara Gran (original 2006: Dope)
Bevor die US-Amerikanerin Sara Gran mit ihrer weltbesten Detektivin Claire de Witt das Rollenmodell des Detektivs auf Trance-, Dope- und jede Menge intertextuelle Füße stellte, erfand sie mit Josephine „Joe“ Finnigan eine Figur mit der Perspektive des Überlebens von ganz unten. Joe war drogenabhängig, jetzt schlägt sie sich mit Taschendiebstahl und kleinen Betrügereien durch. Der Auftrag einer gut betuchten Familie, das im Drogensumpf New Yorks versunkene Töchterchen zu finden, verspricht finanzielle Entlastung. Ihre Suche wird zum Höllentrip.
„Sara Gran kann Charaktere zeichnen, ihre Nebenfiguren erhalten mit wenigen Wesenszügen Lebendigkeit und werden dadurch haarscharf vom Klischee ferngehalten. Joe ist eine gute Hauptfigur, sie ist widersprüchlich, mutig und zerrissen.“ (Sonja Hartl)
Auf Platz 5: Soro von Gary Victor (original 2011: Soro)
Der 1958 in Port-au-Prince geborene Gary Victor ist in seiner Heimat Haiti ein Star. Seine satirischen Radiokolumnen sind pure Attacke gegen eine kleptokratische Regierung, die Abhängigkeit von den USA und neuerdings von zahllosen Hilfsorganisationen. Seine Wut konzentriert er literarisch in der Figur des Inspektors Dieuswalwe Azémar. Dessen Hellsicht als einziger unbestechlicher Detektiv stößt ihn noch tiefer in den Abgrund: Er säuft die einheimischen Kräuterschnäpse Tranpe und den noch billigeren Soro in rauen Mengen aus purer Verzweiflung über die Lage seines Landes, die nach dem Erdbeben 2010 vollends katastrophal wird. Auch moralisch: Als er mit der Frau seines einzigen Freundes und Chefs schläft, wird sie von der herabstürzenden Zimmerdecke erschlagen. Er überlebt und soll nun für seinen Freund im Chaos der Nachbeben den Liebhaber finden – also sich.
„Soro ist ein brillanter Genreroman, so beklemmend wie bestechend erzählt, eine Reflexion über Naturgewalten und solche, die von Menschen gemacht sind, ein Blick in den Abgrund, in die Hölle und zugleich doch Zeugnis all dessen, des Einzigen, was der Mensch entgegenzusetzen hat – Kunst, hier: die Kunst des Noir.“ (Ulrich Noller, Funkhaus Europa)
Auf Platz 6: Black Star Nairobi von Mukoma wa Ngugi (original 2013: Black Star Nairobi)
Black Star Nairobi ist der zweite Band mit dem schwarzen amerikanisch-afrikanischen Detektivduo Ishmael und O. Gewalt ist bei Ngugi nicht die letzte, sondern die erste Sprache, in der die Konflikte zwischen Erster und Dritter Welt, Macht und Ohnmacht ausgetragen werden. Vor den kenianischen Präsidentschaftswahlen 2007 entdecken die beiden Detektive eine Leiche im traditionellen Totenwald, eine Bombe sprengt ein Luxushotel. Ausgangspunkte für eine böse, blutige Groteske, aus der niemand unbeschadet hervorgeht – am allerwenigsten die Gutmenschen, die den armen Afrikanern zeigen wollen, wie man es besser macht.
„Es ist eine harte, rasante Geschichte über zynische Weltverbesserer und strategische Interessen an instabilen Verhältnissen. Doch vor allem geht es um die Frage nach der eigenen Identität – nicht nur des Protagonisten. Der fühlte sich in den USA nie richtig zu Hause, bleibt aber auch in Kenia häufig ein Fremder.“ (Frank Rumpel)
Auf Platz 7: Der Fall Bramard von Davide Longo (original 2014: Il caso Bramard)
Der 1971 geborene Davide Longo nimmt die Kargheit der piemontesischen Bergwelt in seiner Sprache auf. In kristallinen Sätzen und gefrorenen Szenen erzählt er die Geschichte eines Ritualmörders und eines beinahe genialen, am Tod von Frau und Tochter zerbrochenen Ermittlers. Mörder und Ermittler eint die Faszination der Vollkommenheit.
„Longo tappt in keine Falle, in die krimiferne Literaten beim Fremdgehen im vermeintlichen Unterhaltungsgenre gerne tappen. Der Fall Bramard ist eine Versammlung schwarzer Geschichtenlöcher. Im Fall Bramard gerät das Zwielicht ins Tanzen. Das moralische, das menschliche und das literarische.“ (Elmar Krekeler, Die WELT)
Zum Download: download(06-KrimiZEIT_Bestenliste_Juni_2015.pdf)