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Tom Kraushaar (40)

Tom Kraushaar

Tom Kraushaar wird heute 40 Jahre alt. Klett Cotta-Geschäftsführer Michael Zöllner gratuliert seinem Mit-Geschäftsführer zum runden Geburtstag:

Die Queen kommt endlich mal wieder zum Staatsbesuch nach Deutschland – Tom Kraushaar fährt just zur selben Zeit nach England. Genauer gesagt nach Oxford, um dort vor mitgereisten Journalisten das Herbstprogramm von Klett-Cotta vorzustellen. Zufall oder Absicht? Scheu vor Königsbegegnungen kann man Tom Kraushaar, seit November 2007 Verlegerischer Geschäftsführer von Klett-Cotta, in seiner Verlagskarriere jedenfalls nicht vorwerfen.

Schon vor seiner Zeit als Assistent von Alexander Fest bei Rowohlt hatte er in jungen Jahren eine bemerkenswerte Begegnung mit einem der ungekrönten Könige der Branche. Und zwar mit Siegfried Unseld, dem damaligen Monarchen des Suhrkamp Verlags. Mit langen Haaren und hohlen Wangen trat er als Abiturient in dessen Büro, um sich für eine Verlagslehre zu empfehlen. Es stellte sich allerdings schnell heraus, dass es für den selbstbewussten Teenager nicht reichen würde, die Autoren und Buchtitel aus ebenjenem Verlag zu benennen, die zu Hause überall herumlagen.

Vom zukünftigen Lehrherrn streng nach dem Inhalt der genannten Titel befragt, begann das Selbstbewusstsein des jungen Kraushaar zu schwinden. Auch die zweite Prüfung, die Identifizierung der im Unseldschen Büro aufgereihten Autorenporträts, misslang. Wobei der Fehler Peter Suhrkamp mit Hermann Hesse zu verwechseln, verzeihlich anmutet. Und dass ein Abiturient nicht automatisch alles von Handke gelesen hat, war schließlich auch dem großen Verleger klar.

Mit den Worten „Wir haben hier noch jeden hinbekommen“ kam er zu seiner versöhnlichen Abschlussfrage: „Was wollen Sie denn mal werden?“ Und Tom Kraushaar, jetzt scheinbar klein mit Zopf, sagte ganz bescheiden, dass ihm klar sei, dass Lektor für viele ein Traumberuf wäre, daher nur schwer zu erreichen, und er wolle gar nicht nach den Sternen greifen. Stattdessen wolle er Verleger werden! Da muss dem alten Unseld vor Staunen der Mund offen gestanden haben. Oder war es Verzweiflung? Denn es geht die Sage, dass er im Anschluss seine Sekretärin angewiesen hat, keine persönlichen Einstellungsgespräche mit Lehrlingen mehr zu vereinbaren. Ein Gerücht.

Kein Gerücht ist es dagegen, dass Tom Kraushaar schon nach wenigen Wochen als Suhrkamp-Lehrling bei einem Betriebsausflug auf Siegfried Unselds unbedachte Frage nach seinem ersten Eindruck vor versammelter Belegschaft Verbesserungsvorschläge zu machen begann. Unglücklicherweise trug er wie alle Lehrlinge ein T-Shirt mit einem Brecht-Zitat aus den Geschichten vom Herrn K.: „ICH BEREITE MEINEN NÄCHSTEN IRRTUM VOR.“ Woraufhin der kluge Literat nur entgegnete: „Herr K., welchen Irrtum bereiten Sie denn jetzt wieder vor?“

Es ist schade, dass Siegfried Unseld nicht mehr mitbekommt, wie Tom Kraushaar seine frühe Ansage mit Talent und Puste umgesetzt hat. Denn es war sicher kein Irrtum, dass er nach abgeschlossenem Studium, nach erfolgreicher Herausgeberschaft der Literaturzeitung Edit (Hermann Hesse-Preis!), nach den intensiven und lehrreichen Jahren bei Rowohlt, Anfang 2005 im Tropen Verlag eingestiegen ist und dort sowie bei Klett-Cotta Verleger wurde. „Er“ hat ihn also doch noch „hinbekommen“.

Neben diesem verlegerischen Ritterschlag adelt Tom sein kluges, weitsichtiges Wesen, das sich die Lebendigkeit und den Witz erhalten hat. Wer Tom Kraushaar noch nie als Conférencier einer Klett-Cotta-Revue erlebt hat, ist zu bedauern. Diese zugleich höchst verbindliche Art, die unter der jungenhaften Oberfläche ein gepfeffertes Maß an Exzentrik verbirgt – call it british –, habe ich als Freund und Mitverleger in vielen Jahren immer sehr zu schätzen gewusst. Auch dass er als Düsseldorfer, mich, den Kölner, erträgt. Und sein Durchhaltevermögen, was sich gerade wieder beim Berliner Halbmarathon gezeigt hat, bewundere ich sogar.

Nachdem wir zuletzt das zehnjährige Jubiläum unserer gemeinsamen Verlegertätigkeit verschlafen haben, ist es mir eine große Freude, ihm nach einer so langen gemeinsamen Geschichte zum 40. Geburtstag gratulieren zu dürfen! Und die Queen? Die hat Tom Kraushaar meines Wissens noch nicht getroffen. Noch nicht.

Wer auch gratulieren möchte: t.kraushaar@klett-cotta.de

Möchten auch Sie jemandem aus Ihrer Buchhandlung/Ihrem Verlag zum „Runden Geburtstag“ gratulieren? Dann mailen Sie uns einen kleinen Text und ein Foto des Jubilars/der Jubilarin: redaktion@buchmarkt.de, Stichwort: Runde Geburtstage}

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