Es war der Paukenschlag vergangene Woche, als durchsickerte, daß Diogenes aus Kostengründen in diesem Jahr nicht zur Frankfurter Buchmesse kommen wird [mehr…] – kein Feuilleton, das diese Sparmaßnahme in Folge des kräftig aufgewerteten Franken nicht kommentierte. Erwartet uns also in Frankfurt die große Schweiz-Abstinenz? BuchMarkt hat nachgefragt.
„Ja, auch wir haben unseren Stand für dieses Jahr abgesagt“, sagte Sabine Dörlemann, „uns aber die Option offengehalten, an denselben Standort im nächsten Jahr zurückzukehren.“ Ganz ohne Dörlemann wird die Messe denn aber doch nicht abgehen: „Wir werden einen Tisch und ein Regal beim SBVV haben.“ 15 Prozent Umsatzverlust durch den niedrigen Euro / hohen Schweizer Franken sind auch für diesen Verlag nicht leicht zu verkraften, wenn man sich in Zürich an einem ordentlichen Umsatzzuwachs im ersten Quartal gegenüber den ersten Quartalen der Vorjahre freut: „Aber das Jahr ist noch lang…“
Mit einer Messeabsage ist es für Bernhard Echte von Nimbus nicht getan – er wird auch weiterhin in Frankfurt ausstellen. „Da unsere Bücher (Kunst- und Fotobände) im mittleren bis höheren Preis-Segment liegen, hat der Schweizer Buchhandel bereits beim Umtauschsatz 1:1.20 größtenteils in Deutschland eingekauft. Das hat sich angesichts der generell niedrigeren Preise im Euro-Raum und dem Mehrwertsteuer-Differenz schon damals gerechnet – mit der Folge, dass sich unser Umsatz zu 95 Prozent in Euro abwickelt (Diogenes ist also, wie der SPIEGEL fälschlich meint, keineswegs ein Schweizer Sonderfall, vielmehr trifft es alle Verlage, die ‚Schweizer Qualitätsprodukte‘ herstellen und diese international vertreiben).“ Durch den Fall des Euro auf die Parität hat Nimbus auf einen Schlag rund 18% verloren. „Die Absage der Messe hätte diese Einbuße nicht kompensieren können; da mussten wir schon einen tieferen Schnitt vornehmen und eine halbe Stelle abbauen und von 230% Stellenprozent auf 180 zurückfahren. Zur Frankfurter Messe werden wir weiterhin gehen (die Schaufenster- und Netzwerk-Funktion ist für uns wichtig). Wir überlegen uns aber Kooperationsmodelle mit Verlagen, die zu uns passen könnten.“
„Auch wir optimieren natürlich an allen Ecken und Enden“, so Lucien Leitess vom Unionsverlag, „sind aber zum Schluss gekommen, dass die Präsenz in Frankfurt und Leipzig für uns umsatzfördernd und für die Autoren wichtig ist. Zum Glück ist unser Stand traditionell kompakt. Aber wir werden mit kleinerer Belegschaft anreisen, Nebenkosten vermeiden und haben soeben entschieden, statt einem Abendfest zum 40. Verlagsjubiläum einen Festapero am Stand zu veranstalten.“
„Alleine könnte und wollte ich mir einen Stand schon lange nicht mehr leisten“, sagt Ricco Bilger vom bilgerverlag. „Anderen kleineren Verlagen geht es hierzulande ähnlich. Deshalb haben wir uns zusammen getan, fünf SWIPS-Verlage – und teilen uns Platz und Kosten. So geht es.“ Frankfurt ist für ihn auch ein bisschen wie eine Klassenfahrt: „Ich sehe dort einmal im Jahr viele wunderbare Menschen, die zu sehen und zu sprechen mir einiges bedeutet: Verlegerinnen und Verlegerkollegen vor allem, Übersetzer, Freunde.“
Auch der Rotpunktverlag wird in Frankfurt präsent sein: „Der Rotpunktverlag hat sich bisher für die Buchmesse nicht in große Kosten gestürzt, so dass ein Fernbleiben oder der Verzicht auf einen eigenen Stand keinen wesentlichen Beitrag zur Ertragsverbesserung leisten kann“, so Geschäftsführer Thomas Heilmann. „Kontakte müssen so oder so gepflegt werden. Frankfurt scheint mir nach wie vor eine kostengünstige Gelegenheit dafür zu sein. Vielleicht gibt die aktuelle Situation einen Impuls, fruchtbare Kooperationen zu prüfen und umzusetzen.“
Überlegungen, die Messe abzusagen, gab es auch bei verlag die brotsuppe. „Ich kann die Entscheidung vom Diogenes Verlag gut verstehen“, so Ursi Anna Aeschbacher. „Die Messe ist sehr teuer, die Übernachtungen in Frankfurt selber sind sehr teurer – wie man uns versichert, ein Drittel teurer als außerhalb der Buchmessezeiten. Was das für einen so großen Verlag wie den Diogenes Verlag bedeutet, kann man sich leicht ausdenken. Ich stelle die Bücher meines kleinen Verlags an einem Gemeinschaftsstand aus und übernachte am Rand von Frankfurt. Nur so und ohne bezahltes Standpersonal (und wenn ich nicht zu viele Bücher von anderen kaufe), ist es möglich teilzunehmen, aber wie lange noch, das weiß ich nicht. Das zum Geldaspekt. Dass es für mich gut ist, mich ein paar Tage lang intensiv mit anderen Verlagen, ihren Programmen und dem Zeigen der Bücher aus meinem Verlag zu beschäftigen, steht außer Frage. Ob ein Messebesuch in Zukunft reichen muss, das wird sich zeigen. Wir müssen uns in der Schweiz jetzt stark für die Sache der Verlage engagieren und alles Mögliche und Unmögliche dafür tun, dass sich unsere Situation verbessert.“
Auch Salis wird in Frankfurt dabeisein. Verleger André Gstettenhofer: „Unser Sparpotenzial liegt nicht so sehr in den Messeauftritten in Frankfurt und Leipzig, beide sind nach wie vor wichtig für uns, und wir ändern nichts daran. Gespart wird bei uns dort, wo es sich auf die monatlichen Kosten auswirkt. Unter anderem mit dem Büroumzug an die Rieterstrasse 18 in Zürich.“