Mit „Selbstbewusstsein geht die Buchbranche in das Bücherjahr 2015“ meldet sie der Börsenverein zum Start der Buchmesse Leipzig zu Wort: „Bücher sind ein Leitmedium, auch in der stärker werdenden Medienkonkurrenz. Wir sehen die Digitalisierung als eine Chance, die wir in den letzten Jahren auch wahrgenommen haben. Die Symbiose von Gedrucktem und Elektronischem steht im Vordergrund der Arbeit der Buchbranche und gibt Raum für innovative Ideen und Konzepte. Es gelingt immer besser, Analoges und Digitales zu verbinden, insbesondere auch im stationären Buchhandel. Der Nutzen des Buchhandels vor Ort überwiegt gegenüber dem reiner Online-Händler – das erkennen die Kunden an“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bei der Eröffnungs-Pressekonferenz der Leipziger Buchmesse 2015.
Die Vielzahl der Kunden setzte weiter verstärkt auf Vielfalt, persönliche Beratung und den Buchhandel vor Ort als Kulturinstitution: Auch im vergangenen Jahr liefen die Geschäfte für den stationären Buchhandel deshalb besser als für den gesamten Publikumsmarkt. Nimmt man alle Vertriebswege – Buchhandel vor Ort, E-Commerce, Bahnhofsbuchhandel und Kauf-/Warenhäuser – zusammen, so lag der Umsatz bei -2,1 Prozent (nur Sortiment: -1,2 Prozent). Bis Ende Februar 2015 lag die Umsatzentwicklung des Buchmarktes bei -1,0 Prozent. Umsatztreiber ist immer noch die Warengruppe Sachbuch mit plus 5,0 Prozent, etwa auf Vorjahresniveau bewegen sich die Warengruppen Belletristik (-0,2 Prozent) und Kinder- und Jugendbuch (-0,1 Prozent).
Für das Wort und die Freiheit
Deutlich Position beziehen will die Branche für das Wort und die Freiheit. „Verlage und Buchhandlungen sind sich ihrer Verantwortung für Werte wie Vielfalt, kulturellen Austausch und Meinungs- und Pressefreiheit bewusst. Die Position der Branche ist dabei eindeutig: Die Gesellschaft soll nicht denen überlassen werden, die die Welt politisch oder wirtschaftlich kontrollieren wollen. Meinungsfreiheit ist für uns nicht verhandelbar“, so Skipis. Spätestens die Anschläge in Paris und Kopenhagen hätten gezeigt, wie fragil die Meinungsfreiheit ist. „Vielleicht waren wir in der Vergangenheit bei diesem wichtigen Thema zu leise.“
Aktuell setzt sich der Börsenverein für den weißrussischen Verleger, Buchhändler und Freedom-to-Publish-Preisträger Ihar Lohvinau ein, der Anfang 2015 vom Minsker Wirtschaftsgericht zu einer Geldstrafe von umgerechnet mehr als 58.000 Euro verurteilt wurde. Obwohl er mehrfach eine Lizenz beantragt hatte, wird ihm vorgeworfen, Bücher ohne Lizenz verkauft zu haben. Lohvinau hat mit seinem Verlag einige der besten zeitgenössischen weißrussischen Autoren etabliert. Der Börsenverein hat in einem Schreiben an das Büro des weißrussischen Präsidenten darum gebeten, Lohvinau die notwendige Lizenz zu erteilen und die Strafe zurückzunehmen.
TTIP-Verhandlungen: Branche bleibt wachsam
Vehement setze sich die Buchbranche nach wie vor im Rahmen der Verhandlungen über das Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten für die Buchpreisbindung ein. „Eine Entwarnung kann es zum jetzigen Zeitpunkt nicht geben, zumal die USA auch bei anderen Verfahren nachweislich Druck auf die EU-Kommission ausüben“‚ so Skipis. „Wir erwarten eine eindeutige schriftliche Stellungnahme der EU-Kommission, dass die Buchpreisbindung in den TTIP-Verhandlungen nicht angetastet wird.“
Auf der Leipziger Buchmesse wird der Börsenverein wieder mit der gemeinsamen Kampagne der deutschen Buchbranche präsent sein. „Vorsicht Buch!“ legt auf der Leipziger Buchmesse den Schwerpunkt auf den Buchhandel vor Ort (Stand: Glashalle). Das verbindende Motto lautet: „4782 Buchhandlungen. Such dir deine aus.“ Die Botschaft: In Deutschland gibt es ein weltweit vorbildliches Netz an Buchhandlungen, die als Orte der Literaturvermittlung und des kulturellen Lebens unverzichtbar sind.