Mit 175.000 Besuchern ging gestern die Internationale Tourismus-Börse 2015 (ITB) zu Ende, auf der sich auch wieder viele Reiseführer-Verlage mit ihren Titeln präsentierten – die meisten am Gemeinschaftstand der Buchhandlung Schropp. Ein Highlight: Die Preisverleihung der ITB BuchAwards im Marshall-Haus, wie unsere Fotos zeigen.
Schropp-Inhaberin Regine Kiepert zeigte sich zufrieden mit dem Standort der „Buchwelt“ in Halle 10.2. Der Bereich um die Niederlande und Belgien war gut frequentiert und führte ihr viele Kunden zu, die auch gleich einen Reiseführer mit nach Hause nahmen: Im Gegensatz zu unseren Buchmessen darf auf der ITB die gesamte Zeit über verkauft werden.

Verleger Michael Müller präsentierte neben seiner Regenbogen-Reihe vor allem die MM-Reise-Apps, die er seit Jahren zur Chefsache macht. Inzwischen setzt er aber auch, nach anfänglicher Skepsis, auf E-Books („Die können nicht so viel wie die Apps“), die auf 65 Titel angewachsen sind: Mit jeder Buch-Neuauflage soll es zukünftig auch ein digitales Pendant geben. Für den Herbst hat er eine weitere Neuentwicklung angekündigt: Dann will er eine App auf den Markt bringen, die auch PC-kompatibel ist.

auf den Markt bringen, die auch PC-fähig ist
Trescher-Verleger Detlev von Oppeln, mit seinen 100 Reiseführer-Titeln auf Osteuropa spezialisiert, macht momentan die Ukraine-Krise zu schaffen: Der Verkauf der Russland-Guides, bis auf Moskau und St. Petersburg, sei massiv eingebrochen, nicht, weil der Urlauber dort um sein Leben fürchten müsse, sondern weil die Stimmung im Keller sei. Die Ukraine dagegen sei im vergangenen Jahr „absolut tot“ gewesen. Inzwischen könne man aber wieder in die West-Ukraine reisen, weshalb es ihm wichtig war, die Destination Lemberg für die ITB neu aufzulegen. Auch Trescher will jetzt mit jeder Neuauflage digitale Versionen auf den Markt bringen.

Gute Stimmung am Stand von Travel House Media: Die Reihe „Polygott zu Fuß“ hatte den ITB BuchAward in der Kategorie „Die besondere Reiseführer-Reihe“ gewonnen, den Geschäftsführer Michael Kleinjohann in Empfang nahm. Außerdem konnte das Team mit „Merian live“ und „Polyglott on tour“ gleich zwei renovierte Reihen und mit „Merian momente“ eine noch recht neue Serie zeigen. Polyglott-Verlagsleiterin Michaela Lienemann demonstrierte, was die neue Polyglott-App alles kann, die kostenlos angeboten wird: Sie ist zugleich ein personalisiertes Urlaubstagebuch, in das sich eigene Fotos und Anmerkungen integrieren lassen.

Ebenfalls kostenlos für den Verbraucher ist der „Reiseführer für die Hosentasche“, den Bernd Schilbach, Geschäftsführer der Denkende Portale GmbH vorstellte. Das Ziel des IT-Experten aus Plauen ist es, ein Travelbook für alle touristisch relevanten Orte der Welt zu schaffen. Bisher wurden an 600 Orten und 15.000 Sehenswürdigkeiten Tafeln mit QR-Codes angebracht, die das Smartphone in einen Tourguide verwandeln, der zusätzlich Restaurant-, Hotel- und weitere Dienstleister vor Ort beinhaltet und auch auf Rad-, Wanderwege, Bootstouren und Stadtrundgänge hinweist. Schilbach muss allerdings einräumen, dass das Reisen per QR-Code, solange es noch Roaming-Gebühren gibt, nur innerhalb Deutschlands sinnvoll ist.

Zum ersten Mal war der Emons Verlag auf der ITB, um für seine auf 100 Titel angewachsene Reihe „111 Orte, die man gesehen haben muss“ Präsenz zu zeigen. Vertriebsleiterin Ingeborg Simandi verriet aber, dass sie auch für Kooperationen mit Reiseanbietern aufgeschlossen gegenüber steht.

mit der Reihe „111 Orte“ Präsenz zeigen
Ohne Stand war MairDumont-Pressefrau Birgit Berg-Becker unterwegs. Im Gepäck: Ein druckfrisches Exemplar der neuen Marco Polo-Reihe „Raus und los“, die noch in diesem Monat mit 20 Titeln auf den Markt kommt und sich vor allem an Familien richtet – mit 66 Ausflugszielen inklusive Freizeitkarte, auf der die „Abenteuer“ eingezeichnet sind und so schnell gefunden werden können.

Marco Polo-Erlebnis-Reihe im Gepäck
Höhepunkt der Tourismus-Messe aber war für unsere Branche wieder die Verleihung der ITB BuchAwards, die in diesem Jahr zur Destination Mongolei, dem Partnerland der ITB, und in zwölf weiteren Kategorien vergeben wurden – eingerahmt von der großartigen Ethnojazz-Band Arga Bileg. Im Kinosaal des Marshall-Hauses im Zentrum des Messegeländes war jeder Platz besetzt, als die Juroren die Preisträger [mehr…] vorstellten, die die symbolische Weltkugel von Messedirektor David Ruetz in Empfang nahmen.

„Books are the window to open the world“ begrüßte Damba Gantumur, President of Mongolian Tourism Association, die anwesenden Journalisten und Preisträger und bedankte sich gleichzeitig für die deutsche Freundlichkeit und Gastfreundschaft.

Der mongolische Schriftsteller und Schamane Galsan Tschinag, der für seine Romane und Erzählungen, die er in außergewöhnlicher Ausdrucksstärke auf Deutsch schreibt (er hat in den 60er-Jahren in Leipzig Germanistik studiert), den „Werkpreis Literatur“ erhielt, las noch eine kurze Sequenz aus „Der Mann, die Frau, das Schaf, das Kind“ (Unionsverlag).

Tourismusforscher Albrecht Steinecke legte mit seiner Auszeichnung für sein Buch „Internationaler Tourismus“ (UVK Lucius/UTB) in diesem Jahr sogar einen Hattrick hin: Schon 2013 und 2014 konnte er in der Kategorie „Touristisches Fachbuch“ mit einem seiner wissenschaftlichen Abhandlungen bei den BuchAwards punkten.

Und Mongolei-Experte Frank Riedinger hofft nun auf einen Verlag: Er hatte seinen nun preisgekrönten Bildband im Eigenverlag herausgebracht.
Weitere Fotos der Verleihung finden Sie im Anhang. (Fotos: Axel Sperl/ITB Berlin und Cornelia Camen/BuchMarkt)
Übrigens: Die Award-Broschüre gibt es hier zum Blättern und Herunterladen