bild(l, 36385)Die meisten Bonner Buchhandlungen verhüllen morgen ihre Schaufenster, um deutlich zu machenn, wie es ist, wenn ein Freihandelsabkommen TTIP alle Handelshemmnisse beseitigt hat. Buchhändler Holger Schwab (buchLaden 46) macht allerdings einen „Alleingang“, er will seine Kunden mit meiner Mailaktion zu Protesten animieren – hier der Wortlaut – auch als Vorlage für ähnliche Aktionen?
„Das Freihandelsabkommen ist das TTIP. Derzeit wird es zwischen EU und USA verhandelt. Geheim. Verhandlungsergebnisse werden nur veraltet veröffentlicht. Ausgelegt in bewachten Räumen, in die nur Abgeordnete ohne Stift, Papier, Handy hineindürfen. Die Texte sind in amerikanischer Sprache verfasst und es sind juristische Texte.
Gäbe es keine Regelungen mehr, die die Herstellung und den Verkauf von Waren regeln, wären Freiheit, Reichtum und Glück aller unermeßlich größer als jetzt. So sagen die Verfechter des Freihandelsabkommen das. Sigmar Gabriel z.B. Vorschriften in Deutschland werden denen in den USA angepasst und Vorschriften in den USA sollen denen in Deutschland angeglichen werden. Das soll auf alles bezogen sein, was sich produzieren und handeln lässt: Auto-Reifen genauso wie Rundfunk, Urheberrecht genauso wie Parma-Schinken. Darunter fallen auch Hygiene Vorschriften in Krankenhäusern und Arbeitnehmerrechte in Kantinen oder sonstwo. Müllabfuhr, Wasserversorgung, das Verbot von Fracking, Gentechnik in Lebensmitteln usw.
Verhandelt wird die Abschaffung der Handelshemmnisse in Kommissionen in denen Vertreter der EU, der USA und der Wirtschaft (Rechtsanwälte) sitzen. Diese entscheiden. Weder das EU Parlament noch die nationalen, schon gar nicht die kommunalen Politiker und auch nicht die Gerichtsbarkeit haben mitzureden. Wieso entmachten sich deutsche Politiker selber?
Als Buchhändler sind wir unmittelbar betroffen. Der deutsche Buchhandel hat zur Grundlage die Buchpreisbindung. Diese ist, nachdem die EU sie abschaffen wollte, zum Gesetz erhoben worden. Alle deutschen Bücher kosten in jedem Geschäft in Deutschland das Gleiche.
Das ist die Grundlage für eine ganz außerordentliche Konkurrenz: Es gibt soviele Buchhandlungen, Verlage und Bücher wie in keinem anderen Land der Welt. Schafft man die Preisbindung ab, kann eine Buchhandlung z.B. 60 % der Auflage eines Buches kaufen und zu einem Preis verkaufen, den keine andere Buchhandlung unterbieten kann. Thalia würde diese in der Mitte der Stadt verkaufen – Endenich hätte dann keine Buchhandlung mehr. Allerdings gäbe es Thalia gar nicht mehr.
Die Buchpreisbindung schafft die Grundlage, dass Verlage und Buchhandlungen um die Gunst der Kunden mit Menge, Service, Vielfalt und Qualität konkurrieren. Dieses Handelshemmnis ist Antrieb für sinnvolle Konkurrenz.
Schauen Sie mal in unser Schaufenster! Wir haben es heute nicht verhüllt wie die anderen Bonner Buchhandlungen: Sehen Sie die Vielfalt!
Martin Schulz ist Präsident des Europäischen Parlaments. Er war einmal Buchhändler im buchLaden 46. Auch wenn das lange her ist: Er erinnert sich gut daran. Schreiben Sie ihm doch mal, was Sie von TTIP halten! Fragen Sie ihn, was er von TTIP hält und was er dazu tut: http://www.europarl.europa.eu/the-president/de/president/html/kontakt
Sigmar Gabriel ist „unser“ Wirtschafsminister, Freund von Angela Merkel und ein besonderer Fan von TTIP. Vielleicht bekommt er nicht genügend Post von seinen Wählern? https://www.bundestag.de/service/kontakt/kontakt?mdbId=258398
Für die CDU – Wähler in Bonn ist Axel Voss im Europaparlament, er gehört nicht unbedingt zu unseren Stammkunden, aber seine Kinder kaufen vielleicht bei uns ihre Schulbücher. Die Familie wohnt um die Ecke. Was hält er denn von TTIP? info@axel-voss-europa.de
Ulrich Kelber ist Bonner Bundestagsabgeordneter der SPD. Vielleicht versteht er, worum es geht und redet mal Tacheles mit seinen SPD-Genossen: ulrich.kelber.ma04@bundestag.de.
Sie können diese Liste selber erweitern! Lassen Sie Ihre Phantasie spielen! Fragen Sie doch mal unsere Stadtverordneten!Im Internet finden ganz einfach alle nötigen Kontaktadressen.
Holger Schwab für den buchLaden 46“
Der Hintergrund:
Auch die Kurt Wolff Stiftung, der Börsenverein, der VS sowie zahlreiche Buchhandlungen haben sich in der Vergangenheit bereits vehement gegen das das Freihandelsabkommen TTIP ausgesprochen. Vom 21. bis zum 28. Februar werden deshalb neun Bonner Buchläden aus Protest gegen die Freihandelsabkommen TTIP und CETA ihre Schaufenster zumindest zeitweise mit entsprechenden Plakaten verhüllen. Hintergrund ist die Sorge, dass die Buchpreisbindung als Folge der Abkommen als Handelshemmnis angesehen wird und somit fallen könnte. Das würde das Aus für unabhängige Buchläden bedeuten. Die Protestaktion haben sie mit dem Bonner Bündnis gegen TTIP initiiert. Folgende Buchhandlungen beteiligen sich an der Aktion: Büchergilde (Breite Str. 47), Park-Buchhandlung (Koblenzer Str. Bad Godesberg), Buchhandlung am Paulusplatz (Tannenbusch), Bücher Bosch (Bahnhofstr. Bad Godesberg), Buchladen Le Sabot (Breite Str. 7), Behrendt und Witsch (neben der Uni), Bücher Bartz (Gottfried-Claren-Str. 3, Beuel), Der kleine Laden (Budapester Str. 5), Buchhandlung Köpliin (Endenicher Str. 306).