Das Jahrhundertprojekt von KNV [mehr…] läuft nicht so reibungslos, wie erwartet – was Handel und Zwischenbuchhandel im Weihnachtsgeschäft an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht hat.
Das war Anlass für Fragen an Martin Rings (Foto), Vertriebschef des Barsortiments Könemann darüber, wie er die Hochphase des Weihnachtsgeschäfts erlebt hat.

Wie war die heiße Phase im Weihnachtsgeschäft für Sie?
Martin Rings: Die ist für uns noch nicht abgeschlossen, Ende Dezember wissen wir mehr, nachdem wir die Statements und ersten Bewertungen unserer Kunden abgefragt haben.
Ihr vorläufiges Fazit?
In Bezug auf die tägliche Anlieferung würde meine Tochter sagen: „Läuft“.
Dabei hatten wir doch alle Sorgen, Sie und die anderen Barsortimente hätten die zusätzlichen Bestellungen nicht verarbeiten können…
Wir haben versucht, in allen Bereichen Vorbereitungen zu treffen. Die zuletzt aufgetretenen bekannten Störungen und die daraus resultierenden unkontrollierbaren Bestellmengen haben leider auch bei uns dazu geführt, dass wir nicht immer und überall in den letzten Tagen vor Ladenöffnung anliefern konnten.
Und wie haben Ihre Kunden reagiert?
Die Kunden reagieren darauf mehrheitlich mit Verständnis. Auf der anderen Seite darf nicht unterschätzt werden, wie sensibel mit der „neuen“ Situation umgegangen wird. Von uns wird gerade jetzt eine funktionierende Logistik erwartet, insofern gibt es bei auftretenden Verspätungen auch kritische Stimmen, die nachvollziehbar sind. Das andere brisante Thema ist sicherlich die Lieferfähigkeit (Melde 15er Quote) sowie die neue Titelbreite, hierzu wollen wir die abschließenden Bewertungen unserer Kunden abwarten.
Was glauben Sie, was die dazu sagen werden?
Aktuell positiv zu bewerten sind die Reaktionen der KNV-Kunden der letzten Wochen wie z.B.: „Sie haben uns das Weihnachtsgeschäft gerettet“. Wir unterscheiden dabei zwischen den klassischen Neukunden und den Buchhandlungen, die wir vorher schon als Erst- oder Zweitlieferant bedient haben. Die abschließenden Statements dieser wichtigen Stammkunden stehen noch aus. Diesen Reaktionen möchte ich heute noch nicht vorgreifen, weil sie von verschiedenen Faktoren, wie z.B. dem regional unterschiedlichen Verlauf des Weihnachtsgeschäftes abhängig sind.
Haben Sie das Gefühl, auf Dauer neue Kunden gewonnen zu haben?
Ja, weil viele Buchhandlungen die Vorzüge einer Zusammenarbeit mit unserem Haus in der wichtigsten Zeit des Jahres kennen- und schätzen gelernt haben. Vor Monaten schlug uns noch außerhalb NRWs Skepsis entgegen, oft fielen sogar Sätze wie „Ich arbeite schon seit x Jahren mit meinem Lieferanten und dem Herrn Kundenbetreuer Y zusammen und möchte daran nichts ändern“. Einige Buchhandlungen haben sich dennoch von uns überzeugen lassen und nutzen uns inzwischen sogar (hoffentlich nicht nur vorübergehend) als Erstlieferant.
Was haben Sie Ihnen denn geboten?
Eine funktionierende Logistik aus dem auf 800.000 Artikel aufgestockten Lager sowie eine schnelle und unkomplizierte Aufnahme der Geschäftsbeziehung. Erleichtert wurde der Start durch die für Könemann-Kunden kostenlosen Bibliographie- und Bestellprogramme „ Heureka“ und „BiblosWin“, die unseren Kunden binnen Sekunden die Lieferbarkeitsrückmeldungen zu ihren Bestellungen ermöglichen. Beide Programme haben unsere neuen Kunden in die Lage versetzt, ohne nennenswerten Umstellungs-und Schulungsaufwand sofort die notwendige Online-Kommunikation mit unserem Haus aufzunehmen. Gleichzeitig konnten sie an ihren gewohnten Bibliographie-Programmen festhalten.
Wie ging das denn?
Das „BiblosWin“ ist ein einfaches Bestellmodul, „Heureka“ ist eine moderne, BS-unabhängige Bibliographie-Oberfläche, mit der man parallel in allen BS-Katalogen, dem VLB und diversen anderen Online-Datenbanken bibliographieren kann. Es ist in verschiedene WWS integrierbar und man kann auch ohne vorhandene WWS zum Bestellen den anhängenden Warenkorb nutzen. Großartige Unterstützung erhielten wir dabei von unserem Partner „4bit“ aus Würzburg, der vielen Buchhandlungen durch seine Warenwirtschaft „LiBraS“ und „Heureka“ bekannt ist – dort wurden für unsere Kunden unzählige Sonderschichten gefahren, um die gewünschten EDV-Tools zeitnah an den Start zu bringen.
Ist zu befürchten, dass die Kunden vergesslich sind?
Wir führen mit den neuen Kunden bereits sehr lebendige positive Geschäftsbeziehungen, die unabhängig von der aktuellen Situation in Erfurt weiterleben werden. Viele haben sich bereits an das beliebte Könemann-Team gewöhnt und haben auch die für sie neuen Angebote (Titelbreite, Heureka, preiswerte Internet-Shop Lösungen, Büchersammelverkehr) und Serviceleistungen erfolgreich in ihre Geschäftsprozesse eingebunden. In unseren Augen war es in den meisten Fällen ohnehin schon vorher angezeigt, den Service durch ein zweites Barsortiment zu erweitern und seine Unabhängigkeit dadurch zu untermauern. Wir müssen damit rechnen, dass Kunden, wo wir bisher zweiter Lieferant waren, in vielen Fällen nach Beseitigung der „Kinderkrankheiten“ in Erfurt den Hebel wieder umlegen. Trotzdem glauben wir, dass einige Buchhandlungen unsere Leistungsfähigkeit der letzten Wochen und Monate so schätzen gelernt haben, dass sie langjährige und treue Könemann-Kunden bleiben werden.
KNV wird alles versuchen, um die Verprellten zurückzuholen.
Das ist doch normal, der Kampf um die Gunst der Kunden hat in den letzten Jahren an Intensität zugenommen. Natürlich gehen wir davon aus, dass KNV große Anstrengungen unternehmen wird, um die Gunst der Buchhandlungen zurück zu gewinnen
Ein Blick ins nächste Jahr also aus Ihrer Sicht?
Ich glaube, dass die Branche inzwischen so vernetzt ist, dass die Buchhandlungen von den Erfahrungen Ihrer zahlreichen Kolleginnen und Kollegen (z.B. aus NRW und Niedersachsen) profitieren werden und sich rechtzeitig (gerne mit unserer Unterstützung) auf die zukünftigen Veränderungen einstellen werden. Das Zauberwort heißt auch hier wieder „Unabhängigkeit“.
Ihre Wünsche und Aufgaben für 2015 also?
Ich hoffe, dass unser „Antritt“ richtig verstanden wird und wir im nächsten Jahr immer häufiger mit offenen Armen empfangen werden. Höchste Priorität hat natürlich, dass wir alle unsere Kunden aus dem immer größer werdenden Lager zuverlässig bedienen werden.
Die Fragen stellte Christian von Zittwitz