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Das „Literaturfest München“ ist in vollem Gange und eilt von einem Preis zum nächsten

Die Werbung für das gute Buch in der Isar-Metropole ist wohl nie so effizient wie in den zurzeit stattfindenden „Literaturfest“-Wochen. Das vom Börsenverein und vom Kulturreferat gestrickte Netzwerk aus Buchhandlungen und Verlagen, aus Medien, Politik und Literaturwissenschaft und nicht zuletzt aus den vielen teilnehmenden Veranstaltungsorten (u.a. Gasteig, Literaturhaus) wird immer engmaschiger. Zahlreiche Preisverleihungen tragen zur Attraktivität bei.

Veranstaltungssaal im Bayerischen Hof

Bereits am vergangenen Samstag wurde zum 21. Mal die städtische Auszeichnung „LiteraVision“ in den Kategorien Lang- und Kurzfilm vergeben. Bürgermeister Josef Schmid verlieh die mit je 5000 Euro dotierten Preise im Literaturhaus München an Dominik Graf und Hans-Michael Marten. Dominik Graf porträtiert in „Lawinen der Erinnerung. Ein Film über Oliver Storz.“ (SWR / arte / WDR, 88:40 Min.) den Dramaturgen, Drehbuchautor und Regisseur, der noch in hohem Alter seinen Lebensroman „Die Freibadclique“ (Schirmer Graf / List) schrieb. In der Kategorie Kurzfilm bekam Hans-Michael Marten für „artour: David Wagners Roman ‚Leben‘ (Rowohlt)“ (MDR, 4:02 Min) den Preis. „Einen stillen Mann zum Sprechen bringen, das gelingt hier (…) Atmosphärisch stimmig, überraschend und einfallsreich nutzt der Filmautor das knappe Format von vier Minuten“, so die Jury.

Zwei Tage davor war in der Allerheiligen Hof-Kirche der Corine-Nachfolger, „Der Bayerische Buchpreis“ in den Sparten Belletristik und Sachbuch (dotiert mit je 10.000 Euro) erstmals vergeben worden. Die Jury (Denis Scheck, Franziska Augstein, Carolin Emcke) diskutierte live vor Publikum über die Favoriten einer Shortlist. Am Ende setzten sich Thomas Hettche mit „Pfaueninsel“ (Kiepenheuer & Witsch) und Ulrich Herbert mit „Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert“ (C.H. Beck) durch. Der nicht dotierte Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten ging an die Autorin und Literaturwissenschaftlerin Silvia Bovenschen.

Michael Lemling

Als am vergangenen Sonntag die 48. Bayerische Verlegertafel im Hotel Bayerischer Hof stattfand, war die Zustimmung für den neuen Preis groß. Michael Lemling (Foto rechts), Vorsitzender des bayerischen Landesverbands im Börsenverein lobte die konzentrierte Form der Präsentation, die das Unterhaltsame nicht ausklammere und gab einen Ausblick auf den Geschwister Scholl Preis, „den wir seit 34 Jahren gemeinsam mit der Landeshauptstadt vergeben. Glenn Greenwald ist eine hervorragende Wahl, die einmal mehr zeigt, was dieser Preis leisten kann (…) Greenwald stellt mit seinem Buch ‚Die globale Überwachung. Der Fall Snowden, die amerikanischen Geheimdienste und die Folgen‘ (Droemer Knaur) bedrängende Fragen an die westlichen Demokratien, denen wir nicht ausweichen können.“

Sebastian Zembol

Gastgebender Verlag bei der Verlegertafel war mixtvision. Verlagsleiter Sebastian Zembol (Foto links) hielt ein Plädoyer für die Leseförderung: „Die Kinder- und Jugendliteratur hat eine ganz besondere Bedeutung, denn sie ist der Einstieg in die Welt der Bücher und der Geschichten. Was wir bei den Kleinsten versäumen, wird im Alter zunehmend schwieriger“, so Zembol. Er wies auch auf die Verlagswelt im Umbruch hin: „Es kämpfen all diejenigen, die sich neben der traditionellen Verlagsarbeit in den letzten Jahren für die Erweiterung ihres Programms um digitale Produkte entschlossen haben, auf der einen Seite mit ganz neuen Produktionsanforderungen und -budgets, der fehlenden Sichtbarkeit auf den wenigen digitalen Plattformen und einer Preispolitik für E-Books und Apps, die kaum nachzuvollziehen ist. Auf der anderen Seite sehen sich die Verlage mit ganz neuen Konkurrenten aus der Games- und Unterhaltungsbranche konfrontiert, die digitales Storytelling oft anders beherrschen als klassisch agierende Verlage.“ Ludwig Spaenle, Staatsminister für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zitierte einen Schüler: „‚Und dann haben wir gemerkt, dass man außerhalb des Internets auch noch recherchieren kann.‘ Das macht vielleicht die Dimension der Herausforderung für den Umgang mit dem Gut Buch deutlich“, so Spaenle.

Der Preissegen geht weiter: Übermorgen wird im Literaturhaus der Verlag Volk mit dem mit 7500 Euro dotierten Bayerischen Kleinverlagspreis ausgezeichnet. Da wird sich der Blick wieder weg von globalen Überwachungsszenarien und dessen Analysen, weg von digitalen Plattformen und auch weg von den besten Büchern Deutschlands hin auf die besten Bayerns fokussieren. Verlagsgründer Michael Volk veröffentlicht seit 1997 ungewöhnliche Bücher, die ein originelles Bild Bayerns zeichnen. nb

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