
Zur heutigen Pressekonferenz mit Jaron Lanier, der am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wird, kam der Pionier des Internets, Erfinder, Autor und Musiker mit einer ziemlich großen, länglichen Tasche. Das Geheimnis wurde bald gelüftet.
Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins, begrüßte die Medienvertreter. Börsenvereinsvorsteher Heinrich Riethmüller nannte die Wahl der Jury des Stiftungsrats des Friedenspreises „mutig und überraschend“.
Jaron Lanier habe eine neue Sichtweise auf die digitale Welt entwickelt, abseits vom Schwarz-Weiß-Denken verweisen seine Bücher sowohl auf die Chancen als auch auf die Risiken neuer Technologien.
Lanier packt zum Erstaunen der Medienvertreter eine Khaen aus und erklärte, dass diese Mundorgel aus Laos stamme, wo sie seit vielen tausend Jahren gespielt werde. Dann bewies er seine Fähigkeiten als Musiker – er spielte bereits zusammen mit Philip Glass, Yoko Ono und Sean Lennon.
Ja, die Auszeichnung habe ihn überrascht, sagte Lanier. Er habe sich bei seinen Freunden über den Friedenspreis informiert; einige seien vielleicht sogar ein bisschen neidisch gewesen, scherzte Lanier.
Trotz seiner kritischen Haltung zur digitalen Welt sei er ein Optimist, denn ein Pessimist gebe auf. Er jedoch wolle die Dinge weiter voranbringen, auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen. Als das Internet in den 1990er Jahren entwickelt wurde, sah auch er darin eine große, phantastische Chance für die Menschen.
Doch seit der Jahrtausendwende setzt sich der Informatiker mit der zunehmenden Diskrepanz zwischen Mensch und Maschine, zwischen Wirklichkeit und Virtualität auseinander. Technologie müsse das Leben verbessern und die Kommunikation fördern, aber nicht ersetzen. Technologisches Wissen und Macht seien eine gefährliche Verbindung, die reich machen kann – aber nicht weise.
In seinen Büchern Gadget. Warum die Zukunft uns noch braucht, 2012 auf Deutsch beim Suhrkamp Verlag erschienen, und Wem gehört die Zukunft, 2014, Verlag Hoffmann und Campe, kritisiert er eine Entwicklung, die Nutzer des Internets in ihrer Freiheit, Persönlichkeit und Selbstbestimmung einschränke. Er setzt sich zudem für den Schutz des geistigen Eigentums ein.
JF