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Berlin: Ein Comic-Manifest soll dem Genre zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen

Im Rahmen eines Pressegesprächs wurde heute ein Manifest für die Comic-Kunst im Haus der Berliner Festspiele vorgestellt. Die Initiatoren fordern, „dass der Comic dieselbe Anerkennung erfährt wie die Literatur und bildende Kunst und entsprechend gefördert wird.“

Comics in Berlin (© Tim Dinter)

Das Manifest wurde auf Initiative des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) mit Comic-Künstlern, Verlegern und Lektoren der Berliner Comicszene formuliert. Zu den Erstunterzeichnern gehören unter anderem ATAK, Jim Avignon, Mawil, Ulli Lust, Henning Wagenbreth, Jutta Harms, Sebastian Wolter, Dirk Rehm, Nicola Stuart und Edmund Jacoby. Die Veröffentlichung des Manifests ist ebenso wie die Ausstellung „Comics in Berlin. Bilder einer Stadt“ und der Graphic Novel Day am 8. September Teil eines Projekts, welches das ilb mit dem Titel Neue Zeichen – Comics in Berlin initiiert hat. Das Projekt hat zum Ziel, dem Genre Comic in Berlin mehr Aufmerksamkeit zu verleihen und die internationale Vernetzung von Berliner Comic-Küntlern voranzutreiben. Zur Ausstellung erscheint der Katalog Comics in Berlin. Bilder einer Stadt, hg. von Mona Koch, Jens Meinrenken, Ulrich Schreiber im Verlag Vorwerk 8 (ISBN 978-3-940384-62-1) zum Preis von 9,80 Euro.

Das Comic-Manifest im Wortlaut:

Deutsche Comics werden im Feuilleton gefeiert, sie werden in zahlreiche Sprachen übersetzt und erhalten Preise und Auszeichnungen auf internationalen Festivals. Comic-Lesungen und Comic-Ausstellungen finden regen Zuspruch, zumal beim jüngeren Publikum, und immer häufiger sind Comics Gegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Es sind die Comiczeichner, die Comicverleger und andere Akteure, die dem deutschen Comic praktisch ohne Hilfe von außen dieses Ansehen verschafft haben. Während Film, Theater, Musik und andere Künste — zu Recht — öffentlich gefördert werden, konnten die Zeichner, Szenaristen und Verlagsmitarbeiter ihre beachtlichen Erfolge nur durch Selbstausbeutung erreichen. Es liegt auf der Hand, dass sie mit größeren Ressourcen ihre Potenziale wesentlich stärker entfalten könnten.

Der zeitgenössische Comic ist formal innovativ und inhaltlich anspruchsvoll. Sein Spektrum reicht vom Comicstrip zur Graphic Novel. Eindringliche Geschichten zu gesellschaftlich relevanten Themen prägen heute sein Bild in den Medien. Die stilistische Bandbreite und die fortwährende experimentelle Erneuerung des Comics stehen für die künstlerische Modernität eines Mediums, dessen vielfältige Möglichkeiten längst noch nicht ausgeschöpft sind.

Niemand bezweifelt heute, dass der Comic eine eigenständige Kunstform ist, der ein gleichberechtigter Platz neben Literatur, Theater, Film oder Oper zusteht. Es ist ein Skandal, dass dies noch immer nicht allgemeiner Konsens ist.

Wir fordern daher, dass der Comic dieselbe Anerkennung erfährt wie die Literatur und bildende Kunst und entsprechend gefördert wird. Der Comic ist — wie alle anderen Künste — auf staatliche und private Unterstützung angewiesen.

Die Zahl hervorragender Nachwuchszeichner, die meist an den staatlichen Kunsthochschulen ausgebildet worden sind, wächst stetig, doch es gibt keine Stipendien, die talentierten Zeichnern den Weg zu einer Existenz als Künstler ebnen könnten. Eine Graphic Novel, ein Comicalbum zu schaffen dauert oft länger als ein Jahr, und kaum ein Verlag kann es sich leisten, den Lebensunterhalt eines Künstlers für so lange Zeit zu finanzieren.

Wir fordern daher die finanzielle Förderung von Comicprojekten.

Und schließlich: Förderung bedarf der Koordination und der Diskussion ihrer Maßstäbe. Noch immer fehlt eine eigene Comicprofessur in Deutschland, noch immer fehlt eine Institution, die als zentrale Anlaufstelle und kommunikative Begegnungsstätte mit europäischer Ausstrahlung für alle Protagonisten des Mediums dienen kann.

Wir fordern daher die Schaffung eines deutschen Comicinstitutes, das Künstler zusammenführt, ihre Arbeit wissenschaftlich reflektiert und der kulturellen Bildung dient.
Comic ist Kunst.

Das muss jetzt auch die Kulturpolitik verstehen.

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