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Berlin: Autorenbuchhandlung und S. Fischer Verlag feierten Alfred Döblin

Zwei kurzweilige Stunden gestern Abend in Berlin. Trotz Schneetreibens platzte das Literaturcafé der Autorenbuchhandlung aus allen Nähten, als die Schauspielerin Dagmar Manzel, ausgezeichnet mit dem Deutschen Hörbuchpreis 2013, und ihr Kollege Robert Gallinowski (Foto) aus berühmten und doch noch zu entdeckenden Perlen aus dem Werk Alfred Döblins lasen.

Dagmar Manzel, Robert Gallinowski

Anlass für die Veranstaltung war die jetzt vom S. Fischer Verlag begonnene 25-bändige Werkausgabe von Alfred Döblin, der bereits von 1914 bis 1933 Autor des S. Fischer Verlags war. Seinen größten Erfolg feierte er mit seinem Roman Berlin Alexanderplatz, der erstmals 1929 erschien. Nun kann der ganze Döblin wiederentdeckt werden: Seit Januar 2013 liegen die Rechte wieder beim S. Fischer Verlag, der durch die Neuausgabe in der Reihe Fischer Klassik einen der vielseitigsten Autoren des 20. Jahrhunderts wieder einem breiteren Publikum näher bringen will, wie Sascha Michel, Lektor für Literatur, betonte.

Fünf Bände der Reihe, jeweils mit einem Nachwort von renommierten Literaturwissenschaftlern, liegen bereits vor: Berlin Alexanderplatz, Wadzeks Kampf mit der Dampfturbine, Die drei Sprünge des Wang-lun, Die Ermordung einer Butterblume und Schriften zu Ästhetik, Poetik und Literatur. Gefragt war gestern Abend auch das Alfred Döblin–Lesebuch, herausgegeben von Günter Grass, das mit dessen berühmter Rede Über meinen Lehrer Döblin beginnt.

Sascha Michel hatte das Programm des Abends, das autobiografische Texte fokussierte, kenntnisreich zusammengestellt. Die Auswahl, die mit Döblins Herkunft begann, zeigte die Vielgestaltigkeit des Gesamtwerks eines Mannes, der 1878 in Stettin geboren wurde, mit zehn Jahren nach Berlin kam, wo er später als Arzt arbeitete. 1933 floh Döblin in die Schweiz und über Frankreich nach Amerika. Nach Kriegsende gehörte er zu den ersten Intellektuellen, die nach Deutschland zurückkehrten.

Der Abend endete mit einem Brief Döblins an Theodor Heuss, in dem er schrieb „Ich kann nach den sieben Jahren, jetzt, wo ich mein Domizil in Deutschland wieder aufgebe, mir resumieren: es war ein lehrreicher Besuch, aber ich bin in diesem Lande, in dem ich und meine Eltern geboren sind, überflüssig.“ Man hätte Dagmar Manzel und Robert Gallinowski auch nach zwei Stunden noch länger zuhören können. Wer den Abend verpasst hat, die Bücher und Schriften Döblins sind auf jeden Fall ein Erlebnis.

Weitere Informationen zu Alfred Döblin und der Neuausgabe: www.alfreddoeblin.de

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