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C.H. Beck Druckerei: Peter Saßnink nimmt Stellung zum heutigen Streik in Nördlingen

Wie bereits berichtet findet heute ein Streikaktion der Beschäftigten in der Nördlinger Druckerei von C.H. Beck statt. Dazu hatte die Gewerkschaft ver.di aufgerufen [mehr…]. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, haben sich einige Streikende auch vor die Münchener Zentrale postiert. In Nördlingen wollen sie eine Kundgebung abhalten, die 24 Stunden dauert. Soeben nimmt nun auch die Geschäftsleitung Stellung zu diesem Vorgang.

Dazu schreibt Peter Saßnink, Kaufmännischer Leiter:

„Die deutsche Druckindustrie kämpft mit Überkapazitäten, einem verschärften Kostendruck und schwachen Renditen. Von den Auftraggebern wird ein enormer Preisdruck ausgeübt. Die Marktstruktur ist ein Käufermarkt. Dies führt zu einer negativen Umsatzentwicklung der gesamten Druckbranche seit einigen Jahren.

Der Kostendruck in der Druckindustrie hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Dies gilt nicht nur für Roh- und Hilfsstoffe sowie für Energiekosten, sondern insbesondere für die Personalaufwendungen. Diese schwierige Situation führte in der Druckbranche dazu, dass viele Druckereibetriebe gezwungen wurden, deutlich ihren Personalstand zu reduzieren.

Diese äußerst schwierigen Rahmenbedingungen haben zur Folge, dass die Druckbranche seit Jahren unter einer hohen Zahl von Insolvenzen leidet.

Das oben beschriebene Umfeld zwang auch die Druckerei C.H. Beck in Nördlingen sämtliche Kostensenkungspotentiale zu identifizieren und konsequent auszuschöpfen.

Im Mai 2011 ist die Druckerei C.H. Beck aus dem Flächentarif der Druckindustrie ausgetreten. Dieser Schritt wurde notwendig, da kaum einer der direkten Wettbewerber diese Tarifbestimmungen noch einhält und damit der Wettbewerb erheblich verzerrt wird. Um den gesunden Fortbestand des Unternehmens zu sichern und eine aussichtsreiche Perspektive für die Mitarbeiter und für die Kunden der Druckerei zu bieten, wurden mit den Mitarbeitern von diesem Tarifvertrag abweichende Arbeitsbedingungen vereinbart.

Durch eine Erhöhung und Flexibilisierung der Arbeitszeit sowie durch Kürzungen bei den zusätzlichen Jahresleistungen wurden den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bestimmte Einbußen zugemutet. Die Mitarbeiter werden dafür in eine gemeinsame Zukunft mitgenommen mit einem hohen Maß an Arbeitsplatzsicherheit. Darüber hinaus erhielten die Mitarbeiter durch jährliche Gehaltserhöhungen und durch die Möglichkeit, im Erfolgsfall am Ergebnis des Unternehmens zu partizipieren, eine gute und motivierende Perspektive.

Über 80 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten haben das Unternehmen auf diesem Weg unterstützt und entsprechende Ergänzungen zum Arbeitvertrag akzeptiert. Die bisher eingeleiteten Maßnahmen haben die Wettbewerbsfähigkeit der Druckerei deutlich verbessert und die Position der Druckerei am Markt gestärkt.

Unser Vorgehen hat die Position der Gewerkschaft ver.di in der Druckerei C.H. Beck geschwächt. Dies dürfte einer der wesentlichen Gründe sein, weshalb bereits seit geraumer Zeit von Gewerkschaftsseite aus versucht wird, dieses Projekt zu stoppen bzw. umzukehren und den alten Zustand wieder herzustellen. Es wird die Forderung erhoben, wieder zum Flächentarif zurückzukehren und darüber hinaus einen Vertrag zur Alterteilzeit abzuschließen. Ein solcher Schritt zurück schließt sich aus wirtschaftlichen Gründen jedoch für das Unternehmen aus.

Deshalb hat die Gewerkschaft ver.di die Belegschaft der Druckerei C.H. Beck in Nördlingen zu einem Warnstreik und zu einer Kundgebung in München vor der Unternehmenszentrale aufgerufen. Ein Alternativangebot der Unternehmensleitung, mit einer Delegation aus Mitgliedern der Belegschaft, des Betriebsrats und ver.di am Samstag 15. oder Montag 17. Dezember in München oder in Nördlingen Gespräche zu führen, wurde seitens ver.di abgelehnt.

Die Unternehmensleitung ist nicht bereit, sich durch diese Form des Protestes von dem als wirtschaftlich notwendig erkannten Weg abbringen zu lassen und damit die Zukunft der Druckerei C.H. Beck in Nördlingen zu gefährden. Das Unternehmen C.H. Beck oHG besteht seit 250 Jahren und die Unternehmensleitung wird alles daran setzen, den Geburtsort des Unternehmens – die Druckerei in Nördlingen – dauerhaft wirtschaftlich gesund zu erhalten.“

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