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Suhrkamp: Adolf Muschg schlägt Bundespräsidenten als Vermittler vor / Immer mehr Autoren gegen Hans Barlach

Der Suhrkamp-Streit nimmt neue Formen an: Jetzt melden sich die Autoren zu Wort. Im Deutschlandfunk hat Adolf Muschg vorgeschlagen, eine Persönlichkeit einzusetzen, die zwischen den Parteien vermitteln soll. Konkret brachte er den Namen des Bundespräsidenten Joachim Gauck ein.

„Es braucht so ein bisschen, wie in der antiken Tragödie, von der das ganze ja ohnehin gewisse Züge übernommen hat, es braucht einen Deus ex Machina. Das heißt, es braucht eine Instanz, die glaubwürdig und, ja, sagen wir es, mit hinlänglicher Autorität ausgestattet ist, um ein Schiedsgericht zwischen den Gesellschaftern herbeizuführen…“, sagte Muschg.

Und auf die Frage wer das sein könnte, sagte Muschg: „Ich sage jetzt etwas ganz Kühnes, aber ich finde, es wäre keine unpassende Rolle für den heutigen Bundespräsidenten.“ Denn: „Ich glaube, es gibt ein Potential für eine Lösung, das auch in der verschrienen Person von Herrn Barlach zu finden wäre.“

Inzwischen schließen immer mehr Schriftsteller laut Medienberichten aus, bei Suhrkamp zu bleiben, sollte Hans Barlach die Verlagsleitung übernehmen. So auch Bestseller-Autor Uwe Tellkamp. Er bezeichnet die Entwicklung gegenüber Focus als „bestürzend“. „In einem Verlag, dessen Betreiber sagt, dass man keine neuen Bücher zu machen braucht, sondern nur die Backlist ausquetschen solle, möchte ich nicht sein“, sagt er.

Auch Sibylle Lewitscharoff stellte sich im Gespräch mit der Süddeutschen öffentlich hinter Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz. Demnach nannte sie Barlachs Pläne einen „Albtraum“. „Sollte es zum Schlimmsten kommen, reiße ich sofort aus.“

Barlach hat inzwischen noch einmal betont, dass er die derzeitige Geschäftsleitung offenbar so zügig wie möglich loswerden will. So prüfe er laut einer Vorabmeldung des Focus „einstweilige Maßnahmen“, mit denen sich eine schnelle Ablösung erzwingen lasse.

Auch Peter Sloterdijk ist auf Distanz zu Barlach gegangen. So sagte er dem Focus: „Auf eine Einsicht oder den Rückzug Barlachs hoffe ich nicht mehr.“ Er sprach sich für einen neuen und kleineren Suhrkamp Verlag aus. Hans Magnus Enzensberger äußerte sich laut Die Zeit ähnlich: „Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann.“

Weiter nachdenklich gab sich Muschg, der nicht mehr bei Suhrkamp ist: „Also ich sehe die Fortsetzung der Prozesse selbst bereits für ein Todeszeichen des Verlags an, denn man kann ja sich ungefähr vorstellen, was das bedeutet. Es bedeutet, dass der Kredit ununterbrochen weiter geschädigt wird, dass der Diskurs auf dieser ökonomisch-monetären Ebene kein Ende nimmt, auch ohne Perspektive bleibt – die Autoren werden das nicht unbeschränkt mithalten. Es muss gewissermaßen eine neue Ebene gefunden werden, auf der das Problem sich auch neu verhandeln lässt“, so der Schriftsteller gegenüber dem Deutschlandfunk

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