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Guy Stern zum Ehrenmitglied der Gesellschaft für Exilforschung ernannt

Ursula Langkau-Alex, Guy Stern

Bis gestern war in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main die Ausstellung Fremd bin ich den Menschen dort [mehr…] zu sehen.

Bereits am Freitag Abend wurde im Rahmen einer Feierstunde der amerikanische Literaturwissenschaftler Professor Guy Stern mit der Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft für Exilforschung ausgezeichnet.

„Diese Veranstaltung ist ein besonderer Höhepunkt im Rahmen der Ausstellung“, begrüßte Dr. Elisabeth Niggemann, Generaldirektorin der Deutschen Nationalbibliothek, die Gäste im Saal. Besonders herzlich hieß sie den Ehrengast Guy Stern willkommen.

Vor der Feierstunde hatte sich Guy Stern im Deutschen Exilarchiv 1933 – 1945 umgesehen. „Ich war erstaunt über die Bücher, die da versammelt sind. Leider habe ich noch nicht alle gelesen. Aber ich bin ja noch jung und kann noch einiges nachholen“, verkündete der 90-Jährige humorvoll. Von der Exposition Fremd bin ich den Menschen dort zeigte er sich beeindruckt.

Erst vor reichlich einem Jahr hatte Guy Stern erfahren, dass er zu den 1000 Kindern gehörte, die von German Jewish Children’s Aid gerettet wurden. Er bekam eine 50 Seiten starke Akte in die Hände, die viele Details seiner Rettung enthielt. „Auf 50 Seiten stand mein ganzes Schicksal. Ich war beim Lesen aufgerieben und überwältigt“, berichtete er. Die German Jewish Children’s Aid bestand zum größten Teil aus engagierten jüdischen Frauen, die sich in den USA organisierten, um jüdische Kinder aus Nazi-Deutschland nach Amerika zu holen. Einerseits stieß die Organisation damals auf Kritik und Unverständnis, auch Antisemitismus. Andererseits erhielt sie Unterstützung, beispielsweise von Eleanor Roosevelt.

Guy Stern schilderte seine Auswanderung unter dem Titel Helfende Hände, nannte die Einreise in die USA einen „bürokratischen Hindernislauf, der über ein Jahr dauerte“. Seine Akte bezeichnete er als äußerst aufschlussreich: „Die Korrespondenz liest sich wie ein spannender Abenteuerroman.“

Der 1922 in Hildesheim geborene Günther Stern konnte 1937 in die USA emigrieren. Er studierte Romanistik, später Germanistik, meldete sich 1942 freiwillig zum Kriegsdienst und war einer der Richie Boys, einer Spezialeinheit des Militärnachrichtendienstes, die wenige Tage nach der Landung in der Normandie am 6. Juni 1944 deutsche Kriegsgefangene und Überläufer verhörte.

Dr. Ursula Langkau-Alex, Vorsitzende der Gesellschaft für Exilforschung, begann ihre Laudatio für Guy Stern mit den Worten: „Diese Ehrung kommt reichlich spät.“ Sie würdigte die Verdienste Guy Sterns für die Gesellschaft für Exilforschung und zitierte aus seinen Werken.

Guy Stern bedankte sich im Anschluss für die Auszeichnung. Er erwähnte auch, dass in Florida ein Institut für weltweite Exilforschung errichtet werde, denn Exil betreffe nicht nur die Jahre 1933 – 1945 und nicht nur Deutschland.

JF

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