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Hommage an Burgel Zeeh

Burgel Zeeh und Uwe Johnson

Im unteren und im oberen Foyer der Deutschen Nationalbibliothek Frankfurt am Main wurden heute Vitrinen voller Preziosen aufgestellt. Handsignierte Bücher, die mehr als nur die Unterschrift der Autoren zeigen, Briefe, Postkarten, Telegramme, Zeichnungen. All diese ihr zugeeigneten Dinge hat Burgel Zeeh (1937-2009) aufbewahrt.

Der Titel der Ausstellung Für Burgel Zeeh, das Glück des Hauses trifft den Kern. Die von 1967 bis 2002 im Suhrkamp Verlag Angestellte war weit mehr als die Sekretärin des Verlegers Siegfried Unseld. Vorher hatte Burgel Zeeh bereits zehn Jahre für den Luchterhand Verlag gearbeitet, war längst keine Unbekannte mehr in der Branche.

Die Idee zur Ausstellung hatte Burgels Mann Werner Zeeh vor etwa einem Jahr. Er wandte sich an Wolfgang Schopf, der das Literaturarchiv der Goethe-Universität Frankfurt betreut. „Als Burgel mit 65 Jahren aus dem Suhrkamp Verlag ausschied, hielt sie weiter Kontakt zu den Autoren“, erzählt Werner Zeeh. Er weist auf den ersten Arbeitsvertrag mit dem Suhrkamp Verlag hin. Siegfried Unseld habe die Vereinbarung an einem Sonntag auf der Schreibmaschine getippt. Sie enthielt den Vermerk, dass sich beide ein Jahr nicht kündigten. Das klinge in heutiger Zeit sehr seltsam.

Burgel Zeehs erster Brief war an Theodor W. Adorno gerichtet, weiß Wolfgang Schopf. Tausende Schreiben folgten an Autoren von Ilse Aichinger bis Gerald Zschorsch, die Exposition erzählt auch Verlagsgeschichte. „Aus der Geschäftspost sind Liebesbriefe geworden“, urteilt Wolfgang Schopf. Mit ihrer Art hat Burgel Zeeh das Haus mit geprägt. „Als könne man leichter atmen, wenn sie den Raum betrat. Ihre Heiterkeit, ihr Charme, ihr Humor und Wohlwollen schufen eine lebensfrohe Atmosphäre“, sagte Katharina Mommsen beim Abschied von Burgel Zeeh am 23. März 2009 auf dem Frankfurter Hauptfriedhof.

Eines der vier großen Banner, die im oberen Foyer an den Fenstern hängen, zeigt Burgel Zeeh im Kreis von Suhrkamp-Autoren vor dem Verlagshaus. Auf einem weiteren ist das Telefon von Uwe Johnson abgebildet, daneben hängen wichtige Visitenkarten, an oberster Stelle die Telefonnummer von Burgel Zeeh.

Wolfgang Schopf hat zu allen Autoren bzw. ihren Erben in Vorbereitung der Exposition Kontakt aufgenommen. Keiner hatte etwas dagegen, Joachim Unseld gab die Fotorechte frei.

Die Ausstellung, die morgen Abend feierlich eröffnet wird – übrigens mit Vertretern des Suhrkamp Verlags in der ersten Reihe, ist bis zum 20. Oktober zu sehen.

Anschließend gehen die Exponate an das Literaturarchiv der Goethe-Universität.

JF

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