
Im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) hat man ein feines meteorologisches Gespür: Bei strahlendem Sonnenschein und mediterranen Temperaturen lockte das traditionelle Sommerfest gestern wieder Hunderte von Literaturfreunden und Kulturschaffenden in die Villa am Wannsee.
In diesem Jahr richtete nicht wie in den Vorjahren ein einzelner Verlag das Fest aus, vielmehr präsentierten sich viele Schweizer Verlage. Dirk Vaihinger, Nagel & Kimche Verleger und Vizepräsident des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands SBVV freute sich bei der Eröffnung des Festes über die Gelegenheit, die Verlagslandschaft des Landes einem breiten Publikum vorzustellen. Für die Deutschweiz sei Deutschland das wichtigste Partnerland und die wichtigste Großstadt des Schweizers sei Berlin. „Wirklich fast alle unserer Autoren kommen über kurz oder lang und für kürzer oder länger hierher, um Lebenserfahrung zu sammeln“ sagte Vaihinger und riet den Gästen den Stand von Schleichers Buchhandlung in der Villa zu besuchen und ihr Erspartes in Büchern aus Schweizer Verlagen anzulegen. Da müsse man auch keine Entlarvung durch den Ankauf einer CD mit Bankdaten befürchten.
Der eine oder andere hatte sich auf eine Begrüßung in Schweizerdeutsch gefreut, aber Vaihinger redete feinstes Hochdeutsch. „Wir können alles, auch Hochdeutsch“, wandelte er einen baden-württembergischen Werbespruch ab. Überhaupt gab es keine Sprachprobleme. Und wer doch über den einen oder anderen Ausdruck stolperte, konnte in DIALEKTisch nachschlagen. Das Büchlein aus dem Dörlemann Verlag erklart die Schweizer Mundart von „Aahäuel“ bis „Zwääg“.
Gelesen wurde im Wechsel auf der Terrasse und an der Rotunde am Ufer des Wannsees. Da wanderte ein Autor wie Michail Schischkin Auf den Spuren von Byron und Tolstoi (Rotpunktverlag), Philipp Tingler klärte mit Leichter reisen (Kein & Aber) die wichtigsten Etikettefragen für jede Reise und Florian Werner erkundete, was Schüchtern ist und Silvio Huonder stellte seinen Kriminalroman Die Dunkelheit in den Bergen vor (beide Nagel & Kimche). Auch Übersetzerin Miriam Mandelkow zog das Publikum von Anfang an in ihren Bann. Sie las aus Martha Gellhorns Briefen an ihren Mann Ernest Hemingway (Dörlemann). Mit Autoren vertreten waren außerdem die Verlage Limmat, Xanthippe, Salis, diaphanes und Wörterseh.
Das Programm für die jungen Besucher bestritt der NordSüd Verlag. Da erzählte Marcus Pfister vom Regenbogenfisch und Autorin Cally Stronk las und bastelte mit den Kindern. Sie hatte Bertie Bär packt seine Koffer mitgebracht.
Das Publikum lobte die angenehm entspannte Atmosphäre. Es gab Wein und Bier und natürlich Schweizer Spezialitäten wie Käs’Spätzle, Züricher Geschnetzeltes und Rösti. Und als die Sonne filmreif hinterm Wannsee untergegangen war, wurde in der Villa bis in die Nacht getanzt. Als DJs glänzten die Autoren Florian Werner (Nagel & Kimche) und Konstantin Richter (Kein & Aber).
ML