Als „Gattung Kluge“ bezeichnete Jan Philip Reemtsma die literarischen Texte, die Alexander Kluge kreiert hat, und fügte hinzu: „Sein Werk ist Literatur, aber eine Literatur, die sich nicht der Unterscheidung von Fiktion und Tatsache fügt.“ Als Dozent der Frankfurter Stiftungsgastdozentur für Poetik wird Kluge ab 5. Juni über die „Theorie der Erzählung“ sprechen.
An vier aufeinander folgenden Dienstagen hält er jeweils um 18.15 Uhr im Hörsaal HZ 2 des Hörsaalzentrums auf dem Campus Westend der Goethe-Universität seine Poetikvorlesung.
Kluge wird vor Studierenden, Wissenschaftlern und interessierten Bürgern, bei denen sich die Poetik-Vorlesungen seit Jahren besonderer Beliebtheit erfreuen, seine Perspektive auf das zeitgenössische literarische Schreiben darlegen. „Das Rumoren der verschluckten Welt. Die Lebensläufe und das Wirkliche“ ist der Titel seiner ersten Vorlesung am 5. Juni. Dazu Kluge: „Unsere Lebensläufe sind die Häuser, aus deren Fenstern wir Menschen die Welt deuten.“
Seine Erzählprojekte kreisen häufig um Lebensläufe, so auch die jüngste Publikation „Das fünfte Buch. Neue Lebensläufe. 402 Geschichten“ (Suhrkamp), die Geschichten des 20. und 21. Jahrhunderts gleichsam bergen und verdichten. Seit 2000 bringt Kluge, promovierter Jurist, der sich als Schriftsteller und Filmemacher, Philosoph, Kunst- und Medientheoretiker sowie Hochschullehrer einen Namen machte, verstärkt wieder Bücher heraus: Neben größeren literarischen Werken wie „Chronik der Gefühle“ (2000), „Die Lücke, die der Teufel läßt“ (2003) oder „Das Bohren harter Bretter“ (2011) ist auch eine Reihe kleinerer Prosasammlungen entstanden.