Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Rakuten Deutschland-Geschäftsführerin Beate Rank.
Beate Rank ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Internet-Marktplatzes Rakuten Deutschland GmbH, früher Tradoria, in Bamberg. Tradoria wurde zum Ende 2011 von Rakuten, dem in Asien führenden E-Commerce-Unternehmen, übernommen und im Januar 2012 in Rakuten Deutschland umbenannt.
Beate Rank: Was bedeutet Rakuten?

©Rakuten-Deutschland GmbH
Beate Rank: Für uns ist die Bedeutung des Namens nicht so wichtig wie das, wofür Rakuten steht. Wir sehen uns als Dienstleister unserer Händler, denen wir helfen, erfolgreich zu sein, um selbst Erfolg zu haben. Unser Stil ist kooperativ, nicht diktatorisch. Das unterscheidet uns deutlich von anderen Marktplätzen. Wir nennen das „Empowerment“.
Nachdem die Wettbewerber von Amazon – bis auf den Digitalhändler Apple – einer nach dem anderen zurückfallen, soll jetzt Rakuten die monokulturelle Verödung des E-Commerce stoppen – mit welchem Konzept?
Beate Rank: Unsere globale Strategie ist, den Kunden die Freude am Shoppen zu vermitteln, indem wir die Händler in den Vordergrund stellen. Der Händler kennt seine Produkte und die Kunden, am besten, kann daher umfassend beraten und spielt dementsprechend die Hauptrolle.
ebay schreibt wieder ausgezeichnete Zahlen – erleben wir eine Renaissance der Internet-Marktplätze?
Beate Rank: Ich denke, dass es für den stationären Handel schwieriger geworden ist, unter den Marktführern zu bestehen. Auch der traditionelle Buchhandel sucht nach neuen Vertriebswegen, um das, was er an die großen Anbieter im E-Commerce verloren hat, zu kompensieren. Das kann eine eigene Web-Präsenz sein, aber auch eine Kooperation wie zum Beispiel mit einem webgestützten Marktplatz. Ein Marktplatz mit einem guten Brand und einem guten Standing bietet Vorteile, die der Handel nutzen möchte.
Sie sagen selbst, mit 10 Mio. Artikeln sei Rakuten Deutschland eigentlich noch zu klein. Die Zahl der angebotenen Bücher liegt bei Rakuten im Bereich einiger zehntausend Artikel. Kann der Buchhandel mit seinen hohen Artikelzahlen – sei es im Neubuch, sei es im Gebrauchtbuch – aushelfen?
Beate Rank: Zur Zeit integrieren wir monatlich etwa 300 neue Händler und wachsen dadurch auch von den Artikelzahlen her sehr dynamisch, ob wir nun im Buchbereich ein Vollsortiment haben oder nicht. Das Geschäft mit Bestsellern ist für uns ein Zusatzgeschäft, der Long Tail macht uns aber ausgesprochen Spaß, da wir in der Verknüpfung der Sortimente das technische Potenzial unserer Plattform ausspielen können – etwa dann, wenn ein Kunde, der Tierfutter sucht, zusätzlich ein passendes Katzenbuch in den Warenkorb legt.
Welchen Anteil haben Bücher und andere Medienprodukte an dem Umsatz, den Sie generieren? Ihre Buch-Homepage zeigt nicht unbedingt den Anblick, den ein Buchkäufer erwarten würde…
Beate Rank: Im Moment ist der Buchanteil bei uns tatsächlich noch sehr gering. Unsere Top-Segmente sind Möbel, Wohnen & Lifestyle, Baby & Kind, Spiele & Spielzeug und Beauty & Wellness.
Wie groß ist das Interesse des Buchhandels an Marktplatz-Modellen wie Rakuten?
Beate Rank: Aktuell ist das Interesse sehr groß, was sicherlich mit den erwähnten Überlegungen des Buchhandels zur Kompensation von Umsatzverlusten aus dem Vorjahr zu tun hat.
Was kann Rakuten Buchhändlern bieten, das Amazon oder ebay nicht bieten können?
Beate Rank: Unsere Besonderheit ist es, dass jeder unserer Partner unter seiner eigenen Domain Handel treiben und dabei unsere Technik – zum Beispiel den Katalog und den Bestell-Prozess – nutzen kann. Von den Provisionen her sind wir mit durchschnittlich 5,5 % sehr günstig. Nicht zuletzt ziehen wir ein breiter interessiertes Kundensegment an, das eigentlich nicht warengruppenorientiert sucht. Diese Kunden haben im Schnitt die vollsten Warenkörbe.
Was sind die wichtigen Erfolgsfaktoren für jemanden, der auf Ihrer Plattform Handel treibt?
Beate Rank: Die Kenntnisse der Produkte und der Kundenservice. Es ist nicht anders als im stationären Einzelhandel. Wer für das Produkt keine Leidenschaft hat und seine Kunden nicht kennt, kann nicht erfolgreich verkaufen. Dazu sollte er ein Gefühl dafür haben, seine Produkte in einem ansprechenden Umfeld anzubieten.
Rakuten hat vor drei Monaten den kanadischen E-Book-Anbieter kobo übernommen, der sehr smart das Image des freundlichen Knuddelbären unter den E-Book-Shops pflegt. Für den niedergelassenen Buchhandel ist das keine gute Nachricht…
Beate Rank: Ist es das nicht?
Die E-Book-Umsätze laufen am niedergelassenen Buchhandel größtenteils vorbei…
Beate Rank: Wer sich den Markt ansieht, erkennt, dass das E-Book ein Zukunftsmarkt ist, dem sich kein großer Player verschließen darf – auch Rakuten nicht. Ob und wie sich diese Akquisition auf Rakuten Deutschland und auf die anderen Handelsteilnehmer auswirkt, ist noch nicht entschieden und überhaupt nicht absehbar. Ich würde nicht a priori unterstellen, dass das Angebot von E-Books andere Sortimente behindert oder auch fördert. Es ist aber in jedem Fall in unserem Interesse, jeden Handelsteilnehmer gemäß unserer Philosophie optimal zu unterstützen und sein Potenzial zu realisieren.

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.







