
Peter Fritz wird heute 60 Jahre alt. Dem Literaturagenten gratuliert unser langjähriger Chefreporter Gerhard Beckmann:
Ich glaube, Peter Fritz und seine Arbeit als literarischer Agent kann man nur verstehen, wenn man bedenkt, dass er Buchhändler gelernt hat und dass sein Vater, Paul, zunächst und in erster Linie Buchhändler gewesen ist: ein bedeutender, engagierter Buchhändler, Erster Sortimenter bei Staeheli an der Bahnhofsstraße in Zürich, bei dem Siegfried Unseld in den späten 1950er und frühen 60er Jahren höchstselbst das jeweils neue Suhrkamp-Programm vorstellte.
Die Liebe zum Buch hat der Sohn gewissermaßen vom Vater geerbt. Ich habe Mitte der 70er Jahre in Deutschland keinen jungen Mann gekannt, der in der zeitgenössischen Literatur so belesen war und mit dem ein Gespräch über Autoren und Bücher so interessant war wie mit Peter Fritz. Es wurde zu einem Fundament unserer anhaltenden Freundschaft.
Auf den Vater ist dann Erich Linder aufmerksam geworden, Eigentümer der Mailänder Agencia Letteraria, der ältesten und größten kontinentaleuropäischen Literarischen Agentur. Er hat Paul 1962 mit der Leitung seiner Züricher Dependance betraut und sie ihm kurz vor seinem Tode 1983 auch anvertraut. In diese Agentur ist Peter eingetreten, der das Geschäft mit dem Rechte- und Lizenzhandel in Amerika bei William Morrow lernte. (Als Sohn einer wunderbaren englischen Mutter, Pamela, ist er natürlich zweisprachig aufgewachsen sowie auch in den angelsächsischen Literaturen zuhause.) Als Paul Ende der 80er Jahre nach langer schwerer Krankheit starb, hat Peter die Agentur übernommen und in ihrer heutigen Größe aufgebaut. In der deutschsprachigen Verlegerei waren Literaturagenten damals weithin gar nicht beliebt. (Die Freundschaft zwischen den Fritzens und den Unselds ist daran zerbrochen.) Peter hat den Arbeitsstil seines Vaters übernommen: hart aber fair. Dabei haben viele dem Junior lange so manches nicht verziehen, was sie dem Senior nachsahen. Doch beide setzten fort, was Erich Linder begründete: ein Verständnis von Agenturarbeit, die, weil sie nachhaltig für die Interessen der Autoren kämpfte, auch die Interessen der Verlage berücksichtigte.
Ja; Peter Fritz ist, was ihm auch vorgeworfen wurde, durchaus Geschäftsmann: der offenste, geradlinigste, umsichtigste Geschäftsmann unter den Agenten, die ich kenne. Ja, es kann vorkommen, dass er unnachgiebig scheint, doch habe ich ihn stets sachlich erlebt, weil er zu argumentieren versteht. Er hat, was ich bei einem Agenten für sehr notwendig halte, einen hohen juristischen Verstand. Er hört das Gras wachsen, wenn’s noch kaum gesät ist. Und er denkt weit über den eigenen Tellerrand hinaus, weil ihm das Wohl und Wehe unserer ganzen Branche am Herzen liegt. (Wie oft ist er nicht schon Anlaufstelle und „Sortimenter“ von Problemen und Streitigkeiten aller Art gewesen!)
Eine seiner großen Leidenschaften ist, wie eingangs gesagt, das Lesen. Eine zweite gilt seinem Garten (ich bin sicher, er wird an Jakob Augsteins gescheitem Buch „Die Tage des Gärtners. Vom Glück im Freien zu sein“, das im Februar bei Hanser kommt, nicht nur große Freude haben, sondern sich an vielen Stellen wiedererkennen und bestätigt fühlen. Denn ich glaube, er hat sein Leben so weise eingerichtet wie seinen Garten). Er liebt seine wunderbare Frau Lucienne und die drei Kinder. Er liebt das Leben. Er beweist seit jungen Jahren ein Verantwortungsbewusstsein, die ich immer wieder bewundere – vorab in der Familie, unter Freunden.
Peter Fritz, zum 60. Geburtstag, er lebe hoch!
Kontakt: psf@fritzagency.com
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