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Heinold fragte im Dezember nach Piper, München

Hier die komplette Lösung des Rätsels [mehr…]: Reinhard Piper (1879-1953) erlernte den Buchhandel in der Palmschen Hofbuchhandlung in München und war anschließend als Buchhandlungsgehilfe in den Buchhandlungen W. Weber Berlin und Köhler Dresden tätig.

Am 19. Mai 1904 gründete er – mit geliehenem Kapital und dem nur ein Jahr älteren Verleger Georg Müller als Teilhaber – in München den Verlag R. Piper & Co. Seinen Weg als Verleger hat er in den Erinnerungsbänden Vormittag (1947) und Nachmittag (1950) ausführlich geschildert (Neuausgabe in einem Band unter dem Titel Mein Leben als Verleger 1964).

Der Verlag wurde vor dem Ersten Weltkrieg u.a. durch die Herausgabe des ursprünglich als Almanach gedachten Manifestes Der Blaue Reiter von Wassily Kandinsky und Franz Marc (1912), eine groß angelegte Schopenhauer-Ausgabe, die Reden Buddhas in der Übertragung von Karl Eugen Neumann und eine Gesamtausgabe von Dostojewski in der Übersetzung von E.K. Rahsin bekannt. Die ersten Titel zur Musik waren Monografien zu Gustav Mahler und Arnold Schönberg.

Der Teilhaber, der als Jude Deutschland während des „Dritten Reiches“ verlassen musste, war Robert Freund. Das Verlagsgebäude, das der Verlag veräußerte, um ihn auszahlen zu können, stand in der Römerstraße 1. Der Umzug erfolgte in die Georgenstraße 4, wo der Verlag noch heute seinen Sitz hat. Der Autor, den Robert Freund in den Verlag gebracht hatte und der in der Hitlerzeit reüssierte, war Bruno Brehm (1892–1974), ein bekennender Antisemit.

Reinhard Pipers Sohn Klaus (1911–2000) trat 1932 in den Verlag als Mitarbeiter ein. Er wurde 1941 Teilhaben und 1953 Alleingeschäftsführer und persönlich haftender Gesellschafter. Die Programmbereiche Biografie, Geschichte, Politik, Theologie und Naturwissenschaften gehen auf ihn zurück, ebenso der Bereich Italienische Literatur.

Der Piper Verlag gehörte zu den Gründern des Deutschen Taschenbuch Verlags, der seinen Sitz in der benachbarten Friedrichstraße nahm. Sein eigenes 1970 als „Serie Piper“ gestartetes Softcoverprogramm wurde 1983 zu einer regulären Taschenbuchreihe erweitert, was zum Ausscheiden von Piper aus dem Kreis der dtv-Gesellschafter führte. Heutiger Marktauftritt als „Piper Taschenbuch“.

Der promovierte Historiker Ernst Reinhard Piper (geboren 1952), ein Enkel des Gründers, trat 1982 in den Verlag ein und wurde 1984 geschäftsführender Gesellschafter. Nach seinem Ausscheiden beim Verkauf des Verlags an die schwedische Bonnier-Gruppe war er von 1997 bis 2000 geschäftsführender Gesellschafter der Prospero-Presse und von 1998 bis 2003 des Pendo Verlags. Heute ist er geschäftsführender Gesellschafter der Literarischen Agentur Piper & Poppenhusen GbR, Privatdozent für Neuere Geschichte an der Universität Potsdam sowie Sachbuchautor und Journalist.

Unter der Regie von Bonnier wurden der Malik Verlag, der Kabel Verlag, der Pendo/Fahrenheit Verlag und zwei Reihen ais dem Verlag Frederking & Thaler erworben und eine Kooperation mit dem Frankfurter Westend Verlag eingegangen. Hape Kerkelings Jakobsweg-Buch Ich bin dann mal weg wurde unter dem Imprint Malik zu einem der größten Erfolge der Piperschen Verlagsgeschichte.

Die Historie des Verlages ist gut dokumentiert. Außer den oben erwähnten Erinnerungen von Reinhard Piper und drei Bänden seines Briefwechsels mit Autoren und Künstlern liegen vor:

Albrecht Knaus: Die Fruchtschale. Sonderdruck zum 50. Geburtstag des Verlages. München: Piper 1954
75 Jahre Piper. Ausstellungskatalog. München: Piper 1980
Für Klaus Piper zum 70. Geburtstag. München: Piper 1981
Klaus Piper: Schriften und Briefe. München: Piper 1991
Ernst Piper/Bettina Raab: 90 Jahre Piper. München: Piper 1994
Klaus Piper: Lesen heißt doppelt leben. München: Piper 2000
Edda Ziegler: 100 Jahre Piper. München: Piper 2004

Verlagsalmanache erschienen in den Jahren 1913, 1923, 1929, 1935, 1939, 1954, 1964, 1974, 1979 und 1984. Verlagsbibliographien erschienen im Almanach 1979 sowie als selbstständige Veröffentlichung 1990.

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