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Rainer Dresen zu den Auseinandersetzungen um die Hannelore Kohl-Biographie

Zur Zeit vergeht kaum eine Woche ohne eine Meldung über sich offenbar immer mehr ausweitende Streitigkeiten der Kohl-Söhne mit dem Heyne-Biographen Heribert Schwan [mehr…]. Wir befragten dazu Heyne-Justitiar Rainer Dresen.

BuchMarkt: Nach der SZ von vorletzter Woche und dem SPIEGEL von dieser Woche beschäftigt sich nun wieder die SZ mit dem Thema und meldet einen Erfolg der Kohls vor dem Landgericht Hamburg. Blicken Sie eigentlich noch durch, worum es gerade geht und wer gerade was von wem will?

Rainer Dresen

Rainer Dresen: Ich muss gestehen, dass es auch mir langsam schwer fällt, den Überblick zu behalten. Wenn ich es richtig zusammenbringe, gibt es mittlerweile nicht weniger als fünf Komplexe, von denen der wohl belangloseste soeben einer vorläufigen Regelung durch die Justiz nähergekommen ist.

Welcher ist das?
Es geht um Aussagen von Schwan in einem ohne die darauffolgende Klage der Kohls vermutlich längst vergessenen Online-Interview. Nur darin äußerte er sich zu einer angeblichen Mitschuld der Söhne am Tod der Mutter und über einen angeblich bereits 1993 erfolgten Selbstmordversuch Hannelore Kohls in einer Art, die vom Landgericht Hamburg offenbar als Tatsachenbehauptung eingestuft wurde. Nur in dieser Form, so verstehe ich die von der Kohl-Seite nun unverhältnismäßig prominent in die Welt posaunte Entscheidung des Gerichts, darf er sich nicht wieder äußern. Sich über Mitschuld und ersten Selbstmordversuch wertend äußern darf er sich nach meiner Auslegung der Gerichtsentscheidung weiter. Ob er das aber je wieder macht, ist völlig offen. Zu dem Thema ist meines Erachtens längst alles gesagt. Im Buch, und nur das interessiert mich als Verlagsjustitiar wirklich, hat sich der Autor sehr abwägend zu den genannten Sachverhalten geäußert, weshalb gegen das Buch ja auch nicht rechtlich vorgegangen wurde. Es ist und bleibt lieferbar.

Was gibt es denn noch für Streitfälle? Man liest immer wieder von angeblichen Plagiatsvorwürfen, die sich gegen Autor und Verlag richten.
Auch dazu ist von Verlagssicht eigentlich alles gesagt: Wir halten die angeblichen Übernahmen Schwans aus einem alten Hannelore Kohl-Buch, das Sohn Peter mit einer Co-Autorin bei Droemer geschrieben hat, für eigenformulierte und daher rechtlich zulässige Übernahmen von gemeinfreien, jedermann zugänglichen biographisch-historischen Informationen und Fakten. Die Kohls kündigen ja seit Monaten an, dass sie gegen Schwan und Heyne Klage erheben wollen. Irgendwann werden sie es dann wohl auch mal umsetzen müssen. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass ihr Anwalt dieser Tage mächtig unter Druck steht, den Kohls endlich zu einer weiteren Schlagzeile zu verhelfen, die so lauten könnte: „Kohls erheben Plagiatsklage gegen Autor Schwan und Heyne-Verlag“.

Zittern Sie schon?
Es geht so. Yogis zittern bekanntlich nicht, die atmen alles weg. Und um einen gewichtigen ehemaligen Staatsmann zu zitieren „Wichtig ist, was hinten rauskommt.“ Soll bedeuten: Plagiatsvorwürfe zu erheben ist nicht schwer. Derartige Anschuldigungen zu begründen aber sehr. Das erfordert mehr als die tabellarische Gegenüberstellung von ähnlich klingenden Buchinhalten durch den Nicht-Juristen Peter Kohl. Insofern bin ich neugierig, was von all den Vorwürfen noch übrig bleiben wird, wenn ihr Anwalt, immerhin auch ein renommierter Urheberrechtler, sie in eine Klageschrift umzusetzen versucht hat.

Was gibt es sonst noch für juristische „Baustellen“?

Es geht um wechselseitige Strafanzeigen, es geht um möglicherweise unzulässige, jedenfalls aber unvorsichtige Aussagen der Kohl-Söhne im SZ-Interview. Dem Vernehmen nach sind diverse Staatsanwaltschaften und Gerichte befasst. Um Ihr Bild aufzugreifen handelt es sich wohl mittlerweile eher um eine Großbaustelle, auf der von vielen Seiten und auf vielen Ebenen gebohrt, gehämmert und auch mal gesprengt wird. Wir vom Verlag stehen da auch nur noch staunend am Bauzaun. Wie lange das jetzt so weitergehen soll, das werden sich die Kontrahenten vielleicht auch einmal fragen. Ich jedenfalls überlege schon länger ernsthaft, ob und wie man die Beteiligten, von denen ich mit Heribert Schwan und Walter Kohl immerhin gleich zwei persönlich kennen und schätzen gelernt habe, wieder einer Versöhnung näher bringen könnte.

Vielleicht schreiben Sie einfach mal an alle eine Weihnachtskarte und legen ein Buchgeschenk bei …
 
Keine schlechte Idee. Ich glaube, wir haben dazu im btb-Verlag auch einen passenden Titel. Ich denke gerade an den jüngst mit dem Isländischen Literaturpreis ausgezeichneten Roman von Einar Karason, „Versöhnung und Groll“. Er spielt Mitte des 13. Jahrhunderts, in einer der kriegerischsten Zeiten, die das Land je erlebt hat. Brutale Gewalt und zerstörerische Machtkämpfe bestimmen das Bild, zwei verfeindete Familienclans stehen sich unversöhnlich gegenüber. Da reicht einer der vormaligen Kriegstreiber dem verfeindeten Clan die Hand zum Frieden.

Halleluja. In diesem Sinne wünschen wir allen Beteiligten Frohe Weihnachten!

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