
Foto: Thomas Range
Am 14. November um 15 Uhr ist der Schriftsteller und Liedermacher Franz Josef Degenhardt wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag am 3. Dezember im Kreis seiner Familie gestorben. Degenhardt, der seit längerem erkrankt war, schlief nach Angaben seines Sohnes Kai friedlich ein.
Familie, Freunde und Kollegen hatten sich intensiv auf Degenhardts bevorstehenden 80. Geburtstag vorbereitet. Der Verlag Kulturmaschinen legt sein literarisches Gesamtwerk neu auf (weitere Informationen dazu im aktuellen BuchMarkt-Heft, S. 8), bei Universal ist eine 4-CD-Werkschau in Arbeit, und für den 19. Dezember planen Liedermacher-Kollegen ein großes Geburtstagskonzert im Berliner Ensemble – welches nun zum Abschiedskonzert wird.
Konstantin Wecker schreibt dem Verlag zum Tode Degenhardts: „Aus meiner Sicht war Franz Josef Degenhardt nicht nur der Altmeister des politischen Liedes und ein wunderbarer Schriftsteller: ich halte ihn für einen der bedeutendsten Poeten der deutschen Nachkriegsgeschichte.“
Der Verlag veröffentlichte folgenden Nachruf:
Seit 1963 seine erste Schallplatte „Zwischen Null Uhr Null und Mitternacht“, die später „Rumpelstilzchen“ heißt, erschien, gehörte Franz Josef Degenhardt zu den prägenden Lyrikern und Liedermachern der Bundesrepublik. „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“ wurde sein bekanntestes Lied. Der „Deutsche Sonntag“ spiegelte die ganze schreckliche Gemütlichkeit deutscher Kleinstädte.
Zweiunddreißig Tonträger hat Franz Josef Degenhardt herausgebracht. Und keines seiner Lieder büßte Aktualität ein. Sein großes dichterisches Können, die Bilder, die er uns schrieb, seine tiefe persönliche und glaubhafte Verwurzelung im Kampf und Freiheit und gegen die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, machen aus seinem lyrisch-musikalischem Werk ein Werk von dauerhaftem Bestand.
Seine Romane, von denen „Zündschnüre“ und „Brandstellen“ mit großem Publikumserfolg verfilmt wurden, zeigen uns den hochbegabten Literaten Degenhardt. Mit seinen exakten Mileuschilderungen, mit dem Verzicht, sich auf die Innenbilder bürgerlicher Literatur zu kaprizieren, schaffen seine Bücher es, den Leser in die Lebenswirklichkeit der literarischen Landschaften zu ziehen, die der Schriftsteller Franz Josef Degenhardt geschaffen hat.
Franz Josef Degenhardt wurde am 3. Dezember 1931 in Schwelm geboren. Er studierte in Köln und Freiburg Rechtswissenschaften. Ende der sechziger Jahre verteidigte Degenhardt Sozialdemokraten und Kommunisten, die wegen Aktionen der APO (Außerparlamentarische Opposition) angeklagt waren. In die SPD war Degenhardt 1961 eingetreten. Er wurde 1971 aus der SPD ausgeschlossen, weil er in Schleswig-Holstein zur Wahl er DKP aufgerufen hatte. 1978 trat er der DKP bei.
Franz Josef Degenhardt starb am 14. November 2011 um 15 Uhr im Kreise seiner Familie in Schleswig-Holstein.
Wir trauern mit seiner Familie und seinen vielen Freunden um ihn.
Wir sind stolz darauf, von ihm ausgewählt worden zu sein, sein belletristisches und lyrisches Werk zu bewahren.
Verlagsleitung und Mitarbeiter des Kulturmaschinen Verlages