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Etta Nolte

Etta Nolte
(c) Regine Mosimann

Etta Nolte, langjährige Anzeigenleiterin des Börsenblattes, geboren am 10.1.1941, ist am 9.11. völlig unerwartet gestorben, im Alter von nur 70 Jahren. Sie war die Seele des Börsenblattes; ihre „Kabinengespräche“ mit ihren Kunden (die zu Freunden wurden), während der Messe waren legendär.

Dass sie (von Mai 1976 bis Mitte 2001 beim Börsenblatt) plötzlich (zu plötzlich) zum „alten Eisen“ zählen sollte, das hat sie nie so recht verwunden. Und schon gar nicht, dass es angesichts der damals von vielen ebenso nicht verstandenen Umstrukturierung „ihres“ Blattes zum Streit mit ihrem alten Arbeitgeber kommen musste – ein Prozess übrigens, den sie gewonnen hat.
Die Namen ihrer regelmäßigen Kabinenbesucher sind Legion; lesen sich wie ein kleines „Who is Who“ der Branche; in dieser Runde wurden bei Lachsschnitten „von Herté“ und Apfelwein nicht nur alle Branchenprobleme gelöst – in ihrer Zeit war der Stand des Börsenvereins einer der kleinen Mittelpunkte der Buchwerber-Welt. Einer ihrer Freunde bringt es auf den Punkt: „Etta war für die Branche die Mutter aller Anzeigenverkäuferinnen – im Verbund mit ihrer treuen Kollegin Eule hat sie für ihre Kunden alles Menschenmögliche getan“. Und ihre Freunde wussten von ihrer Leidenschaft für alles, was mit Micky Maus zu tun hat –legendär ist auch ihre Sammlung von Micky Maus-Devotionalien; ihre ganze Wohnung war voll davon.
Etta Nolte liebte Fernreisen – wie auch Uwe Marsen, einer ihrer Stammgäste damals (selbst der spätere Messedirektor Volker Neumann war dort regelmäßig zu Gast). Marsen erzählt: „Ich habe sie mehrmals in Thailand gesehen, sie liebte den Blick von einem bestimmten Lokal (Chang) auf Phuket, den Strand und das Wasser. Es hat nicht lange gedauert, und sie hatte auch dort einen Freundeskreis, der sich regelmäßig über Weihnachten/Neujahr im Urlaub traf.“
Auch ich trauere um meine Freundin, ich kannte sie schon lange, bevor wir „Wettbewerber“ wurden, aus ihrer Zeit bei Econ und als Werbeassistentin bei Bertelsmann in Gütersloh.

Das alles ist schon länger her; sie war mehrmals im Krankenhaus, hatte dadurch enorm abgenommen. Doch die Herzprobleme blieben. Trotzdem kam ihr Tod völlig unerwartet und viel zu früh. Ihre Beerdigung ist am Freitag in Frankfurt, um 12.30 auf dem Hauptfriedhof. Das ist der 18. November, der Geburtstag von Micky Maus – ihre Lieblingsfigur hatte ihren ersten Auftritt am 18.11.1928 in einem Kino in Los Angeles. Etta, was sagst Du dazu …?
Dein C.

Das Foto hier hat Regine Mosimann 2003 von Etta auf der Messe gemacht. Sie schreibt dazu: „Nun hat sie uns wirklich viel zu früh verlassen und das, ohne dass ich sie vorher noch einmal in den Arm nehmen und kräftig knuddeln konnte, was ich zuvor so einige Male getan hatte. Sie möge es mir verzeihen. Sie wird wissen, dass sie in unseren Herzen weiter lebt.“

Inzwischen (20.11.) hat uns auch diese Mail von Gabriele Jockel erreicht, die wir in fröhlicher Erinnerung an Etta hier festhalten wollen:

.. ich bin erst gestern von Florida zurückgekommen.Dort habe ich online im BuchMarkt gestöbert und über den Tod von Etta Nolte gelesen.Ich habe gar nicht gewusst, dass man ihr so übel beim Börsenblatt mitgespielt hat, da ich schon seit 2000 keinen Kontakt mehr zu ihr hatte. Dass Etta so jung gestorben ist, tut mir furchtbar leid und macht mich arg betroffen. Schlagartig waren auch die tollen Buchmesse-Treffen wieder in meinem Kopf, allerdings habe ich bei ihr Sekt (nicht Apfelwein) zum Lachs von Hertier gesüffelt, für besondere Busenfreunde wurde der Friseur auf die Messe in Ettas Klause bestellt, mancher Flirt und manches Verhältnis begann bei Etta (ich habe noch tolle Bilder, bleiben aber verschlossen), Thomas von Sacken gehörte zum engen Kreis ebenso wie der „Kaiser“ und seine Heidi Steinhaus und viele andere, die zusammen eine tolle Clique bildeten. Nie vergessen werde ich, wie ein ehemalige Werbemensch der Sueddeutschen, der Rosen und Gläser im Suff anbiss, mal in Ettas Messe-Klause übernachtet hat. Oder der Humor vom Handelsblatt-Michael – der hatte die besten Witze drauf.

Toll war auch die Versöhnung von Etta und der Anzeigenchefin eines gar hüteren Blattes, die sich jahrelang geschnitten haben, obwohl sie sich gar richtig nicht kannten, und dann gegenseitig feststellten, dass sie sich doch soooo mögen. Aber es gab auch viel Trauriges, denk ich an Jens-Peter Krüger und andere Kollegen, die viel zu früh gestorben sind oder sich das Leben genommen haben.

Etta war eine klasse Frau, unheimlich kameradschaftlich und lebensfroh, wie oft war ich mit ihr zum Wein im Rheingau … immer hat sie davon geträumt, im Alter mit ihren ledigen Freundinnen in eine Weiber-WG zu ziehen. Das Haus dazu war in ihren Träumen längst gebaut – eine herrschaftliche Villa – und stand natürlich mitten in den Weinbergen….Aber man musste schon das Glück haben, von ihr gemocht zu werden, sie konnte auch ganz schön stutenbissig sein. Und das Schlimmste war, wenn der Anzeigenfilm erst auf den letzten Drücker kam…oje!, da war es egal, ob man befreundet war, In jedem Fall war man (verbal) mindestens einen Kopf kürzer…Ja, die Micky Mäuse … sie schmückte sogar den Weihnachtsbaum mit Micky-Kugeln, die sie aus New York oder aus Thailand mitbrachte. Ich habe übrigens heute noch das gefakte Chanel-T-Shirt und die goldene Blender-Rolex, die sie mir 1987 aus Thailand mitbrachte. Einmal bin ich mit Etta mit dem Busunternehmen „Rosa Wolke“ (!!!!) nachts um 24 Uhr vom Hauptbahnhof aus nach Ascona gereist und am nächsten Tag abends wieder zurück. Etta war vorher auf einer Party gewesen und hat die Sitznachbarn und mich mit den Resten vom Büfett verwöhnt, Sekt hatte sie auch dabei…Alles in einer riesigen Tiefkühlbox! Die Fahrt als auch der kurze Aufenthalt am Lago war granatenmäßig! Ich könnte noch stundenlang erzählen, über Grünkohl-Fressgelage in ihrer winzigen Wohnung im Westend, Gänseessen und Schlemmertreffen an den Heißtheken bei Hertier, gnadelose Beaujolais primeur-Besäufnisse in der Krawallschachtel mit der Wirtin Doris oder Weinchen im Börsenstübchen mit den Jakob Sisters nebst Pudeln(!!!). Ich bin traurig, dass es diese originelle, intelligente Frau nicht mehr gibt und dass ich zu spät gekommen bin.

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