Mit der Schließung des Logistikzentrums in Hagen überrschaft Stefan Könemann die Branche vor der Messe. Wir fragten nach seinen Beweggründen und wie es weitergeht.

Buchmarkt.de: Die Meldung vor der Messe wird sicher viele aufschrecken. Was passiert jetzt? Sind Ihre Kunden jetzt bei Libri?]
Stefan Könemann: Nein, unsere Kunden bleiben bei uns, wir sind weiterhin ihre Ansprechpartner mit allen Vorteilen. Die vielen guten Gründe bei uns zu bleiben, bestehen weiterhin. Sie bekommen zum Beispiel weiterhin die günstigen Taschenbuchrabatte, letzter Bestellpunkt bleibt in NRW bei 19 Uhr. Unsere Kunden erhalten weiterhin unsere kostenlose EDV-Unterstützung, sie haben ihre langjährigen Ansprechpartner und kommen auch schnell zu mir durch und wir bieten günstige Zufuhrbedingungen. Jeder Kunde profitiert da auf seine Weise von.
Das heißt, Sie bleiben der Branche erhalten?
Sicher. Zur Messe werden wir zusammen mit unserem Elektronik-Partner Libras ein neues EDV-System für den Handel vorstellen. Wir kombinieren nur unser Stärken und unser großes Angebot bei den Regionalia mit dem großen Titellangebot von Libri. Das ist für unsere Kunden doch eine tolle Sache.
Für Ihre Mitarbeiter eher weniger.
Sie können sich vorstellen, dass ich gerade schweißnass aus unserer Mitarbeiterbesprechung herauskomme. Wir haben immer ein gutes Verhältnis zu unseren Mitarbeitern und auch zum Betriebsrat gehabt.
Wie war denn die Reaktion?
Gefasst. Wir reden darüber ja auch nicht das erste Mal. Wir haben immer unsere Mitarbeiter und den Betriebsrat über die Entwicklungen auf dem Markt auf dem Laufenden gehalten.
Konnten Sie Alternativen anbieten?
Das ist schwer. Das neue Geschäftsmodell kommt eben mit einem Bruchteil der Mitarbeiterzahl aus. Gerade für viele ältere Mitarbeiter ist das bitter, weil in Hagen und Umgebung die Arbeitsmarktlage schwierig ist. Als Familienunternehmen sind wir uns unserer Verantwortung bewußt und werden mit dem Betriebsrat Lösungen für ein sozialverträgliches Ausscheiden suchen. Wir sehen uns hier besonders in der Pflicht, weil wir überdurchschnittlich gute Mitarbeiter haben: Geringe Fehlerquoten und niedrigste Krankenraten sprechen hier eine deutliche Sprache.
Warum haben Sie nicht mehr investiert?
Wir haben erheblich investiert in den letzten Jahren. Denken Sie nur an die neuen Lagerhallen oder die Einführung von SAP. Aber der Markt wird zukünftig nicht mehr die Renditen bringen wie früher. Auch KNV geht mit seinem Umzug weg von der manuellen Laufkommissionierung und wird zwei Standorte zu einem hochmodernen zusammenlegen. Sie brauchen für eine eigenes Warenlager mindestens 250.000 meist bezahlte Titel, eigene EDV, Gebäude, und einen entsprechenden Stamm an Mitarbeitern. All das muss bezahlt werden. Wer nicht weiter auf moderne Technologie setzt, kann bei den Preisen nicht mehr mithalten. Hinzu kommen Überkapazitäten im gesamten Zwischenbuchhandel. Indem wir ohne Investitionen auf ein hochmodernes Lager zugreifen können, können wir das jetzt auch zu anderen Kosten machen.
Das heißt, Sie haben der Entwicklung vorgegriffen?
Wir haben vorausschauend gehandelt. Der Zeitpunkt ist gut gewählt. Auch wenn wir das jetzt früher ankündigen als üblich. Auf der Messe können wir mit vielen Kunden und Verlagen bereits darüber reden. Wir wollen die Umstellung so geräuschlos wie möglich machen, also in der umsatzschwachen Jahreszeit.
Dann werden Sie in Zukunft auch mehr Zeit haben.
Ja, Zeit, während der ich mich um unsere Kunden kümmern kann.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler