Ein gelungener Einstieg in die sagenhafte Welt Islands: Gestern Abend gab das Blaue Sofa in Berlin einen Vorgeschmack auf den Ehrengast der bevorstehenden Frankfurter Buchmesse.

Guðmundson, Juergen Boos (v. l.)
Auf den Buchmessen in Frankfurt und Leipzig ist das Blaue Sofa von Club Bertelsmann, ZDF und Deutschlandradio Kultur eine Institution. Auch zwischen den Messen geht es immer wieder auf Reisen, zu den Salzburger Festspielen beispielsweise oder nach Berlin. Gestern Abend stand es zum ersten Mal in der Bertelsmann Repräsentanz Unter den Linden 1. Rund 200 geladene Gäste, darunter Verlagskollegen, Journalisten und Kulturschaffende wollten sich das nicht entgehen lassen.
Halldór Guðmundson, Verleger, Autor und Leiter von „Sagenhaftes Island“, und Buchmessedirektor Juergen Boos sprachen mit Christhard Läpple, dem Leiter des ZDF-Literaturmagazins aspekte, über das Literaturland Island und seine Autoren, die sich in einer Woche auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren werden.
Schon jetzt ist der Gastlandauftritt ein Erfolg. Über 200 Übersetzungen aus dem Isländischen kommen dazu auf den deutschen Büchermarkt. Das sind mehr als erwartet und mehr als die Partnerländer der vergangenen Jahre, Argentinien und China, jeweils veröffentlicht haben. Dabei hat China immerhin mehr als 1.3 Milliarden Einwohner, während in Island knapp 320.000 Menschen leben – so viele wie in Bielefeld.
Obwohl die Folgen der Bankenkrise von 2008 noch spürbar sind, habe in Island niemand daran gedacht, den Auftritt in Frankfurt abzusagen, betonte Halldór Guðmundson. Gute Geschichten seien die einzige richtige Tradition der Isländer und die Buchmesse biete eine gute Gelegenheit, ihre Literatur in der Welt bekannt zu machen.
Die Begeisterung für Island ist schon im Vorfeld der Messe spürbar. Juergen Boos hat es denn auch nie bereut, dass man sich für das kleine Island als ersten nordischen Ehrengast entschieden hat. Dabei habe die Literatur des Landes im Mittelpunkt gestanden, aber auch wirtschaftliche und politische Gründe hätten eine Rolle gespielt, so Boos. Das Publikum erfuhr auch, dass viele deutsche Mythen auf den Isländer Sagas beruhen und die Sprache des Landes sich seit dem Mittelalter kaum verändert hat. „Die isländische Sprache ist das Latein des Nordens“, so Halldór Guðmundson.
„Lass dir eine gute Geschichte niemals von der Wahrheit kaputtmachen“, sagt man in Island. Die Insel hat viele gute Erzähler. Fast jeder Isländer ist ein Künstler, jeder zweite ein Schriftsteller und begeisterte Leser sind die Isländer sowieso. 40 isländische Autoren werden in Frankfurt erwartet und viele von ihnen sind auch dort auf dem Blauen Sofa zu Gast (Übergang Halle 5.1 zu 6.1).

Gestern Abend machten einige Autoren schon einmal neugierig auf mehr. Einar Kárason (Versöhnung und Groll), Ævar Örn Jósepsson (Wer ohne Sünde ist, beide btb) und Tilman Spreckelsen (Der Mordbrand von Örnolfsdalur, Galiani) zeigten mit ihren aktuellen Büchern die Vielschichtigkeit der isländischen Literatur. Und Alva Gehrmann brachte den Gästen mit Alles ganz Isi: Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene (dtv) das Lebensgefühl der Menschen auf der Insel näher. Doch Island besitzt mehr als vielfältige Geschichten: Beim anschließenden Chill-out mit isländischen Köstlichkeiten zeigten die sieben Mitglieder der Nachwuchsband Retro Stefson, dass die Isländer auch etwas von Musik verstehen.
ML