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Dr. Hans-Peter Übleis – ein Bestseller frisch auf der Rampe, der Biographierte politisch im Sturzflug – macht da das Verlegen Spaß?

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an Droemer-Verleger Hans-Peter Übleis].

Dr. Hans-Peter Übleis leitet den Droemer Knaur Verlag, der sich unter seiner Ägide zum führenden „Hofberichterstatter“ in Adelsangelegenheiten entwickelt hat. Auch bei den fundierten politischen Biografien und Autobiografien hat der agile Übleis (der schon mal mit einem dieser freundlichen gelben Tennisbälle verglichen wird) seinen Konkurrenten erfolgreich Marktanteile abgejagt. Für die Guttenberg-Biografie war dieser Verlag prädestiniert.

Hans-Peter Übleis
(c) Markus Röleke

Dr. Hans-Peter Übleis – wird Ihnen mulmig bei dem Gedanken, jemand könnte sich „Das absatzpolitische Instrumentarium der multinationalen Unternehmung“…

Hans-Peter Übleis: … Sie sprechen meine Dissertation an, die können Sie übrigens gebraucht bei Amazon für 9,63 € kaufen …

… einmal so vorknöpfen, wie es der Doktorarabeit unseres Verteidigungsministers a.D. ergangen ist?

Hans-Peter Übleis: Gar nicht. Meine Dissertation wurde 1976 approbiert – lange vor der Erfindung von copy and paste und Google. Ich habe sie als junger Familienvater (Politiker war ich leider nicht …) an der Wirtschaftsuniversität Wien (in mühseligen Nachtstunden, logisch) erarbeitet und auf einer IBM Kugelkopf-Schreibmaschine höchstpersönlich getippt. Meine wissenschaftliche These war aus heutiger Sicht völlig falsch, die akademische Vorgehensweise hingegen absolut korrekt. Obwohl das Werk gleich in zwei Verlagen erschienen ist, haben sich nur wenige Menschen (Auflage 400 Stück, glaube ich) dafür interessiert – als Autor war ich dennoch zufrieden, als Verleger hätte ich mich mit Entsetzen abgewandt. Das ist mit der Guttenberg-Biografie bei Droemer Gott sei Dank ganz anders.

Ein Bestseller frisch auf der Rampe, der Biographierte politisch im Sturzflug – macht da das Verlegen Spaß?

Hans-Peter Übleis: Verlegen macht immer Spaß, keine Frage, mir persönlich im Moment mehr denn je. Zu Guttenberg ist politisch keineswegs tot. Jeder kann jeden Tag in den Medien verfolgen, dass er alles andere als tot ist. Vor allen Dingen hat Droemer hier eine seriöse Biografie im Programm, an der zwei hoch qualifizierte Journalisten und Zeitgeschichtler von der FAZ ein Jahr lang gearbeitet haben. Dieses Buch bringt die spezifischen Vorzüge des Mediums ideal zum Ausdruck: Nachhaltigkeit und tieferes Verständnis des Themas über tagesaktuelle Schlagzeilen hinaus.

Wer muss oder will es denn heute noch so genau wissen?

Hans-Peter Übleis: Das Buch greift sehr weit über den politischen Guttenberg hinaus. Hier finden Sie überdies, was sonst kaum zu lesen und gleichzeitig typisch für die gesellschaftliche Schicht ist, aus der er stammt: die lange Familiengeschichte, seine schwierige Jugend, den Zerfall der Familie, den elitären Druck, unter dem ein Spross eines 900 Jahre alten Adelsgeschlechtes steht. Wer wissen will, wie Guttenberg tickt, kommt daran nicht vorbei – dieses Buch hat Bestand.

Bestand auch in kommerzieller Hinsicht?

Hans-Peter Übleis: Aber hallo. Nächste Woche steht es ganz weit oben auf der Bestsellerliste. Die Erstauflage von 21.000 Exemplaren ist ausverkauft. Die zweite Auflage wird gerade ausgeliefert mit einer 16-seitigen Aktualisierung. Damit erreichen wir die 53.000. Für die dritte Auflage – voraussichtlich das 78. Tausend – erwarten wir am kommenden Montag weitere 16 Seiten Aktualisierung und einen neuen Bildteil. Das muss schnell gehen und geht auch schnell.

Da schwimmt Ihr Verlagsteam sicher in Adrenalin. Wie bewältigen Sie persönlich solchen Stress – hilft dann und wann nur noch Beten?

Hans-Peter Übleis: Beten hilft immer. Was noch mehr hilft, sind Kollegen im Verlag, die ihr Handwerk beherrschen, ein solides persönliches Umfeld mit einer sympathischen Familie und guten Freunden. Auch ein gutes Glas Rotwein schadet nicht. Grundsätzlich gilt ohnedies: Eu-Stress hat noch niemandem geschadet.

Freitags um fünf: Was bewegt jetzt die Branche? Michael Lemsters Frage der Woche an

Michael Lemster, als langjähriger Programmleiter von buecher.de ein „Urgestein“ des elektronischen Buchhandels, berät Verlage, Buchhändler, Dienstleister und E-Commerce-Unternehmen bei Geschäftsentwicklung, Programm und Datenprozessen. Katalogdaten sind sein Spezialgebiet. Daneben veröffentlicht er Reportagen und Interviews.

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