
Nun geht es doch nicht alles so reibungslos über Bühne: Der Schweizer Nationalrat hat die Abstimmung über die Online-Ausnahme im Schweizer Preisbindungsgesetz erst mal bis September ausgesetzt. Was bedeutet das für die Preisbindung, wollten wir von SBVV– Geschäftsführer Dani Landolf (Foto) wissen.
buchmarkt.de: Der Schweizer Nationalrat hat nun doch noch nicht über die Online-Ausnahme im Schweizer Preisbindungsgesetz abgestimmt – das soll erst im September erfolgen. Heißt das, es bestehen noch Chancen für ein Preisbindungsgesetz?
Dani Landolf: Ja, die Chancen, ein Buchpreisbindungsgesetz ohne diese absurden Ausnahmeregelungen zu bekommen, sind noch immer intakt – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Das wissen wir aus den vielen Gesprächen mit den Parlamentarierinnen und Parlamentariern. Deshalb kämpfen wir weiter. Doch die bisherige Lobby-Arbeit hat auch gezeigt: Der politische Prozess dauert nicht nur sehr lange, er ist auch sehr unberechenbar, und die Gegner nehmen uns inzwischen ernst.
buchmarkt.de: Wie können Sie die Zeit bis September nutzen?
Dani Landolf: Indem wir einen weiteren Anlauf nehmen, die Schweizer Politiker von einem Buchförderinstrument zu überzeugen, das in sämtlichen Nachbarländern funktioniert, inklusive Onlinehandel.
buchmarkt.de: Wenn man ein bisschen orakelt: Könnte dieser Aufschub bedeuten, dass der Nationalrat ernsthaft über das Problem nachdenkt und begriffen hat, dass der Online-Passus das ganze Gesetz aushebeln würde?
Dani Landolf: Nun, der Grund für den Aufschub waren die vielen andern großen Themen, welche der Rat – ein Milizgremium – in den drei Sommer-Sessionswochen zu behandeln hatte (Banken, Krankenversicherung). Doch die Verschiebung könnte tatsächlich den von Ihnen genannten Effekt haben. Mit der kurz vor der geplanten Debatte im Nationalrat aufgeschalteten Internet-Plattform storyworld.ch (eine de-Adresse gibt’s auch) greift Orell Füssli den Schweizer Buchdiscounter Ex Libris frontal an. Der Preiskampf um die Frage, „wer verkauft heute den neuen Biss-Roman fünf Rappen günstiger als der Konkurrent?“, ist damit erstmals richtig lanciert. Möglich, dass dies dem ein oder andern Politiker die Augen öffnet.
Die Fragen stellte Ulrich Faure.







