
Ein Domizil mit Weitblick hatte sich der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zum heutigen Pressetermin ausgesucht; das Treffen mit den Medienvertretern fand im Dachgeschoss der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt statt.
Unter dem Motto „Bücher feiern, Ideen schützen – Der UNESCO-Welttag des Buches und der Rechte der Autoren“ wies Claudia Paul, Pressesprecherin des Börsenvereins, auf die doppelte Bedeutung des seit 1995 bestehenden Welttages hin: Es geht um Leseförderung und den Schutz des geistigen Eigentums.
Susanne Lux, die seit fünf Jahren die Kinder- und Jugendbuchhandlung Nimmerland in Mainz-Gonsenheim betreibt, berichtete aus ihrer Arbeit u.a. mit jungen Testlesern, monatlichen gemeinsamen Treffen zur Auswertung der Testberichte und ist überzeugt: „Das Urteilsvermögen und die Ausdrucksweise werden entwickelt, das bemerke ich an meinen Testlesern, die seit drei oder vier Jahren dabei sind, sehr deutlich“. Darüber hinaus organisiert sie Elternabende und berät junge Mütter und Väter zum Thema Kinderbücher, führt Schulklassen durch ihre Buchhandlung, hat seit einem Jahr ein Kinderkulturzentrum gleich neben ihrem Laden, organisiert den Vorlesewettbewerb in ihrer Stadt. Bei so viel Engagement auch noch ein Welttag des Buches? „Er ist wichtig, weil er Buch und Literatur in den Fokus rückt“, unterstrich die aktive Buchhändlerin.
Für den Welttag hat sie eine ganz besondere Aktion geplant: Bücher, die in Leipzig für den Jugendliteraturpreis nominiert wurden, werden in ihrem Stadtteil als kleine Geschenkpakete ausgelegt, wer eines findet, darf es behalten. Dabei wurde sie von den jeweiligen Verlagen unterstützt.
Eine Umfrage unter Jugendlichen auf der Leipziger Buchmesse wertete Holger Volland, Leiter Kommunikation und Marketing beim Börsenverein, aus. An der Umfrage nahmen 313 Mädchen und Jungen im Alter zwischen 12 und 19 Jahren teil. Thema war Filesharing und der Umgang damit. Die Ergebnisse zeigten, dass für über 60 Prozent der Befragten die Weitergabe von Dateien normal ist. Über 20 Prozent erweitern ihr Bücherregal mit illegal downgeloadeten E-Books, die meisten geben Kostengründe für ihr Verhalten an. Allerdings wissen 86,8 Prozent der Umfrageteilnehmer, dass Filesharing nicht erlaubt ist. Doch nur die Hälfte der Befragten empfindet es als falsch. Ein Viertel der interviewten Jugendlichen stimmt zu, dass Filesharing dem Stehlen eines Buches in der Buchhandlung gleichkommt. Eine entsprechende Bestrafung wird von der Hälfte der Teilnehmer akzeptiert.
Fakt ist jedoch, dass Jugendliche Dateien ohne nachzudenken weitergeben. Wie sollte man gegensteuern? „Kinder und Jugendliche haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie illegal downloaden oder Dateien weitergeben. Daran sollte man anknüpfen und entsprechend aufklären“, resümierte Holger Volland.
Über die Buch-Gutschein-Aktion informierte Andrea Wolf, Börsenverein, Landesverband Bayern. 95 Prozent der deutschen Buchhandlungen nehmen an dieser seit 2006 laufenden Aktion (Start als Pilotprojekt in Bayern) teil, 97 Prozent wünschen sich eine Fortsetzung, 12 Prozent möchten Verbesserungen. Die diesjährige Auflage von Ich schenk dir eine Geschichte, produziert von cbj, beträgt 1,2 Millionen Exemplare. Der Buchhandel hat die Möglichkeit, das Bändchen zum Selbstkostenpreis von 0,70 Euro zu erwerben, 650.000 Gutscheine werden an den Schulen verteilt. Ziel ist es, die Viert- und Fünftklässler in die Buchhandlungen zu holen.
Die frühzeitige Aufklärung über den Schutz des geistigen Eigentums soll von einem Online-Spiel unterstützt werden, das von der Crenetic GmbH entwickelt wurde. Der Geschäftsführer Carsten Widera-Trombach stellte das Spiel vor. Es soll ab 19. April im Internet zur Verfügung stehen, eine mögliche Einbindung in die Internetseiten von Buchhandlungen ist vorgesehen.
JF