
Oliver Zille wird heute 50 Jahre alt. Holger Ehling gratuliert dem Chef der Leipziger Buchmesse zum runden Geburtstag:
„Wieso kommt der Kohl immer zu Euch und nie zu uns?“ Das war eine der ersten Fragen, die mir Oliver Zille stellte, als wir uns irgendwann im Jahr 1994 begegneten. Damals war er schon drei Jahre in Diensten der Leipziger Buchmesse, und ich war gerade als Frischling zur großen Frankfurter Konkurrenz gekommen. Eineinhalb Jahrzehnte später wäre diese Frage undenkbar: Leipzig ist für die Prominenz aus Literatur, Politik und Unterhaltungsgeschäft heutzutage ein Pflichttermin. Und die Branche feiert sich ein bisschen unbeschwerter, ein bisschen fröhlicher und sehr viel unangestrengter als in Frankfurt.
Dass dies vor Jahren anders aussah, wissen diejenigen, die nach der Wiedervereinigung die Leipziger Buchmesse in den Terminkalender genommen hatten. Die Branche war gespalten: Viele hielten eine zweite Buchmesse in Deutschland für unwirtschaftlich. Auch zwischen den Messen krachte es: Die Leipziger Führung setzte auf eine internationale Fachmesse und reklamierte das Osteuropageschäft für sich. Die genervten Frankfurter konterten mit Übernahmegerüchten.
Anfangs noch unbemerkt steuerte schon damals Oliver Zille die Leipziger Buchmesse in ruhigere Gewässer. Er sah, dass Leipzig mehr sein musste als ein kleines Frankfurt; eine weitere Vertriebs- und Lizenzveranstaltung konnte nicht das Ziel sein. Er setzte auf attraktive Publikumsveranstaltungen und darauf, dass die Medien den Wert der Messe erkennen würden. Mit „Leipzig liest“ wurde für diese Strategie das optimale Instrument geschaffen und damit ein eigenes Profil gebildet.
Dieses Profil wurde in den folgenden Jahren beharrlich weiter entwickelt, und hier liegt die Stärke, die den Messemacher Oliver Zille auszeichnen: Er hört seinen Kunden genau zu und entwickelt daraus Angebote, die für den Markt passen. Das funktioniert gut – so gut, dass nach 2002, als die Frankfurter Buchmesse sich neu erfinden musste, viele Leipziger Vorlagen adaptiert wurden: Hörbücher, Veranstaltungsforen, der Buchverkauf und auch das Programm „Leseland Hessen“.
Der Anteil, den Oliver Zille an der Entwicklung der Leipziger Buchmesse in den vergangenen fast 20 Jahren gehabt hat, ist hier nur ansatzweise gewürdigt. Und er würde entgegnen, dass er nur mit seinem Team etwas bewirken könne. Aber: Teams muss man bilden und führen können. Und das kann er, wobei er auch vor harten Schnitten nicht zurückschreckt.
Hat er sich verändert in den rund 16 Jahren, die wir uns nun kennen? Natürlich. Er ist gelassener geworden. Aber er ist immer noch ein guter Zuhörer und immer noch einer, der sich herzlich freut, wenn andere Erfolg haben. Er ist ehrlich, auch wenn es um Unangenehmes geht. Er ist überaus loyal, was ich aus persönlichem Erleben weiß. Und er ist einer der wenigen Deutschen, die einen beinahe britischen Humor haben.
Was wir in Frankfurt denn außer dem Hörbuch, den Foren und dem Leseprogramm noch so alles aus seinem Fundus übernehmen wollten, fragte mich Oliver Zille Anfang 2003 in gespielter Entrüstung. Worauf ich nur zurückgeben konnte: „Von Leipzig lernen, heißt siegen lernen.“
Mein lieber Olli: Du bleibst ein Sieger. Alles Gute zum Geburtstag.
Kontakt: o.zille@leipziger-messe.de
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